Peter Burema, CEO Acino

Peter Burema

Peter Burema, CEO Acino. (Foto: Acino)

von Christa Spoerle

Herr Burema, ist mit dem Übernahmeangebot von Avista Capital Partners und Nordic Capital die langfristige Wachstumsstrategie Acinos nach der Ablehnung der Kapitalerhöhung besser gesichert?

Peter Burema: Dank der Unterstützung durch Avista und Nordic befindet Acino in einer weit aus besseren Ausgangslage, nicht nur organisch, sondern auch über Akquisitionen – also anorganisch  – zu wachsen. Als kotiertes Unternehmen wären wir während der nächsten beiden Jahre kaum in der Lage gewesen, das Kapital für nötige Akquisitionen aufzubringen.

Der Verwaltungsrat erhält einen neuen Präsidenten, wie sieht es da mit dem Management aus? Bleiben Sie an Bord?

Mit Hakan Bjorklund erhält unser Unternehmen  einen erfahrenen VR-Präsidenten, der über ein breites Sachwissen und ein gutes Netzwerk verfügt. Davon kann Acino nur profitieren. Die neuen Eigentümer und das Management werden mit dem festen Vorsatz zusammenarbeiten, Acino zu einem weltweit tätigen Institut auszubauen.

«Als kotiertes Unternehmen wären wir während der nächsten beiden Jahre kaum in der Lage gewesen, das Kapital für nötige Akquisitionen aufzubringen.»
Peter Burema, CEO Acino

Acino konnte im ersten Halbjahr 2013 Fortschritte beim Umsatz (+11%) und der Marge (+2,8%) machen. Die Erwartungen lagen jedoch noch höher. Sind Sie denn mit dem Zwischenergebnis zufrieden?

In meinen Augen hat Acino eine starke Performance gezeigt. Vor allem wenn man bedenkt, dass  unser Unternehmen die Integration des Mepha-Geschäfts bewältigen musste. Die Tatsache, dass dieses neu integrierte Geschäftsfeld (als Teil des business-to-consumer-Geschäfts (BtC)  bzw. Acino Switzerland-Geschäfts in den aufstrebenden Ländern) sich besser entwickelt hat als erwartet, ist von den Märkten nicht richtig  gewürdigt worden.

Die Umsatz- und Ertragsentwicklung der Bereiche Business-to-Consumer und Business-to-Business-Segment divergierten stark. Wie entwickelt sich der Preisdruck im Business-to-Business-Geschäft?

Als wir unsere Zukunftsstrategie festlegten, war uns völlig klar, dass unser business-to-business-Geschäft nicht ideal positioniert  war, mit der Ausrichtung auf das europäische Geschäft  bei einem Deutschland-Anteil von über 60% und mit wenigen Kunden, wovon vier für über 80 % des Umsatzes verantwortlich waren. Mehr Druck auf die Margen war die logische Folge. Dieser betraf vor allem unser Schmerzmittel Oxycodone, das wir bis dahin als Einzige auf dem deutschen Markt anboten. Dass verschiedene neue Anbieter auf dem Markt auftraten, lässt sich eindeutig an der Profitabilität des BtB-Segments im ersten Halbjahr ablesen.

Häufig werde ich gefragt, wann der Preisverfall denn endlich zum Stillstand kommt. Da kann ich nur sagen, dass viele unserer BtB-Produkte diese dramatischen Preissenkungen schon durchlaufen haben, weshalb wir hier auch künftig mit stabileren, höchstens noch leicht rückläufigen Preisen rechnen können. Zum gleichen Zeitpunkt haben wir das Rivastigmin-Pflaster zur Behandlung von Alzheimer in verschiedenen europäischen Ländern eingeführt. Hier  gibt es viel weniger Konkurrenzprodukte und der Rückhalt durch Ärzte und Patienten zum ersten generischen Produkt, zu dem sie gewechselt sind, erweist sich als viel grösser. Eine ähnliche Haltung lässt sich auch bei den Schmerzpflastern Fentanyl und Buprenorphine feststellen.

«Häufig werde ich gefragt, wann der Preisverfall denn endlich zum Stillstand kommt. Da kann ich nur sagen, dass viele unserer BtB-Produkte diese dramatischen Preissenkungen schon durchlaufen haben.»

Nach der Integration von Mepha/Cephalon: haben sich ihre Erwartungen erfüllt?  Müssen noch weitere Sparmassnahmen getroffen werden?

Wir sind sehr zufrieden mit der Integration des Mepha-Geschäfts und müssen vor allem unseren Mitarbeitern dafür grossen Dank aussprechen. Denn es ist ganz klar: wenn zwei Unternehmen verschmolzen werden, treffen auch zwei unterschiedliche Unternehmenskulturen aufeinander und der neue Job ist nicht mehr der gleiche wie alte Job. Wie jedes Unternehmen müssen auch wir laufend unsere Prozesse daraufhin überprüfen, ob sie nicht effizienter und kostengünstiger ablaufen könnten. Aber auch während des Integrationsprozesses blieb die Performance hoch und wie vorhin bereits bemerkt, konnten wir das Wachstum des früheren Mepha-Geschäfts über alle Erwartungen hinaus steigern. Mir als Holländer mit internationalem Background fällt hier in der Schweiz auf, dass die Arbeitseinstellung überaus positiv ist: man beklagt sich zwar, aber das beinflusst auf keinen Fall die Hingabe, mit der man seinen Job macht.  Die Geschäftsleitung ist weiterhin bemüht, in offenem Gespräch mit der Belegschaft allfällige Differenzen über Arbeitsmethoden zu bereinigen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.

Beeinträchtigt die Lage im Mittleren Osten und Nordafrika die Umsätze im Business-to-Consumer Geschäft dort?

Derzeit sind wir zwar nicht in Syrien tätig, aber in vielen anderen Ländern der Region und wir werden Tag für Tag mit neuen persönlichen Tragödien konfrontiert. Deshalb ist das starke Wachstum, das wir in diesen Ländern der Region, wo wir tätig sind, erzielen, nahezu unglaublich.

Können Sie denn an der gesenkten Guidance für 2013 ( Umsatzwachstum im hohen einstelligen Bereich, Verbesserung der EBITDA-Marge in H2) festhalten?

Wir haben schon anlässlich unserer ursprünglichen Guidance auf die möglichen Risiken hingewiesen, die da waren: das kompetitive Umfeld von Oxycodone und dessen Auswirkung auf unserer BtB-Geschäft, eine mögliche Verzögerung bei der Einführung von Rivastigmin und der Produktion des Bayer-Verhütungspflasters. Unglücklicherweise sahen wir uns mit allen dreien konfrontiert. Aber nun können wir mit der Produktion des Bayer-Pflasters noch Ende diesen Jahres beginnen und unsere Partner sind auf gutem Wege, noch im laufenden Jahr das Rivastigmin-Pflaster in verschiedenen europäischen Ländern zu lancieren. Nicht zuletzt, nachdem ein entscheidender Durchbruch bei den Patentstreitigkeiten in Deutschland erzielt werden konnte.

Nach einer EBITDA-Marge von 15.5% im ersten Halbjahr, halten Sie eine Marge von 25% ab 2016 gut erreichbar. Was sind dafür die wichtigsten Gründe?

Dafür gibt es vier entscheidende Punkte:

  1. Wir rechnen mit einem höheren Wachstum im BtC-Geschäft aufgrund neuer Produkte, die eine höhere Marge  und verbesserte Skalenerträge in den Ländern versprechen, in denen wir bereits tätig sind. Dies, weil beispielsweise die vorhandenen Verkaufsstrukturen auch weitere neue Produkte betreuen können. Zudem werden wir  u.a. mit den CIS-Ländern neue Absatzmärkte erschliessen.
  2. Im BtB-Segment werden ebenfalls neue Produkte lanciert und mit den USA und Japan neue Länder und Märkte anvisiert.
  3. Die Bedeutung  niedrigmargiger Produkte im Segment Technology Marketing wird laufend  kleiner. Zudem fällt mit der Schliessung des Penicillin-Werks in Liesberg im nächsten Jahr ein Verlustgeschäft weg.
  4. Wir arbeiten laufend an der Kostenoptimierung und der Effizienz der Arbeitsprozesse.

Für das laufende Jahr sind unter der Produktemarke Acino Switzerland 60 und 2014 120 Produktelancierungen geplant, entspricht das ihrem Plan?

Sicher ist es für ein kleineres Unternehmen, wie wir es sind, sehr anspruchsvoll, so viele neue Produkte zu lancieren. Aber zweifellos würden wir auch für mehr Produkte die nötigen Ressourcen aufbringen. Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit unserem Lancierungs-Plan.

Sie suchen aber noch nach Allianzpartnern vor allem in der Ukraine, Russland, Vietnam und Indonesien, wie sieht es da aus?

In Vietnam arbeiten wir bereits mit einem Partner zusammen der schon als erstes das Kardialprodukt Clopacin auf den Markt brachte. In den anderen Märkten sehen wir tatsächlich grosses Potenzial für unsere Marke Acino Switzerland und wir werden unsere Aktivitäten in absehbarer Zeit auf die eine oder andere Weise starten. Russland ist darunter zweifellos der attraktivste Markt, aber hier wird der Eintritt noch durch die langwierigen Prozesse bei der Produktezulassung verzögert.

Beim Rivastigmin-Pflaster zur Behandlung von Alzheimer, wie verläuft da der Zulassungsprozess in den USA?

Wir haben alle drei Dosierungen unseres Patchs zur Registrierung angemeldet, die nun in vollem Gange ist. Nach jüngsten Informationen  können wir davon ausgehen, dass wir mit der höchsten Dosierung sogar den FTF (First to File)-Status erreicht haben, was bedeutet, dass wir während sechs Monaten nach Patentablauf über das alleinige Generikarecht verfügen.

Zur Person:

Peter Burema, Jahrgang 1958, ist niederländischer Staatsbürger  und leitet die Acino seit 1. April 2010 als Mitglied der Gruppenleitung und CEO.  Er absolvierte die business school St. Olof in den Niederlanden.  Zwischen 2008 bis 2010 war er als unabhängiger Berater von Pharmaunternehmen, Private-Equity- und Venture-Capital-Gesellschaften in bezug auf deren Healthcare-M&A-Strategien mit speziellem Fokus auf (Marken-)Generika tätig. In den Jahren 2006 bis 2008 war er President Global Pharmaceutical Business bei Ranbaxy Laboratories Limited, London, und CEO der Ranbaxy Gesellschaften in Frankreich (RPG Ranbaxy Pharmacie Generiques) und Rumänien (Ranbaxy Terapia Rumania). 2004 bis 2006 war er President und davor Regional Director (2000-2004) für Europa, GUS, Afrika & Lateinamerika bei Ranbaxy Europe Ltd., London. Davor hatte er verschiedene Führungspositionen bei Bayer Healthcare (darunter Country Manager Indonesien, Division Director Skandinavien für die Divisionen Consumer Care und Pharmaceutical, General Manager Pharmaceutical Division Bayer Norway AS) inne.

 

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