Philipp Musshafen, CEO Hallenstadion AG, im Interview

Philipp Musshafen
Philipp Musshafen, CEO Hallenstadion AG. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Musshafen, als Sie Ihr Amt im Januar antraten, war Corona praktisch noch ein Fremdwort, dann hat das Virus Ihr Geschäft zum Erliegen gebracht. Wie haben Sie die letzten Monate erlebt?

Philipp Musshafen: Das waren – und sind immer noch – sehr intensive Monate. Da ist ein Ereignis auf uns zugekommen, mit welchem wohl keiner in so einem Ausmass jemals gerechnet hat. Nach zwei Monaten im «Normalbetrieb» und der Aussicht auf ein Rekordjahr mit unglaublich vielen und guten Events wie auch der Eishockey-WM wurden die Weichen auf einen Schlag neu gestellt. Aus dem vermeintlichen Rekordjahr wurde ein Krisenjahr… Meine Aufgaben bzw. der Fokus haben sich in der Zeit sehr verändert. Anfang Jahr haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir operativ all diese Highlights bewältigen können, ab März war der Fokus auf Kosteneinsparungen, Verhandlungen mit Partnern etc gerichtet.

Abbruch der Eishockey-Meisterschaft, sämtliche Konzerte und Shows abgesagt und auch der Ausfall der Eishockey-WM: Wir gross sind die finanziellen Auswirkungen?

Diese Auswirkungen sind massiv. Wir müssen Stand heute davon ausgehen, dass wir dieses Jahr lediglich 2/12 des Jahres-Umsatzbudgets erreichen werden. Und die Fixkosten reduzieren sich leider nicht im selben Masse.

Bis wann ist die Liquidität gesichert?

Die Liquidität ist bis auf weiteres gesichert. Das Problem sind nicht zwingend die nächsten Monate bzw. das nächste Jahr. Es ist weitreichender. Das Hallenstadion hat in der Vergangenheit unter der Leitung von Felix Frei sehr gut gewirtschaftet. Die gemachten Rückstellungen, welche wir nun aufgrund von Corona aufbrauchen werden, waren jedoch für Investitionen in die Infrastruktur gedacht. Gerade mit dem Auszug der ZSC Lions im Frühjahr 2022 ist das für uns enorm wichtig, dass wir weiterhin im nationalen und internationalen Markt konkurrenzfähig bleiben können.

„Das Problem sind nicht zwingend die nächsten Monate bzw. das nächste Jahr. Es ist weitreichender.“
Philipp Musshafen, CEO Hallenstadion AG

Inwieweit sind die Investitionen nun in Frage gestellt?

Für den Moment haben wir einen Investitionsstopp gemacht und alles nach hinten gestellt. Für unsere Zukunft ist es jedoch wichtig, dass wir die geplanten Investitionen zeitnahe ausführen können, nur so bleiben wir auf dem internationalen Markt auch konkurrenzfähig.

Das Hallenstadion hat eine Pandemie-Versicherung abgeschlossen. Welche Schäden werden von ihr übernommen?

Die Versicherung deckt maximal drei Monate und ist in der Schadenssumme (Ertragsausfall) auch nach oben begrenzt. Die letzten Berechnungen sind aktuell noch am Laufen und wir erwarten den Abschluss mit der Versicherung bis vor den Sommerferien.

Wie dramatisch schätzen Sie die aktuelle Situation der Veranstalter ein?

Auch die Veranstalter, unsere Kunden, haben einen sehr schweren Stand. Zwar können nun nach und nach wieder kleinere Konzerte/Events gemacht werden. Aber von grossen, ausverkauften Arena-Shows ist noch nicht zu sprechen. Und auch wenn die Veranstaltungen dann wieder erlaubt sein sollten, die zwei wesentlichen Fragen bleiben erst mal noch bestehen: Kaufen die Leute wieder Tickets für Konzerte und ab wann sind die Weltstars wieder auf Tournée? Ohne Künstler, keine Konzerte….

Welche Massnahmen haben Sie getroffen, um die negativen Folgen für das Hallenstadion bestmöglich abfedern zu können?

Die erste Massnahme war das Anmelden der Kurzarbeit. Wir können in der Schweiz wirklich von Glück reden, dass wir so eine Möglichkeit haben. Das hilft uns und den Mitarbeitern sehr! Danach ging es darum alle Kosten, welche wir haben zu durchleuchten und zu schauen, wo wir aufgrund der Schliessung nun Einsparungspotential haben, um die Stillstandkosten so tief wie möglich zu halten. Ich darf sagen, dass fast alle unsere Partner da wirklich sehr partnerschaftlich mit uns umgegangen sind und dafür danke ich sehr!

Viele Konzerte wurden ganz abgesagt, andere verschoben, wobei die meisten Daten noch offen sind. Können Sie abschätzen, wie viele der geplanten Konzerte nachgeholt werden?

Das ist noch schwierig, weil sich das Verbot für Grossveranstaltungen immer weiter nach hinten zieht. Das Problem ist, dass wir nicht auf einen fixen Zeitpunkt hin planen können. Ich gehe aber davon aus, dass am Ende über 90% der Konzerte auf das nächste Jahr verschoben sind. Abhängig ist das jedoch von der weltweiten Entwicklung in Sachen Corona.

„Ich denke nicht, dass viele Events in diesem Jahr noch stattfinden können.“

Fällt das Verbot für Grossveranstaltungen per 31. August, könnte es im September mit Nino d’Angelo & Gigi D’Alessio oder Elton John im Oktober weitergehen. Wie zuversichtlich sind Sie?

Ganz ehrlich, da bin ich recht zurückhaltend. Ich denke nicht, dass viele Events in diesem Jahr noch stattfinden können. Wenn ich nun sehe, wie es mit der 1000er Grenze gehandhabt werden muss. Es müssen Sektoren à max. 300 Leute eingerichtet werden, die mehr oder weniger autonom funktionieren. Das ist bei 10’000 Leuten schlicht nicht möglich. Weiter ist die Frage, ob internationale Künstler schon wieder reisen werden. Das werden sie nur machen, wenn sie mindestens eine ganze Europatour planen können und das wiederum bedeutet, dass ganz Europa solche Grossevents wieder zulassen müsste.

Welche Schutzkonzepte sind in Ausarbeitung?

Wir arbeiten an einem Konzept für Konzerte, welches bei einer Zuschauerzahl von knapp 5000 Gästen die Schutzmassnahmen zum Grossteil berücksichtigt. Bei den Firmenevents gehen wir individuell auf die Bedürfnisse der Kunden ein. Dank unserer Grösse können wir den Corporate Events viele Möglichkeiten bieten, damit ihre Events auch mit allen vorgegebenen «distancing»-Massnahmen durchführbar sind. Damit dies für die Firmen auch finanziell tragbar ist, kommen wir hier mit Reduktionen auf die Hallenmiete entgegen.

„Public Events wie Konzerte bräuchten eine Zuschauerzahl von ca. 4500 Personen und mehr, damit sich das alles rechnen lassen würde.“

Ab welcher Besucherzahl machen Events im Hallenstadion überhaupt Sinn?

Das kommt immer etwas auf das jeweilige Format an. Firmenevents können bereits ab 500 Personen bei uns Sinn machen, im Conference Center gar ab 20 Personen. Gerade bei Corporate Events können die Kunden von unserer Grösse profitieren. Sicherheitsabstände brauchen viel Platz und diesen haben wir im Hallenstadion. Public Events wie Konzerte bräuchten eine Zuschauerzahl von ca. 4500 Personen und mehr, damit sich das alles rechnen lassen würde.

Sie haben zuvor den Auszug der Lions angesprochen. Wie gross ist der Einschnitt für das Hallenstadion?

Der ist sicher sehr gross. Wir verlieren rund 1/3 der Belegungstage mit dem Auszug der ZSC Lions. Jedoch bietet uns das auch wieder viele neue Chancen. Mehrtägige Events im Hallenstadion sind im Moment nur schwer möglich, da wir schlicht zu wenig Freidaten in der Hochsaison haben. Mit einer grösseren Terminverfügbarkeit haben wir die Möglichkeit, neue Events im Hallenstadion durchzuführen. Es ist also ein weinendes und ein lachendes Auge. Die Herausforderung in den Jahren nach dem Auszug der ZSC Lions werden sicher erst mal gross werden – gerade auch mit den Auswirkungen von Corona – aber wir schauen sehr zuversichtlich in die Zukunft.

Herr Musshafen, besten Dank für das Interview.

 
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