Paul Senn, CEO ender diagnostics ag, im Interview

Paul Senn
Paul Senn, CEO ender diagnostics ag. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Senn, Sie stehen erst seit wenigen Wochen an der Spitze von ender diagnostics. Wie erleben Sie das Unternehmen, das in den letzten knapp eineinhalb Jahren enorm gewachsen ist?

Paul Senn: Das ganze Team ist mit grossem Engagement und Freude bei der Arbeit. Diese Freude an der Arbeit und der Wille zur Innovation durfte ich an meinem ersten Arbeitstag gleich selbst miterleben wie beispielsweise in unserem Testcenter am Flughafen Zürich. In einem solchen innovativen Umfeld eine neue Aufgabe anzutreten, ist natürlich grossartig. Ich freue mich zusammen mit den Kollegen und Kolleginnen unser Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln.

Was erachten Sie als Ihre wichtigste Aufgabe nach dem raschen Wachstum der letzten Monate?

Sie sagen es richtig, ender diagnostics ist seit der Gründung stark und rasch gewachsen. Während dieser Phase durften wir gemeinsam mit dem Team etliche Erfolgsmomente feiern und grosse Meilensteine meistern. Wir wachsen nach wie vor stark, jedoch hat unser Unternehmen inzwischen eine Grösse erreicht, mit welcher auch weitere Anforderungen anstehen als bei einem kleinen Startup. Eine der vielen Aufgaben in den nächsten Monaten wird sein, das Unternehmen langfristig erfolgreich und nachhaltig auszurichten.

Wo liegen aktuell die grössten Herausforderungen?

Wie Sie wissen, ist die COVID-19 Pandemie noch nicht vorbei – weder in der Schweiz noch international. Nach wie vor gilt es, möglichst rasch auf Ereignisse zu reagieren, und das in einem globalisierten Markt, welcher sich noch nicht stabilisiert hat – die global gestörten Lieferketten, um nur ein Beispiel zu nennen. Und immer mit dem Ziel vor Augen, eine Verbreitung des Virus zu stoppen. ender diagnostics kann und wird mit seinen umfassenden Screeninglösungen Teil der neuen Realität sein. Neben diesen oftmals kurzfristigen Aufgaben gilt es die Aktivitäten und Konzepte in einen grösseren Kontext zu setzen. Hier gilt es langfristige Konzepte und Lösungen für Kunden und Partner auszuarbeiten. Dazu kommen weitere Herausforderungen, welche für alle Unternehmen gleich sind, die rasch wachsen. Um diese Herausforderungen einer raschen Skalierung zu meistern, steht uns ein Kader aus der Industrie mit viel Erfahrung zur Verfügung.

«Nach wie vor gilt es, möglichst rasch auf Ereignisse zu reagieren (…). Immer mit dem Ziel vor Augen, eine Verbreitung des Virus zu stoppen. ender diagnostics kann und wird mit seinen umfassenden Screeninglösungen Teil der neuen Realität sein.»
Paul Senn, CEO ender diagnostics ag

Berner gelten gemeinhin nicht als die Schnellsten. Auf ender diagnostics trifft dies definitiv nicht zu. Nicht nur liefern Ihre Sars-CoV-2-Tests schnelle Resultate, ender war auch schnell mit den Tests am Markt. Wie hat das Unternehmen diese Herausforderung meistern können?

Nun, manche behaupten, dass Berner nicht langsam seien, sondern höflich und somit auf die anderen warten. Aber zurück zu unseren tatsächlich sehr schnell entwickelten Screeninglösungen. Dazu gehören schon lange nicht mehr nur die Testkits oder die Auswertungen in unseren Laboren, sondern auch die umfassenden Testkonzepte. Wie beispielsweise am Flughafen Zürich, dort betreiben wir in Zusammenarbeit mit der Checkport Schweiz AG erfolgreich vier Testcenter. Es gibt verständlicherweise viele Faktoren, warum wir oftmals die schnellsten sind. An diesem Punkt möchte ich den Kollegen und Kolleginnen und auch unseren Partnern danken, welche die Integration unserer Gesamtlösungen in Rekordzeit durch ihren engagierten und innovativen Arbeitseinsatz Tag für Tag ermöglichen.

Ihre Tests sind sogenannte rtPCR-Tests. Wie lässt sich das Verfahren Laien erklären?

Der breiten Öffentlichkeit sind vorwiegend zwei Tests bekannt. Der Antigen-Test und der PCR-Test. Unsere Tests sind umgangssprachlich genannt PCR-Tests, genau steht rtPCR-Tests für «reverse transcription Polymerase Chain Reaction». Der rtPCR-Test wird im Vergleich zum Antigen-Test im Labor von qualifiziertem Fachpersonal ausgewertet. Dabei wird Erbmaterial des Virus vervielfältigt. So gelingt es, Viren nachzuweisen, auch wenn erst wenige Erreger vorhanden sind. Der Test hat also eine hohe Sensitivität – er weist das Virus mit einer hohen Treffsicherheit nach. Zudem wird gezielt nur das Erbmaterial von SARS-CoV-2 vervielfältigt. Der Test hat damit eine beinahe 100% Spezifität, weist also genau die gesuchten und alle bisher bekannten Virusmutationen, sogenannte «Variants of Concern», nach.

Das Verfahren kam zuerst im Veterinärbereich zum Einsatz. Welche Voraussetzungen mussten gegeben sein, damit es so schnell in die Humandiagnostik übertragen werden konnte?

Das Verfahren konnte nicht gleich übernommen werden – lediglich die Technologie. Die grössten Unterschiede sind verständlicherweise die viel strengeren Zulassungsregeln in der Humanmedizin und der unmittelbare Einfluss auf die «Therapieentscheidung». Dank der langjährigen Erfahrung unseres Teams konnte dieser Prozess jedoch rasch erfolgen.

Mittlerweile stellen Sie drei verschiedene Tests bereit. Wie unterscheiden sie sich?

Es stellt sich in jedem Setting die Frage, welches Ziel verfolgt wird. Einerseits haben wir Tests, welche für das breite Screening der Bevölkerung ausgelegt sind, und andererseits solche Tests, welche ausschliesslich in klinischen Einrichtungen Anwendung finden. Diese gezielte Anwendung der jeweiligen Testlösung ist entscheidend.

Wie schnell können die Tests auf neue Virus-Varianten angepasst werden?

Diese Umstellung erfolgt nicht in den Testkits selbst, sondern im Labor. Die Umstellung kann ziemlich rasch und innerhalb von Wochenfrist erfolgen.

«Unsere Erfolge in der Schweiz bleiben auch international nicht unbemerkt.»

Ob am Flughafen Zürich oder im Parlament, ob in mobilen Testzentren oder in Unternehmen und an Grossanlässen – ender diagnostics ist mit seinen Tests und Konzepten omnipräsent. Wie viele Tests produzieren Sie, wie viele gelangen wöchentlich zum Einsatz und wie viele werden in den eigenen Labors analysiert?

Zur Anzahl von in Verkehr gebrachten Testkits, sowie der Anzahl Analysen in unseren Labors geben wir keine detaillierte Auskunft.

Wie stark sind Ihre Tests im Ausland nachgefragt?

Unsere Erfolge in der Schweiz bleiben auch international nicht unbemerkt. In den Bereichen, in welchen wir die letzten Monate besonders erfolgreich unsere Gesamtlösungen umsetzen durften, wie breit angelegte Screenings der Bevölkerung oder Lösungen im Bereich des Reiseverkehrs, sind auch international gefragt. So arbeiten wir an verschiedenen Projekten in diesen zwei Bereichen in Asien, Afrika und im mittleren Osten.

Die Preise für die Tests wurden zwar im Mai am Flughafen Zürich gesenkt, dennoch sind sie natürlich weiterhin ein gutes Geschäft: Zwischen 99.- und 219.- Franken für einen PCR-Test am Flughafen. Sind die hohen Preise in erster Linie dem Umstand geschuldet, dass die Resultate bereits nach max. 3 Stunden vorliegen?

Die Geschwindigkeit der Auswertung ist nur ein Teil der Kosten. Ein grosser Teil der Aufwände und der benötigten Infrastruktur bleibt für den Kunden oftmals unsichtbar. Zu Beginn der Pandemie waren weder entsprechende IT-Systeme noch Logistikkonzepte vorhanden. Es wurden also neben neuen Tests und Verfahren auch neue und sichere IT-Systeme programmiert, die Logistik organisiert, Testcenter aufgebaut usw. Dazu kommt, dass für die Arbeit in einem Labor nur Fachpersonal eingesetzt wird. Unsere Dienstleistungen richten wir langfristig am Markt aus und wollen die für die Situation passendsten Lösungen anbieten, ohne Abstriche bei der Qualität hinzunehmen. Hierbei setzen wir auf bewährte Schweizer Qualität und produzieren die Testkits ausschliesslich in der Schweiz. Ebenso finden die Testauswertungen ausschliesslich in Schweizer Laboren statt. An diesem Grundsatz orientierten wir uns von Beginn an – mit offensichtlichem Erfolg.

«Wir sind zuversichtlich (…), dass wir auch in Zukunft einen Mehrwert für die verschiedenen Kunden- und Partnersegmente erbringen werden – unabhängig von der COVID-19 Pandemie.»

Wie geht es für das Unternehmen weiter, wenn die Pandemie langfristig abklingt oder dereinst dann vielleicht doch die meisten Menschen geimpft sind oder die Krankheit überstanden haben?

Bisher gelang uns die Entwicklung von Produkten im klinischen Laborbereich hin zum Einsatz im Veterinärwesen und zuletzt mit ender diagnostics in den Humanbereich. Wir sind zuversichtlich, unsere Produkte, Konzepte und Dienstleistungen so weit nachhaltig zu entwickeln, dass wir auch in Zukunft einen Mehrwert für die verschiedenen Kunden- und Partnersegmente erbringen werden – unabhängig von der COVID-19 Pandemie.

Herr Senn, wir bedanken uns für das Interview.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.