Peter Schildknecht, CEO CPH Chemie + Papier Holding AG

Peter Schildknecht
Peter Schildknecht, CEO CPH Chemie + Papier Holding AG. (Foto: CPH)

Peter Schildknecht, CEO CPH Chemie + Papier Holding AG. (Foto: CPH)

Von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Schildknecht, das vor zwei Jahren in unserem letzten Interview gesteckte Ziel, CPH wieder in die schwarzen Zahlen zu führen, haben Sie dank dem Papierbereich erreicht. Aber das kann nur ein Zwischenhalt sein. In welcher Grössenordnung sollte ihr EBITDA in der Besten aller Welten liegen?

Peter Schildknecht: Operativ auf Stufe EBITDA waren wir in den letzten Jahren immer in den schwarzen Zahlen. Die EBITDA-Marge lag seit 2010 jeweils im höheren einstelligen Bereich. Die Abschreibungen nach der Grossinvestition in die neue Papiermaschine PM7 vor rund vier Jahren führten jeweils zu einem negativen Ergebnis. In der Zwischenzeit läuft die PM7 nahe der Maximalkapazität und dank konsequenter Kosten- und Ertragsoptimierung konnte die Effizienz deutlich verbessert werden. So konnten wir beispielsweise die Fixkosten pro produzierte Tonne Papier um rund 40 Prozent reduzieren. Bis wir wieder zweistellige EBITDA-Margen erreichen, braucht es aber noch weitere Anstrengungen.

Wo genau liegen diese?

Insbesondere investieren wir ausserhalb des Papierbereichs, der gegenwärtig zwei Drittel des Gruppenumsatzes ausmacht. Zudem stammen unsere Erträge überwiegend aus dem Euroraum, während die Kosten mehrheitlich in Franken anfallen. Mit dem neuen Werk, das wir in China im Verpackungsbereich bauen, wird diese Abhängigkeit reduziert.

Im Kleinsten der drei Geschäftsbereiche profitiert CPH vom Schiefergasboom. Wieso genügte die gute Auslastung in Louisville nicht, um Uetikon rauszuhauen?

Das Werk in Louisville in den USA produziert vor allem Zeolithe, die für die Reinigung von Gasen in der Energiegewinnung eingesetzt werden. Entsprechend haben der Boom des Ethanols in Südamerika und die Schiefergasförderung in Nordamerika die Nachfrage nach Zeolithen erhöht. Das Werk in Uetikon ist hingegen stärker auf den Einsatz von Zeolithen in Industrieanlagen, zum Beispiel in der Petrochemie, ausgerichtet. Da spüren wir konjunkturbedingt eine grosse Zurückhaltung beim Neubau sowie auslastungsbedingt bei der Wiederbefüllung von Anlagen. Zudem sind wir mit Billiganbietern aus dem Fernen Osten konfrontiert.

«Gegenwärtig konzentrieren wir uns auf den Ausbau der Verkaufstätigkeit im Mittleren und Fernen Osten und forcieren höherwertige Produkte.»
Peter Schildknecht, CEO CPH Chemie + Papier Holding AG

Apropos Uetikon. Tut sich etwas in Ihrem Immobilienbusiness?

Sie sprechen die Pläne des Kantons Zürich an, am rechten Seeufer eine neue Kantonsschule zu bauen. Von den vier potenziellen Standorten, die ursprünglich im Gespräch waren, sind jetzt noch zwei in der näheren Abklärung. Darunter ist das Gelände der CPH in Uetikon direkt am See. Wir sind diesbezüglich mit dem Kanton im Gespräch. Wie sich der Kanton entscheidet und wie die Nutzung des Areals aussehen könnte, ist aber noch völlig offen. Gegenwärtig produzieren wir hauptsächlich auf dem Ostteil, während der Westteil des Geländes nur teilweise industriell genutzt wird.

Gibt es bei der Division Chemie angedachte Partnerschaften oder gar Verkaufspläne?

Gegenwärtig konzentrieren wir uns auf den Ausbau der Verkaufstätigkeit im Mittleren und Fernen Osten und forcieren höherwertige Produkte. Sehr interessant sind zum Beispiel Anwendungen im Bereich der Reinigung von medizinischem Sauerstoff. In China beispielsweise hat die Nachfrage nach mobilen Sauerstoffgeräten parallel zur zunehmenden Luftverschmutzung sprunghaft zugenommen.

Durch das Zeitungs- und Zeitschriftensterben bestehen nach wie vor grosse Papierüberkapazitäten. Kommt beim Marktvolumen irgendwann einmal der Boden?

Der Markt für Zeitungs- und Magazinpapier ist in unserem Absatzgebiet weiterhin rückläufig. Wir gehen davon aus, dass aufgrund dieses Nachfragerückgangs noch weitere Produktionskapazitäten aus dem Markt genommen werden müssen. Allerdings geht dieser Prozess im Vergleich zum schrumpfenden Markt zu wenig schnell, wodurch der Preisdruck hoch bleibt. Mit der Investition in die PM7 haben wir aber gute Voraussetzungen, die Kostenführerschaft in unserem Absatzgebiet zu erlangen, das sich in einem Radius von etwa 500 km rund um das Werk in Perlen erstreckt und so als Gewinner aus diesem Konsolidierungsprozess hervorzugehen. Wir sind davon überzeugt, dass gedruckte Presseerzeugnisse weiter bestehen werden und einem Bedürfnis entsprechen. Bis sich ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage einstellt, kann es aber noch dauern.

Ist das Energieprojekt Renergia im Zeitplan?

«Wir haben den Bezug des Altpapiers aus der Schweiz intensiviert und der Anteil beträgt mittlerweile über 50%.»

Der Standort Perlen bezieht von der Renergia keinen Strom, sondern nutzt den bei der Kehrichtverbrennung entstehenden Niedrigdruckdampf für die Trocknung der Papierbahnen. Deshalb wurde die Renergia in unmittelbarer Nachbarschaft auf einem Landstück erstellt, das Perlen Papier in das Projekt Renergia eingebracht hat. Dank dieser Partnerschaft kann der Standort Perlen in Zukunft weitgehend auf den Einsatz fossiler Brennstoffe verzichten und gleichzeitig die CO2-Emissionen um rund 90‘000 Tonnen pro Jahr reduzieren. Womit wir fast CO2 neutral produzieren werden. Das Projekt ist im Zeitplan und wir rechnen damit, ab 2015 mit dem Dampfbezug beginnen zu können.

Ich nehme an, beim Papierrohstoff Altpapier bleibt Ihre Sourcing-Situation sehr komfortabel?

Wir haben den Bezug des Altpapiers aus der Schweiz intensiviert und der Anteil beträgt mittlerweile über 50%. Nach wie vor wird aber Altpapier in grossen Mengen aus der Schweiz exportiert und im Gegenzug müssen wir Altpapier aus dem grenznahen Ausland importieren. Das macht nicht nur ökonomisch, sondern auch aus Umweltüberlegungen überhaupt keinen Sinn. Es gibt heute nur noch drei Papierunternehmen in der Schweiz, die das inländische Altpapier verarbeiten können und damit einen wichtigen Beitrag zum Recycling des Rohstoffs und zur Verbesserung der Ökobilanz der Schweiz beitragen.

Wie gross wird der Effekt Ihrer neuen 2,75%igen Unternehmensanleihe auf den Reingewinn sein?

Die Emission der Anleihe diente grösstenteils der Refinanzierung des Banken-Syndikatskredits sowie zur Wachstumsfinanzierung und hat keinen substanziellen Einfluss auf den Reingewinn. Die erfolgreiche Erstemission zeigt aber, dass die CPH am Schweizer Bondmarkt gut aufgenommen wurde.

Perlen Packaging erstellt als erster internationaler Anbieter überhaupt ein Blisterfolienwerk in China, und zwar von Grund auf. Was sind Ihre Erfahrungen mit „Landkauf in China“?

In China kann man kein Land erwerben, der Staat gibt Land nur im Baurecht ab. Für Unternehmen stehen Business Parks an unterschiedlichen Standorten zur Verfügung. Wir haben uns aufgrund der Nähe zu unseren Kunden, der Verfügbarkeit von qualifizierten Mitarbeitenden und der vorhandenen Infrastruktur für den Grossraum Schanghai entschieden.

«Die chinesische Mentalität unterscheidet sich deutlich von der westlichen und die Sprachbarriere ist hoch.»

Gibt es dort viele bürokratische Hindernisse? Oder ist das alles einfacher, als wir es uns in Europa vorstellen?

Die chinesische Mentalität unterscheidet sich deutlich von der westlichen und die Sprachbarriere ist hoch, da Englisch nicht so verbreitet ist wie im Rest der internationalen Geschäftswelt. Aber wir haben einen guten Partner vor Ort, der sich mit den lokalen Umständen bestens auskennt. Wir sind ja nicht die ersten ausländischen Investoren, die in China eine Produktionsanlage bauen.

Spüren Sie als Unternehmen mit Ihren Standorten in Deutschland und den USA irgendetwas vom politischen Gegenwind, welcher der Schweiz aus gerade diesen Ländern entgegenweht?  

Überhaupt nicht. In der Regel werden wir auch nicht als ausländisches beziehungsweise schweizerisches Unternehmen wahrgenommen. So waren Zeochem USA oder Perlen Packaging Deutschland vor der Übernahme durch die CPH amerikanische bzw. deutsche Unternehmen. Unsere Geschäftspartner sind internationale Unternehmen. Was zählt, sind Produktqualität, Lieferfähigkeit, Preis und Zuverlässigkeit. Insofern kann man mit den klassischen Schweizer Tugenden immer noch punkten.

Gibt es bei den Folienverpackungen, die CPH ja an gleich allen drei Länderstandorten herstellt, bald weitere technische Neuerungen?

Die Ansprüche der Pharmaindustrie an die Barrierewirkungen von Blisterverpackungen gegen Sauerstoff- und Wasserdampf sind in den vergangen Jahren stark angestiegen. Der Hochbarriere-Bereich wächst heute mit zweistelligen Raten, getrieben durch komplexere Molekülstrukturen der Medikamente, höhere Absatzzahlen in tropischen Klimazonen und den Trend zur weltweiten Distribution. Zurzeit stehen wir mit unserem neuen Produkt PERLALUX Ultra Protect, welches die Barrierewirkung gegenüber der bisherigen Hochbarrierefolie nochmals verdoppelt, kurz vor der Markteinführung.

Zur Person:
Der Schweizer Peter Schildknecht, geb. 1962, ist seit 2008 bei der CPH; seit 2009 in der heutigen Funktion als CEO. Er wohnt in Meggen (LU) ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Der Dipl. Maschinenbau-Ingenieur ETHZ / BWI hat an der ETH Zürich im Jahr 1994 doktoriert. Danach arbeitete er sechs Jahre lang in unterschiedlichen Funktionen bei von Roll, zuletzt als Leiter „Industrial Services“ und Mitglied der Geschäftsleitung bei Von Roll Infratec. Weitere sechs Jahre war Peter Schildknecht in der Gruppenleitung der Sarna Kunststoff Holding, zuletzt als Leiter der Sarnafil Division.

Zum Unternehmen:
Die CPH Chemie + Papier Holding AG ist eine international tätige, diversifizierte Industriegruppe mit Hauptsitz in der Schweiz. Ihre Aktivitäten umfassen die Entwicklung, die Produktion und den Vertrieb von Chemikalien, holzhaltigen Papieren und pharmazeutischen Verpackungsfolien. Die CPH-Gruppe und ihre Tochtergesellschaften produzieren an fünf Standorten in der Schweiz, in Deutschland sowie in den USA. 2013 erwirtschaftete sie mit rund 850 Mitarbeitenden einen Umsatz von CHF 481,3 Mio. Die Aktien der CPH sind an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange kotiert.

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