Peter Kappeler, CEO Pax Versicherung und Pax Holding, im Interview

Peter Kappeler
Peter Kappeler, CEO Pax Versicherung und Pax Holding. (Foto: Pax)

Peter Kappeler, CEO Pax Versicherung und Pax Holding. (Foto: zvg)

von Robert Jakob

Moneycab.com: Herr Kappeler, Pax bietet eine Kinderversicherung an, welche bei Tod oder Erwerbsunfähigkeit von der Prämienzahlung befreit. Wie läuft diese?

Peter Kappeler: Die Pax Kinderversicherung wird vom Markt sehr gut aufgenommen, denn sie überzeugt durch ein faires Preis-/ Leistungsverhältnis. Zudem ist die Prämienbefreiung des erwachsenen Versicherungsnehmers mitversichert. Das bedeutet: falls dieser aufgrund von Tod oder Invalidität die Prämien nicht mehr bezahlen kann, übernimmt dies Pax und stellt damit das Sparziel für das Kind sicher. Attraktive Anlagemöglichkeiten für den Sparanteil sind ein weiteres Plus der Kinderversicherung.

Bei so einem Vorsorgeprodukt ist Aufbau einer finanziellen Reserve für den Eintritt ins Erwachsenenleben der Zweck. Wird das nicht für unsere Kinder aufgrund der überhöhten Immobilienpreise ein immer schwieriger zu erreichendes Ziel?

Die Kinderversicherung kombiniert Sparen mit Risikoschutz. Was das Kind als junger Erwachsener mit dem Angesparten macht, hängt von seinen Vorlieben und seiner Lebenssituation ab. Oft wird das Geld für die Ausbildung, Studium oder den Auszug aus dem Elternhaus benutzt. Sparen für den Hauskauf ist dagegen nicht im Fokus einer Kinderversicherung.

«Die Pax Anlage AG gibt nur den kleineren Teil der Immobilientätigkeit von Pax wieder. Den Grossteil der Immobilien hält die Pax Versicherung mit einem Portefeuille von rund einer Milliarde Franken.»
Peter Kappeler, CEO Pax Versicherung und Pax Holding

Mir ging es dabei vor allem um die Frage der teuren Miet- und Wohnkosten in der Schweiz. Die Pax Anlage AG ist ja im Immobiliengeschäft tätig. Glauben Sie an eine „sanfte Landung“ des Schweizer Immobilienmarktes?

Bis jetzt gibt es keinerlei Anzeichen für das Gegenteil. Die Bremsinstrumente der Nationalbank zeigen Wirkung, und die politischen Rahmenbedingungen haben die Akteure veranlasst, vorsichtiger zu agieren, was gut ist. Eine gewisse Unsicherheit besteht über die Auswirkungen des Anlagenotstands solange die Zinsen so extrem tief sind.

Sie entwickeln vor allem Mehrfamilienhäuser und Eigentumswohnungen und diese in der Deutschschweiz und im Tessin. Warum haben Sie die Romandie nicht im Programm?

Die Pax Anlage AG gibt nur den kleineren Teil der Immobilientätigkeit von Pax wieder. Den Grossteil der Immobilien hält die Pax Versicherung mit einem Portefeuille von rund einer Milliarde Franken. Dieses ist in allen Landesteilten präsent, insbesondere auch in der Romandie. Die Entwicklungstätigkeit der Pax Anlage AG konzentrierte sich in den letzten Jahren aber tatsächlich auf die Deutschschweiz und das Tessin.

Ist die private Kapitallebensversicherung bald ein Auslaufprodukt, wenn Herr Jordan die Negativzinsen so weiterführt?

Die Herausforderung für die Lebensversicherungen liegt in der tiefen Verzinsung von langfristigen Anlagen. Ab dem 1. Januar 2016 darf der garantierte Zins bei allen Versicherungsgesellschaften 0.75 Prozent für mit periodischen Prämien finanzierte Lebensversicherungen nicht mehr überschreiten. Vor diesem Hintergrund erhalten sogenannte Überschusszahlungen verstärkt Bedeutung. Diese entstehen aufgrund der vorsichtigen Berechnung der Versicherungsprämien dann, wenn die angenommenen Kosten für Risiken und die Verwaltung geringer ausfallen als angenommen oder wenn der Ertrag aus den Kapitalanlagen den technischen Zins übersteigt. Diese sind nicht garantiert, weshalb die Verlässlichkeit einer Versicherungsgesellschaft massgebliches Kriterium darstellt. Pax zeigte in der Vergangenheit, dass sie hier ein attraktiver Partner ist.

Dank der Branchentarifierung gibt es bei der Pax keine detaillierte Risikoselektion. Dennoch. Welche: Branchen sind in den letzten Jahren tendenziell riskanter geworden?

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass der Invaliditätsverlauf oft, aber nicht immer, mit einer gewissen Verzögerung der Konjunktur folgt. Somit sind Branchen, deren wirtschaftliches Umfeld schwierig ist, grundsätzlich riskanter. Bisher konnten wir aber keinen schlechteren Risikoverlauf feststellen.

«Ein Geschenk gibt es wohl nicht. Aber einen Weihnachtwusch hätte ich schon: dass sich die historisch tiefen Zinsen endlich wieder erholen.»

Sie bieten eine spezielle BVG-Versicherung für Start-ups an. Diese können 3 Jahre lang von einer vereinfachten Lösung profitieren. Wieviele Policen führt die Pax in absoluten Zahlen in diesem Segment?

Pax setzt sich für die Förderung von Start-Ups ein und bietet ihnen während der Startphase Planungssicherheit bei den Gesamtkosten der beruflichen Vorsorge. Die Unternehmen profitieren von einer fixen Kostenprämie pro versicherte Person von CHF 345 pro Jahr. Aktuell haben wir davon im Bestand rund 550 Verträge mit 890 Versicherten und einem Prämienvolumen von CHF 3.5 Millionen.

Mit 94,3 Prozent hat Pax seine Kunden am Geschäftserfolg und damit weit mehr als die gesetzlich vorgeschriebene sogenannte legal quote von 90 Prozent beteiligt. Ist das eine Folge der kundenfreundlichen Genossenschaftsstruktur?

In unserem Geschäft ist Nachhaltigkeit entscheidend, denn eine Versicherung ist immer ein langfristiges Versprechen gegenüber unseren Kunden. Die Genossenschaft mit ihrem Solidaritätsprinzip erweist sich hier als ideale Rechtsform. Sie handelt vorausschauend und hält Ertrag und Risiko im Gleichgewicht. Als Genossenschafter profitieren unserer Kunden von einer stabileren Überschussbeteiligung. Die Gewinne von Pax verbleiben im Unternehmen und kommen so direkt unseren Kunden zugute.

Was kostet eigentlich ein Genossenschaftsanteil?

Wer bei Pax eine Lebensversicherung abschliesst, wird automatisch Mitglied der Genossenschaft. Genossenschafter sind somit alle Versicherungsnehmer, also unsere Kunden, die durch die Mitgliedschaft direkt am wirtschaftlichen Erfolg von Pax beteiligt sind. Genossenschaftsanteile werden keine ausgegeben, insofern verkörpert ein Genossenschaftsanteil keinen materiellen Wert.

Ich nehme nicht an, dass das Versicherungsgeschäft der Pax irgendwann einmal an die Börse geht, oder?

Ein Börsengang würde einen grundlegenden Umbau der genossenschaftlichen Strukturen bedeuten. Dies ist nicht beabsichtigt.

Bei einer Solvenz von rund 300 Prozent können Sie sich eigentlich den ein oder anderen Wunsch erfüllen. Gibt es ein Weihnachtsgeschenk?

Ein Geschenk gibt es wohl nicht. Aber einen Weihnachtwusch hätte ich schon: dass sich die historisch tiefen Zinsen endlich wieder erholen.

Zur Person:
Seit 2011 ist Peter Kappeler CEO der Pax Versicherung sowie der Pax Holding (Genossenschaft) und führt das Departement Operations & Produkte sowie den Stab. Zuvor hatte er leitende Funktionen bei der Winterthur Versicherung (heute AXA) und zuletzt bei der Allianz Suisse inne. Peter Kappeler ist 1969 geboren. Er ist Ingenieur ETH und absolvierte zusätzlich ein Diplomprogramm in Insurance Management an der HSG.

Zum Unternehmen: 
Die Pax Holding ist ein genossenschaftlich organsiertes Unternehmen mit Sitz in Basel. Entstanden ist sie 1995, als die damalige Pax Lebensversicherungs-Genossenschaft in eine Holding-Gesellschaft überführt wurde. Zur Pax Holding gehören die beiden Tochtergesellschaften Pax, Schweizerische Lebensversicherungs-Gesellschaft AG (Pax) und mit Mehrheitsbesitz die börsenkotierte Pax Anlage AG. Bei Pax liegt der Schwerpunkt in der Privaten und Beruflichen Vorsorge, während die Firmengruppe Pax Anlage AG im Schweizerischen Immobilienmarkt tätig ist. Letztere ist an der SIX kotiert.

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