Paul H. Arni, CEO VP Bank Gruppe, im Interview

Paul Arni
Paul H. Arni, CEO der VP Bank Gruppe. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Arni, wieso hat die Regierung Überbrückungskredite über eine Ausfallgarantie zunächst nur mit der Liechtensteinischen Landesbank zur Verfügung gestellt?

Paul H. Arni: Die Situation erforderte eine rasche Entscheidung. Die VP Bank wäre aber selbstverständlich bereit gewesen, sich ebenfalls als Kreditgeber zu beteiligen, wenn zusätzlicher Bedarf an solchen Hilfskrediten bestanden hätte.

Wie hat sich Corona auf die VP Bank ausgewirkt?

Wir haben seit Beginn der Corona-Pandemie ein Krisenteam installiert, welches die Situation laufend analysiert und Massnahmen beschliesst. Auch unser Research-Team analysiert die Entwicklung an den Finanzmärkten und gibt entsprechende Empfehlungen für unsere Kunden. Im Rahmen unserer Halbjahreskonferenz vom 18. August werden wir auch ein Update zur Corona-Situation aus Sicht der VP Bank geben.

Mit über einer Milliarde Eigenkapital steht die VP Bank Gruppe auf sicherem Fundament. War die kürzlich erfolgte grössere Wertberichtigung von CHF 20 Millionen Franken auf einen notleidenden institutionellen Lombardkredit ein Ausrutscher?

Die VP Bank ist sehr solide aufgestellt und verfügt über ein gesundes finanzielles Fundament mit ausreichend Liquidität. Bei der angesprochenen Wertberichtigung gehen wir effektiv von einem Einzelfall aus und haben auch entsprechende Stresstests und Analysen vorgenommen. Zudem überprüfen wir unser Kreditportfolio laufend und sehen aktuell keinen zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf. Dennoch müssen wir auch aus einer solchen Situation lernen, damit sie nicht mehr auftreten kann. Insbesondere müssen Prozesse und Standards laufend verbessert werden.

„Bei der Wertberichtigung über 20 Millionen gehen wir effektiv von einem Einzelfall aus und haben auch entsprechende Stresstests und Analysen vorgenommen.“
Paul H. Arni, CEO VP Bank Gruppe

Ist mit den kürzlich kommunizierten personellen Konsequenzen die Bereinigung abgeschlossen?

Unser Ziel ist es, die VP Bank für die Zukunft noch robuster aufzustellen, indem wir künftige Kreditrisiken besser identifizieren, bewerten und überwachen. Deshalb haben wir den Kreditbereich neu organisiert und die Verantwortlichkeiten des Geschäftsbereichs neu geregelt. Die Abgänge stehen im Zusammenhang mit der Neuregelung der Verantwortlichkeiten des Geschäftsbereichs.

Im sehr erfolgreichen letzten Geschäftsjahr wurde allein die Anzahl der Kundendepots um ein Sechstel gesteigert. Welche Auslandsfiliale hat dazu am meisten beigetragen?

Zur guten Entwicklung der Bank haben alle unsere Standorte beigetragen. Alle unsere Standorte arbeiten profitabel und die Entwicklung bestätigt uns in unserer Standortstrategie. Wichtige Erfolgselemente waren dabei die Wachstumsinitiativen und die Rekrutierung neuer Kundenberater.

Warum schwächte sich im zu Ende gegangenen Geschäftsjahr das Nettoneugeldwachstum leicht ab?

Wir sind mit dem Nettoneugeldzufluss im letzten Jahr sehr zufrieden. 2019 konnten insgesamt 2.3 Milliarden Franken Nettoneugeld verbucht werden. In dieser Zahl sind auch grössere Abflüsse aus dem Intermediärbereich aufgrund veränderter regulatorischer Rahmenbedingungen berücksichtigt. Eine weitere Milliarde stammt aus der Akquisition von Catella.

Das Neugeld soll ja von 2021-2024 jeweils pro Jahr über vier Prozent zunehmen. Hilft Ihnen da das weltweite Helikoptergeld?

Der Begriff Helikoptergeld bezeichnet die Ausweitung der Geldmenge, bei der eine Notenbank Geld direkt an den Staat oder an Bürger auszahlt. Eine sehr schnelle und effiziente Massnahme zur Soforthilfe. Dieses System beobachten wir aktuell tatsächlich in den USA, aber auch dort nur teilweise. In Europa hingegen verfolgen die Banken eine ultra-expansive Geldpolitik. Von der daraus resultierenden Liquiditätsschwemme profitiert der Finanzmarkt und wir sehen auch steigende Börsenkurse. Über diesen Weg führt die Geldpolitik zu einer verbesserten Stimmung an den Finanzmärkten, was sich dann wieder auf verstärkte Aktivitäten der Kunden auswirkt, wenn diese beispielsweise Vermögensverwaltungsmandate abschliessen.

„Eine Expansion in weitere Nordics-Märkte ist vorerst nicht geplant.“

Mit Dänemark, Schweden und Norwegen hatten Sie 2019 die «Nordics» als neue Zielmärkte definiert. Was ist denn mit Finnland oder Island?

Unseren Nordics-Markt haben wir mit den drei Ländern Norwegen, Schweden und Dänemark definiert, das ist korrekt. Diese drei Länder haben zahlreiche Gemeinsamkeiten – sowohl wirtschaftlich als auch kulturell. Zudem haben sie Ähnlichkeiten in der Gesetzgebung sowie in Bezug auf die Daten- und Steuertreue. Wir stehen jedoch noch am Anfang in diesen Ländern und setzen auf ein nachhaltiges Wachstum. Gegenwärtig konzentrieren wir uns deshalb auf den Aufbau unsere Position in diesen Märkten. Eine Expansion in weitere Nordics-Märkte ist vorerst nicht geplant.

Ihre Intermediärstrategie mit Fokus auf die grossen Treuhänder mit internationaler Ausrichtung sowie mittelgrosse externe Vermögensverwalter hat sich seit Jahren bewährt. Wie schwierig ist es, auf diesem Weg an die zahlungskräftige asiatische Mittel- bis Oberschicht heranzukommen?

Als Experte in der Anlageberatung und dank unserer technologisch hochstehenden Dienstleistungsplattform bildet Asien für uns einen attraktiver Markt. Das haben wir auch in unserer Strategie 2025 so definiert. Es schliesst auch das Intermediärgeschäft mit ein. Die Anzahl High Net Worth Individuals mit einem investierbaren Vermögen ab 3 bis 5 Millionen USD ist in Asien seit Jahren stark am Wachsen. Allein 2019 wurden in Asien 12‘000 neue UHNWI (Vermögen ab 30 Millionen Dollar) geschaffen. Also 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Im selben Zeitraum betrug das Wachstum in den USA sechs und in Europa vier Prozent.

Der Markt ist jedoch hart umkämpft, zumal es in dieser Region noch verhältnismässig wenige Kundenberater für dieses Kundensegment gibt. Es ist insbesondere für die unabhängigen Vermögensverwalter (EAM) in Singapur und Hongkong nicht immer einfach, gute Kundenberater zu verpflichten. Aufgrund der jahrelangen Erfahrung der VP Bank im Umgang mit Intermediären, hat sich die VP Bank in Singapur seit ihrer Gründung im Jahr 2008 stark auf das Geschäft mit den unabhängigen Vermögensverwaltern fokussiert.

„Distress Manager wittern ihre Chance, günstig einzukaufen, da viele Unternehmen aufgrund des «Lockdowns» in existenzielle Schwierigkeiten geraten.“

Das Fondsgeschäft läuft bei Ihnen seit zwei Jahrzehnten schwerpunktmässig aus Luxemburg. VP Fund Solutions will auch die Privatmarkt-Anlagen einem grösseren Publikum zugänglich machen. Wie denn?

Wir sind daran, ein Netzwerk von privaten und institutionellen Investoren, Unternehmen und ausgewählten Vermögensverwaltern aufzubauen. Die Mitglieder können sich dadurch mit erfahrenen Investoren vernetzen, Co-Investitionsprogramme initiieren oder sich ihnen anschliessen und geeignete Investitionsstrukturen und -lösungen aufbauen. Zusätzlich bieten wir Beratung und Lösungen für verschiedene Situationen im Zusammenhang mit den unternehmerischen Aktivitäten der Netzwerk-Mitglieder an, wobei der Schwerpunkt auf nachhaltigen und Impact Investments liegt.

Merken Sie eine Versteifung im PE-Markt jetzt in Zeiten der Krise?

Private Equity ist eine Anlageklasse mit langfristigem Anlagehorizont. Heute existiert auch eine bessere Steuerung bei der Realisierung von Gewinnen und Verlusten und somit können schwierige Marktphasen besser abgefedert werden. Käufer- und Verkäufererwartungen reagieren zudem wesentlich langsamer im Vergleich zu anderen Anlageklassen, welche auf öffentlichen Marktplätzen gehandelt werden. Dennoch beobachten wir, dass dezidierte PE-Strategien bereits auf die Krise reagieren. So wittern «Distress Manager» ihre Chance, günstig einkaufen zu können, da viele Unternehmen aufgrund des «Lockdowns» in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Finanzschwache Unternehmen haben möglicherweise Bedarf nach frischem Kapital. Fraglich ist, wie sich die Finanzierung von Start-up-Unternehmen entwickelt, da insbesondere sehr junge Unternehmen von der Krise stark betroffen sein könnten.

Die vor fünf Jahren ausgelobte „Strategie 2020“ ist bald Geschichte. Was wird sich – in wenigen Worten – auf Ende Jahr für die Zukunft ändern?

Die Strategie 2025 baut auf der erfolgreichen Strategie 2020 auf. Dabei fokussieren wir uns weiterhin auf unsere Kerngeschäfte und auf unsere Wachstumsmärkte. Ein wichtiges Element bildet die Erschliessung neuer Geschäftsfelder. So wollen wir Chancen der bestehenden Standorte nutzen und diese gezielt weiterentwickeln. Insbesondere in Asien bieten sich erhebliche Möglichkeiten. Ein weiterer Schwerpunkt wird auch im Bereich Nachhaltigkeit und Digitalisierung von Vermögenswerten liegen. Hier wollen wir Speziallösungen und Anlageinstrumente für Intermediäre und Privatkunden entwickeln.

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