Philipp Steinberger, CEO und Mitbegründer c-crowd

Philipp Steinberger

Philipp Steinberger, CEO und Mitbegründer c-crowd. (Foto: c-crowd)

von Patrick Gunti

Moneycab: Herr Steinberger, Sie haben mit Ihren Partnern zusammen im Frühling 2011 die Crowdfunding-Plattform c-crowd lanciert. Was fasziniert Sie an der Idee des Crowdfunding?

Philipp Steinberger: Das Thema Crowdfunding fasziniert in zweierlei Hinsicht. Einerseits weil es das in der Schweiz noch sehr elitäre Konzept der Business Angels demokratisiert. Das heisst konkret, dass sich durch Crowdfunding jede Person, unabhängig von deren finanziellem Status, ein Startup mit einer überschaubaren Investition sowie tatkräftig unterstützen kann. Crowdfunding gibt den Leuten eine Alternative ihr Geld zu investieren, insbesondere wenn sie von irgendwelchen exotischen Produkten oder sogenannten Blue-Chips enttäuscht wurden. Crowdfunding ermöglicht einem aber auch, mit überschaubaren Mittel ein kleines Portfolio an spannenden Beteiligungen aufzubauen und diese in ihrer Entwicklung zu begleiten. Auf der anderen Seite bietet es Unternehmer eine Alternative, ihre Firma zu finanzieren. Von den Banken einen Kredit zu bekommen ist als Jungunternehmer fast unmöglich, professionelle Investoren investieren in nur 1% der analysierten Businesspläne. Da ist es wichtig, eine zusätzliche Möglichkeit zu bieten, denn die Jungunternehmer von heute sind die wirtschaftliche Zukunft der Schweiz.

Wie funktioniert c-crowd?

c-crowd.com ist eine Plattform, auf welcher Unternehmer ihre Firmen (Schweizer AG’s) vorstellen, nachdem sie von c-crowd geprüft wurden. Potenzielle Investoren können diese begutachten und bei Interesse eine rechtlich nicht verbindliche Investitionszusage einreichen. Wenn der Unternehmer sein Finanzierungsziel erreicht, kontaktiert er alle Investoren mit dem Zeichnungsschein sowie Aktionärsbindungsvertrag. Nach erfolgter Unterschrift überweist der Investor das Geld auf das Kapitaleinzahlungskonto des Unternehmens, welches dann die Kapitalerhöhung ganz normal durchführt. Somit werden die Investoren direkte Aktionäre des Unternehmens und können so ihre Investition unterstützen und hoffentlich zum Erfolg führen.

Wie steht c-crowd heute als alternative Finanzierungsquelle für attraktive Projekte da?

Wir hatten ein sehr gutes 2011 in welchem wir, nebst dem Aufbau einer breiter Medienpräsenz und einem erfolgreichen Investorenevent zwei Unternehmen bei der Finanzierung unterstützt haben und dadurch CHF 660’000 investiert wurden. Das Jahr 2012 hatte dann ein paar Herausforderungen parat, welche uns viel Zeit gekostet haben. Seit Mitte 2012 haben wir nun aber wieder einen guten Deal-flow aufgebaut, wurden Partner des ICT Investors Day und planen Ende Januar 2013 einen erneuten c-crowd Event, an welchem sich 4-5 Startups offline präsentieren werden. Zudem arbeiten wir an der Verbreiterung unseres Geschäftsmodelles. Somit haben wir die verlorene Zeit wieder gut gemacht und können mit Vollgas an der Weiterentwicklung arbeiten.

«Crowdfunding ist nicht nur eine Möglichkeit Investoren für sein Unternehmen zu finden, sondern auch neue Kunden und Marketingbotschafter.»
Philipp Steinberger, CEO und Mitbegründer c-crowd

Welche der von Ihnen angesprochenen Projekte konnten über c-crowd finanziert oder mitfinanziert werden?

Einerseits hat die Firma SuitArt eine Kapitalerhöhung von CHF 550’000.- über c-crowd finanziert. Diese Finanzierung dauerte 4 Monate und wurde von 24 Investoren getragen. Für die Design Thinking Startup AG, ein Spin-off der HSG St. Gallen, haben wir das Gründungskapital von CHF 110’000 innerhalb von 2 Monaten bei 56 Investoren gefunden.

Crowdfunding-Plattformen bringen Menschen, die ein Projekt realisieren wollen, und potenzielle Geldgeber zusammen. Welche Vorteile bringt das Crowdfunding über die alternative Finanzierungsform hinaus?

Crowdfunding ist nicht nur eine Möglichkeit Investoren für sein Unternehmen zu finden, sondern auch neue Kunden und Marketingbotschafter. Denn jede Person welche in ein Crowdfunding Projekt investiert oder dieses finanziell unterstützt wird mit grosser Wahrscheinlichkeit auch Kunde. Zudem wird diese Person „sein“ Produkt im privaten Netzwerk bekannt machen und somit zusätzliche Kunden gewinnen. Dies gibt dem Projekt einen enormen Marketinghebel, welcher mit einer „traditionellen“ Finanzierung nie erreichbar wäre.

«Zu komplizierte Projekte, die erst in 5 Jahren Umsatz erzielen oder zu grosse Beträge (ab CHF 1 Mio) suchen, werden es zur Zeit eher schwer haben.»

Welche Art von Projekten eigenen sich besonders für eine Crowdfunding-Plattform wie c-crowd,  welche eher nicht?

Ich bin der Meinung, dass sich alle Unternehmen ideal für Crowdfunding eignen, welche ein B2C Geschäftsmodell betreiben, also in direktem Kontakt mit dem Endkunden stehen. Dies aus Gründen, welche ich zuvor erwähnt habe. Natürlich eigenen sich auch alle anderen Unternehmen, die ein relativ einfach verständliches Geschäftsmodell/Produkt haben – in erster Linie geht es bei Crowdfunding um Emotionen, welche beim Investor geweckt werden müssen und dieser sich dann, nebst dem hoffentlich finanziellen, auch an einem emotionellen Return erfreuen kann. Zu komplizierte Projekte, die erst in 5 Jahren Umsatz erzielen oder zu grosse Beträge (ab CHF 1 Mio) suchen, werden es zur Zeit eher schwer haben.

Und nach welchen Kriterien werden die Projekte bei c-crowd ausgewählt, resp. was sind die Zulassungskriterien?

Wichtig zu verstehen ist, dass wir alle auf c-crowd gezeigten Projekte im Vorfeld geprüft haben, insbesondere die Unternehmen, die auf Investorensuche sind. Bei der Prüfung schauen wir in erster Linie auf die Qualität der Investorendokumentationen, die Plausibilität des Geschäftsmodells sowie die Erfolgschancen des Unternehmens. Aus regulatorischen Gründen ist es uns zur Zeit nur erlaubt, Schweizer Aktiengesellschaften an Schweizer oder in der Schweiz wohnhaften Investoren zu präsentieren. Da es sich bei dieser Art der Finanzierung um ein öffentliches Angebot handelt, muss die Gesellschaft einen Emissionsprospekt sowie einen revidierten Jahres/Halbjahresabschluss präsentieren. Dazu braucht es natürlich eine gut vorbereitete und aussagekräftige Investorenpräsentation.

Wie verläuft der Entscheidungsprozess?

Die diversen Unterlagen werden elektronisch über c-crowd.com eingereicht. In der Regel schaue ich mir die Investitionsmöglichkeit an und beurteile diese anhand des Geschäftspotenzials. Wenn diese vielversprechend ist unterstützen wir den Unternehmer – sofern nötig – mit dem Fine-Tuning der Investorendokumentation. Danach gibt es ein persönliches Treffen mit dem Unternehmer, an dem wir ihn sowie die von ihm eingereichten Unterlagen kritisch hinterfragen. Danach besprechen wir seinen Case im c-crowd-Verwaltungsrat. Und nur wenn wir einstimmig für das Projekt stimmen, wird es auch live auf die Plattform geschaltet. Mit diesem Prozess versuchen wir eine gewisse Qualität sicherzustellen, die die Investoren im heutigen Umfeld erwarten.

«Der Investor muss seine Hausaufgaben nach wie vor selber machen und sich sein eigenes Bild verschaffen.»

Kann der Investor davon ausgehen, dass c-crowd das Projekt oder das Unternehmen geprüft hat und entsprechend eine Empfehlung für eine Investition abgibt?

Wir haben das Unternehmen sowie den Unternehmer einem Plausibiltätscheck unterzogen, mit dem Ziel interessante Investitionsmöglichkeiten mit einem gewissen Qualitätsstandard zu identifizieren. Nur weil ein Projekt bei uns auf der Plattform steht, heisst das überhaupt nicht, dass wir empfehlen in dieses Projekt zu investieren. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Der Investor muss seine Hausaufgaben nach wie vor selber machen und sich sein eigenes Bild verschaffen und gegebenenfalls mit Hilfe seines Treuhänders entscheiden, ob er investieren soll oder nicht.

Wie wird auf ein auf der Plattform publiziertes Projekt aufmerksam gemacht?

Wenn ein neues Projekt aufgeschalten wird, informieren wir unsere registrierten User anhand eines Newsletters. Zudem informieren wir parallel und über die gesamte Zeichnungsfrist via Facebook und Twitter (@ccrowd) wenn es zum spezifischen Projekt nennenswerte News zu berichten gibt. Natürlich profitieren die Projekte auch von der medialen Präsenz von c-crowd, wo wir nur über die Plattform als Ganzes und nicht über einzelne Projekte berichten. Absolut essentiell ist aber auch, dass der Unternehmer selbst die Investitionsmöglichkeit in seinem privaten sowie professionellen Netzwerk bekannt macht, denn er ist am Schluss der bestmögliche Botschafter für sein Unternehmen. Nur weil man Geld über eine Crowdfunding Plattform sucht, heisst das noch lange nicht, dass man sich zurücklehnen und zuschauen kann, wie das Geld reintropft. Ganz im Gegenteil, es ist eine enge Zusammenarbeit zwischen der Plattform und dem Unternehmer.

Und wie verdient c-crowd mit den Projekten Geld?

c-crowd verdient nur dann Geld, wenn der Unternehmer sein Ziel erreicht – die erfolgreiche Finanzierung. Nachdem die Kapitalerhöhung erfolgreich abgewickelt wurde, verrechnen wir einen Prozentsatz der Mittel, welche so dem Unternehmen zugeflossen sind. Somit vertreten wir die selben Interessen wie der Unternehmer und haben keinen Konflikt.

Crowdfunding hat in den letzten zwei Jahren rasant entwickelt. Welche Prognosen wagen Sie zur weiteren Entwicklung?

Es ist extrem schwierig, in diesem noch so jungen Markt eine Prognose zu wagen, denn Crowdfunding, insbesondere für Unternehmen, steckt noch ganz am Anfang der Entwicklung. Ich bin mir aber sicher, dass sich diese Art der Finanzierung in den nächsten Jahren als valable Alternative für Finanzierungen entwickeln wird. Je mehr und schneller sich Crowdfunding etabliert, umso schneller können Projekte mit grösseren Beträgen finanziert werden.

Herr Steinberger, besten Dank für das Interview.

Zur Person:
Philipp Steinberger ist selbständiger Berater mit Fokus auf Corporate Finance, Start-Up Finanzierungen (Partner bei Quadrum Partners Ltd) und internationalem Business Development (Mitgründer des Asia2Europe Netzwerk). Nach dem MBA an der Business School in Lausanne war er für die UBS, Bank Julius Bär und Bank Vontobel hauptsächlich auf der investment Banking-Seite tätig bevor er sich 2003 selbständig machte. Philipp Steinberger ist verheiratet und hat einen Sohn.

 

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