Petra Jantzer, Vizepräsidentin Advance

Petra Jantzer

Petra Jantzer, Vizepräsidentin Advance. (Bild: Advance)

von Patrick Gunti

Moneycab: Frau Jantzer, Sie sind Vizepräsidentin des neuen Firmennetzwerks „Advance – Women in Swiss Business“, welches das Ziel verfolgt, den Frauenanteil in Führungspositionen deutlich zu erhöhen. Welche Massnahmen und Programme stehen dabei im Vordergrund?

Petra Jantzer: Es gibt hier einen ganzen Blumenstrauss von Massnahmen. Im Vordergrund stehen sicher unsere regelmässig durchgeführten Workshops und Events. Aber vor allem auch das firmenübergreifende Mentoring-Programm. Dabei fungieren verschiedene Führungspersonen als Mentoren für talentierte Frauen aus anderen Mitgliedsfirmen. Diesen Austausch fördern wir sehr. Nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass wir untereinander die bewährtesten Förderprogramm austauschen und damit ein einzigartiges Netzwerk haben.

Eine Verfünffachung des Frauenanteils in Führungspositionen auf 20 % bis 2020: Das Ziel scheint sehr ambitioniert.

Ja und nein. Wir setzen bewusst ein Ziel, dass ambitioniert ist, aber auch realistisch. Vielleicht nicht in allen Unternehmen und allen Branchen, aber wir wissen, dass bei einigen grossen Schweizer Firmen das interne Ziel wesentlich höher liegt. Letztlich sollen solche Ziele auch zum Denken anregen.

Obwohl heute gut die Hälfte der Uni-Abgänger weiblich sind, liegt der Frauenanteil in Führungspositionen heute bei gerade mal 4 %. Warum gelangen so wenige Frauen in Führungspositionen?

Hier kommen verschiedene Aspekte zusammen. Wichtig ist, dass sich Frauen sichtbar machen und sich auch etwas zutrauen. Sie müssen sich klare Ziele setzen, formulieren und diese dann auch hartnäckig verfolgen. Es ist klar, dass dabei auch Kompromisse eingegangen und Rückschläge verkraftet werden müssen. Andererseits gibt es auch Defizite bei der bestehenden Infrastruktur wie Kinderbetreuung. Und zu guter Letzt liegt es auch an den Männern. Das Wirtschaftsumfeld ist sehr männlich. Entscheidungsträger sind vorwiegend männlich und bevorzugen männliche Verhaltensweisen. Wenn dann auch noch der Partner zuhause keine Rückendeckung gibt, wird es sehr schwierig für eine Frau, ihren Karriereweg zu gehen.

„Allerdings sehen wir auch einen Wandel bei den Männern und jungen Vätern. Diese haben vermehrt den Wunsch, Teilzeit zu arbeiten und ihre Rolle als aktive Väter wahr zu nehmen.“
Petra Jantzer, Vizepräsidentin Advance

Sie persönlich haben bei McKinsey Karriere gemacht und sind Mutter zweier Kinder. Wie ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen?

Am Wichtigsten ist es, einen Partner zu haben, der den Lebensentwurf teilt. Wir arbeiten beide in führenden Positionen und teilen gleichermassen die Betreuung unserer Kinder. Zentral ist aber auch eine gute Planung und Organisation des Alltags – mit doppeltem Sicherheitsnetz.

Liegt eines der Grundprobleme nicht schon rein darin begründet, dass ich diese Frage einem Mann gar nicht gestellt hätte?

Definitiv. Das ist heute noch so. Allerdings sehen wir auch einen Wandel bei den Männern und jungen Vätern. Diese haben vermehrt den Wunsch, Teilzeit zu arbeiten und ihre Rolle als aktive Väter wahr zu nehmen – nicht „nur“ als klassischer Versorger der Familie.

Facebook-COO Sheryl Sandberg schreibt in Ihrem Buch „Lean in“, Frauen sähen sich grossen institutionellen Barrieren gegenüber, gleichzeitig aber auch Barrieren, die in ihnen selbst existierten, zum Beispiel, dass sie sich häufig Jahre bevor es überhaupt nötig sei, für eine Familie und gegen eine Karriere entscheiden würden. Teilen sie ihre Ansicht?

Ja, absolut. Wie schon gesagt, in erster Linie müssen Frauen auch selber wollen und begeistert sein, von dem was sie tun. Wichtig ist dabei, sich nicht von einem männlich dominierenden Wirtschaftssystem einschüchtern zu lassen und auch lernen, mit Rückschlägen umzugehen.

„Der Wille der Frauen ist das eine, das Umfeld etwas anderes.“

Bisher sind alle Bestrebungen, der Anteil von Frauen in Führungspositionen zu steigern gescheitert. Weshalb? Und wieso kann es mit „Advance“ gelingen?

Der Wille der Frauen ist das eine, das Umfeld etwas anderes. Der grosse Unterschied – und auch Vorteil – von Advance ist sicher die Firmenmitgliedschaft. Zum ersten Mal überhaupt verpflichten sich Unternehmen nicht nur den Anteil zu steigern, sondern die talentierten Frauen auf dem Weg dorthin zu unterstützen und begleiten. Durch Advance haben diese Firmen Zugang zu einem einzigartigen Mentoren-Programm quer durch die Firmen. Zudem bieten wir Zugang zu einem innovativen, praxisorientierten Talentförderungs-Programm. Was aber ganz zentral ist und vielleicht sogar den grössten Unterschied ausmacht, sind die jeweiligen CEO der Mitgliedsfirmen. Gerade sie stehen voll und ganz hinter der Vision von Advance und unterstützen die Initiative tatkräftig.

Die Unternehmen, die heute Teil des Netzwerks sind – ABB, Credit Suisse, GE Capital, Ikea, McKinsey, PwC, Sandoz, Siemens und Swiss Re – sind keine Verpflichtung eingegangen. Wie stark ist das Thema bei den Entscheidungsträgern dieser Unternehmen verankert?

Sehr stark. Alle Firmen stellen sich sehr visibel hinter das Thema und die Entscheidungsträger setzen sich stark dafür ein. Wie erwähnt, ist der Anteil an Frauen (IKEA) oder die eigene Zielsetzung bei einigen Mitgliedsfirmen heute schon höher. Wir wollen keine Mitgliedsfirmen, die einfach aus Image-Gründen mitmachen. Firmen, die bei uns aktiv sind, sollten das Thema und die Zielsetzung ernst nehmen und entsprechend vorwärts treiben.

Wie stellen Sie sicher, dass sich die Unternehmen und ihre Entscheidungsträger auch wirklich bemühen, die formulierten Ziele zu erreichen?

Sicher, es gibt keine rechtlich bindende Verpflichtung oder Konventionalstrafe. Wir werden den Fortschritt aber sehr genau überprüfen und innerhalb des Advance-Netzwerkes thematisieren.

„In KMU ist der Frauenanteil oftmals grösser als in Grossunternehmen. Allerdings besteht dort auch ein grösserer Bedarf an gezielten Trainings.“

Welche Voraussetzungen und Verpflichtungen müssen Unternehmen erfüllen, wenn sie dem Netzwerk beitreten wollen?

Jedes Unternehmen kann bei uns eine Mitgliedschaft eingehen. Die einzige Voraussetzung ist, die gemeinsame Vision von 20% bis 2020 zu teilen.

Sie wollen vor allem auch KMU ansprechen. Weil dort Frauenförderung ein noch kleineres Thema ist?

Ja und nein. In KMU ist der Frauenanteil oftmals grösser als in Grossunternehmen. Allerdings besteht dort auch ein grösserer Bedarf an gezielten Trainings. Grosskonzerne haben grosse Personalabteilungen und ein grösserer Budget für Trainings. Dieses haben KMU oftmals nicht und schätzen den Austausch mit grösseren Firmen.

Darf ich Sie bitten, die folgenden Sätze zu vervollständigen?

Für Unternehmen ist es gut, wenn mehr Frauen in Führungspositionen sind, weil… ihre finanzielle Performance nachweislich besser ist und dies zu einer angenehmeren Kultur beiträgt.

Für Männer ist es gut, wenn mehr Frauen in Führungspositionen sind, weil… gemischte Teams sich zu einem besseren Ganzen ergänzen.

Und für Frauen ist es gut, in Führungspositionen zu sein, weil… gemischte Teams sich zu einem besseren Ganzen ergänzen.

Frau Jantzer, herzlichen Dank für das Interview.

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