René Kamm, CEO MCH Group

René Kamm

René Kamm, CEO MCH Group

von Patrick Gunti

Moneycab: Herr Kamm, Mitte März hat die BASELWORLD 2012 ihre Tore geschlossen. Welche Bilanz zieht die MCH Group als Veranstalter?

René Kamm: Die BASELWORLD 2012 bestätigte ihre weltweite Leaderposition eindrücklich. Die meisten der 1’815 ausstellenden Firmen äusserten sich sehr zufrieden über den Geschäftsverlauf. Mit 104’300 Fachbesuchern aus allen Kontinenten konnte der zweithöchste Wert aller Zeiten erzielt werden. Gross war auch die Aufmerksamkeit der Medien: 3’320 Journalisten stellten einen neuen Höchstwert dar.

Die nächste Weltmesse für Uhren und Schmuck findet vom 25. April bis 2. Mai 2013 statt und wird als Beginn einer neuen Ära angekündigt. Wie wird sich das neue Messezeitalter in Basel präsentieren?

Mit der Eröffnung der neuen Messehalle wird sich auch die BASELWORLD 2013 völlig neu präsentieren, das heisst, mit einem neuen Platzierungskonzept und mit völlig neuen Standbauten. Auch aussen, auf dem Messeplatz und bei den Eingangsbereichen, wird die BASELWORLD ein neues Gesicht haben. Die Gesamtinvestitionen in den Neubau und in die Standbauten der Aussteller werden über eine Milliarde Franken betragen.

Mit der Eröffnung der neuen Messehalle wird sich auch die BASELWORLD 2013 völlig neu präsentieren.
René Kamm, CEO MCH Group

Wie ist der aktuelle Stand des Bauprojekts „Messezentrum Basel 2013“?

Nach der plangemässen Realisierung der ersten Etappe im vergangenen Jahr, in welcher mit der Überbauung des Messeplatzes das Mittelstück des neuen Komplexes erstellt worden ist, startet nun die zweite Hauptbauetappe. Die alte Halle 3 und der sogenannte „Kopfbau“ vor der Halle 1 werden nun abgerissen, und an ihrer Stelle wird – analog dem bereits stehenden Mittelteil – die neue Halle erstellt. Ende September wird diese im Rohbau fertig sein. Danach folgen die Fassadenverkleidung und der Innenausbau. Mit der BASELWORLD 2013 wird der neue Komplex eingeweiht.

Die MCH Group hat 2011 64,2 Mio Franken in den Neu der Messe Basel investiert. Ist das Projekt finanziell wie auch terminlich im Fahrplan?

Ja, absolut. Verantwortlich für die Realisierung ist das Totalunternehmen HRS Real Estate AG. Die Zusammenarbeit mit einem Totalunternehmen gibt uns grosse Kostensicherheit, weil die Kosten im Vertrag mit dem Totalunternehmen festgeschrieben sind. Und die Realisierung des ersten Bauetappe hat gezeigt, dass der Totalunternehmer das Projekt auch terminlich im Griff hat, was natürlich entscheidend ist.

Wie beurteilen Sie die Messeinfrastruktur an den Standorten Zürich und Lausanne?

In Zürich (rund 30’000 Quadratmeter) und Lausanne (rund 50’000 Quadratmeter) ist das Flächenangebot einiges kleiner als in Basel (ab 2013 rund 140’000 Quadratmeter). Unsere Flächenangebote ergänzen sich also sehr gut. Die Messe Zürich ist in Bezug auf die Qualität und Funktionalität auf einem sehr guten Stand. Sie ist Ende der 90er Jahre gebaut worden und präsentiert sich als kompakter Hallenkomplex, der sehr effizient bewirtschaftet werden kann. In Lausanne ist im Rahmen des Projekts „Beaulieu 2020“ in den Jahren 2000 bis 2009 das Kongressgebäude Schritt für Schritt modernisiert worden. 2011 konnte die neue „Halle Sud“ in Betrieb genommen werden, womit sich sozusagen zwei Drittel des Geländes in einem top-modernen Zustand befinden. Beim nördlichen Hallenkomplex besteht allerdings noch Modernisierungsbedarf.

Zyklusbedingt war das Messeprogramm 2011 etwas schwächer, entsprechend lagen auch Betriebsertrag (323,9 Mio Franken) und Gewinn (20,7 Mio Franken) der MCH Group unter den Vorjahresergebnissen. Wie bewerten Sie das Ergebnis?

Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden. Es liegt über demjenigen des Jahres 2009, mit dem das Jahr 2011 in Bezug auf das Veranstaltungsprogramm vergleichbar ist. Und dies trotz schwieriger Rahmenbedingungen – Stichworte Schulden- und Eurokrise sowie Frankenstärke.

Dass wir bei den vielen Messen stabile oder gar wachsende Zahlen ausweisen können, spricht für die starke Marktposition unserer „Produkte“.

Die MCH Group war im vergangenen Jahr an insgesamt 80 Messen beteiligt. Dabei konnten Sie mehr Besucher verzeichnen, die Bruttoausstellungsfläche konnte gesteigert werden, ebenso die Zahlen der ausstellenden Firmen. Ist die Krise spurlos am Messegeschäft vorbeigegangen?

Nein, das wirtschaftliche Umfeld hinterlässt auch im Messegeschäfts Spuren, insbesondere zum Beispiel bei den Messen im Bereich der exportorientierten Zulieferindustrie. Dass wir bei den vielen Messen stabile oder gar wachsende Zahlen ausweisen können, spricht für die starke Marktposition unserer „Produkte“. Und wir sind insofern in einer komfortablen Lage, dass wir mit unseren internationalen Weltmessen in Branchen der Luxusgüterindustrie führend sind, denen es nach wie vor sehr gut geht.

Wie hat sich der Ausbau des Messe-Portfolios im vergangenen Jahr entwickelt?

Seit Juli 2011 hält die MCH Group 60% der Aktien der Asian Art Fairs Limited in Hong Kong, welche die Hong Kong International Art Fair durchführt. Ziel ist es, die Hong Kong International Art Fair ab 2013 unter dem Art Basel Brand als dritte Kontinental-Plattform unserer international führenden Kunstmessen zu etablieren.

Auf nationaler Ebene hat die Integration der MCH Beaulieu Lausanne in unsere Unternehmensgruppe ein grosses Synergiepotenzial eröffnet, das es uns in den letzten zwei Jahren ermöglichte, zahlreiche neue Messen zu lancieren. Ein paar Beispiele: die Duplikation der Berufsmesse Zürich nach Lausanne, umgekehrt die Duplikation der Creativa Lausanne nach Zürich, die Neulancierung der Zuliefermesse Lausannetec, die Erweiterung der WORLDDIDAC Basel mit den neuen nationalen Plattformen Didacta Schweiz in Basel und Didacta Suisse in Lausanne.

Im Mai veranstaltet die MCH Group eine neue Messe für die Zulieferindustrie der Uhrenbranche, die LAUSANNETEC. Was erwarten Sie sich von dieser Fachmesse?

Die Lausannetec passt ausgezeichnet in unser Portfolio, da sie Zulieferbereiche von Branchen abdeckt, in denen wir mit international und national führenden Fachmessen präsent sind: BASELWORLD, Ineltec, Ilmac, Swisstech und andere. Noch ist die Lausannetec ein neues, junges Pflänzchen, wir sind aber überzeugt, dass sie sich in den nächsten Jahren zu einer wichtigen und führenden Plattform der Zulieferindustrie entwickeln wird.

Tatsächlich gibt es kaum ein Thema, dass messetechnisch nicht schon abgedeckt wäre.

Wie schwierig ist es in Anbetracht eines gesättigten Messemarktes, neue Messen zu entwickeln?

Tatsächlich gibt es kaum ein Thema, dass messetechnisch nicht schon abgedeckt wäre. Und neue Themen schiessen nicht wie die Pilze aus dem Boden. Von Grund auf neue Messen zu entwickeln, ist deshalb in der Tat recht schwierig. Deshalb setzen wir in den Portfolio-Entwicklung eher auf die thematische, geographische und zeitliche Skalierung bestehender Veranstaltungen, wie die oben aufgeführten Beispiele zeigen. Dabei haben auch Kooperationen und Akquisitionen eine zunehmend wichtigere Bedeutung.

20,9 % des Betriebsertrages entfallen mittlerweile auf den Bereich Event Services. Wie hat sich dieser Bereich im vergangenen Jahr entwickelt?

Der Bereich Event Services reagiert grundsätzlich viel direkter und heftiger auf konjunkturelle Schwankungen als das Messewesen. In diesem Geschäftsfeld waren die Folgen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechend stärker zu spüren. Zudem hat sich in diesem Bereich der schwache Euro negativ auf die Ergebnisse ausgewirkt.

Wie viel Potenzial orten Sie bei den Event Services?

Wir sehen darin nach wie vor ein grosses Potenzial, insbesondere in einer noch stärkeren Internationalisierung dieses Geschäftsfeldes.

Ihre Erwartungen für das laufende Jahr?

Messezyklisch ist das laufende Jahr mit 2010 vergleichbar. Umsatzmässig gehen wir von einer leichten Steigerung gegenüber diesem vergleichbaren Jahr aus. Der Gewinn wird sich allerdings auf Grund einmaliger Sondereffekte (Umstellung der Pensionskasse) nicht in der gleichen Weise entwickeln. Wir gehen von einem Ergebnis aus, das zwischen 2010 und 2011 liegen wird.

Herr Kamm, besten Dank für das Interview.

Zur Person:
René Kamm war nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Basel in leitenden Funktionen im In- und Ausland in der Konsumgüter- (u.a. Unilever) und Uhrenindustrie (u.a. Tag Heuer) tätig. 1999 trat er in die damalige Messe Basel ein, als Leiter des Geschäftsbereichs Weltmessen. Per 1. Januar 2003 wurde er zum CEO der Unternehmensgruppe ernannt. Er ist Vorstandsmitglied der EMECA (European Major Exhibition Centres Association) und des Weltverbandes der Messeindustrie UFI (Union des Foires Internationales). Er ist Mitglied des Regionalen Wirtschaftsbeirates der Schweizerischen Nationalbank.

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