Riet Cadonau, CEO Kaba

Riet Cadonau

Riet Cadonau, CEO Kaba. (Foto: Kaba)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Cadonau, Near Field Communication (NFC) und Bluetooth Low Energy (BLE) revolutionieren die Zugangskontrolle. Gibt es in den nächsten Jahren eine weitere extrem schlagkräftige Innovation bei den Sicherheitslösungen?

Riet Cadonau: BLE und NFC haben gute Chancen, die Zutrittskontrolle zu verändern. Mobilgeräte werden die bisherigen elektronischen Zutrittsmedien wie Badge oder Biometrie ergänzen. Solche Technologieentwicklungen haben unser Geschäft schon immer angestossen, wie zum Beispiel RFID in der Vergangenheit. Derzeit scheint BLE im Hotelbereich die bevorzugte Lösung zu sein. So haben wir kürzlich erstmals ein Hotel in Las Vegas mit unserer Lösung ausgerüstet und die ersten Kundenreaktionen sind sehr positiv. Wir gehen davon aus, dass diese Technologie künftig auch in kommerziellen Gebäuden ein Thema wird. Weitere technologische Entwicklungen beobachten unsere Spezialisten genau, denn wir richten uns darauf aus, im Bereich der Zutrittskontrolle die Innovationsführerschaft zu erlangen.

Bevor Sie Chef von Kaba wurden, waren Sie CEO von Ascom. Welches ist für Sie der grösste Technologietransfer, den Sie persönlich durch diesen Wechsel mitnehmen?

Unsere Industrie hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten von Mechanik zu Elektronik entwickelt, in den nächsten Dekade geht es in Richtung Software beziehungsweise Software as a Service (SaaS). Diese Bewegung erinnert mich an meine Zeit bei IBM in den 90er Jahren, als sich das Unternehmen vom Produktlieferanten zu einem Dienstleistungserbringer wandelte. Ich denke, da gibt es viele Parallelen zur heutigen Situation in der Sicherheitsindustrie. Hier werden allerdings die verschiedenen Technologien beziehungsweise Angebote koexistieren. Dies aufgrund verschiedener Kundenbedürfnisse in verschiedenen Märkten.

«Wir investieren in Innovationsthemen beispielsweise deutlich über den branchenüblichen 3 bis 4 Prozent.»
Riet Cadonau, CEO Kaba

Nach kurzer Durststrecke ist Kaba wieder deutlich auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Analysten waren aber von der Kostenseite wenig begeistert. Zu Recht?

Wir befinden uns mitten in einem Zyklus erhöhter Investitionen. Diese beinhalten schwergewichtig Massnahmenpakete für die Entwicklungen unserer Access + Data Systems Divisionen hin zur Innovationsführerschaft. Wir investieren in Innovationsthemen beispielsweise deutlich über den branchenüblichen 3 bis 4 Prozent. Konkret liegen wir bei über 6 Prozent des Umsatzes, was in unserem Fall eine klare Erhöhung im Vergleich zu früher darstellt. Daneben gab es in der jüngsten Vergangenheit andere einzelne Themen, die unsere Kosten beeinflusst haben – beispielsweise ein europäisches Infrastrukturprojekt, welches ERP, Produktionssystem und Konfiguratoren umfasst. Ab dem kommenden Geschäftsjahr 2015/2016 erwarten wir erste  Margenverbesserungen insbesondere über den Payback der Investitionen in Produkte, Innovation und Märkte sowie Effizienzgewinne aus unseren Infrastrukturprojekten.

Die vielgepriesene Wachstumsregion Asien/Pazifik blieb im Geschäftsjahr 2013/2014 hinter Ihren Erwartungen zurück. Wurde sie deshalb auf 2.7.2014 betriebsintern von Europa/Mittelost/Afrika getrennt?

Es ist uns tatsächlich in den letzten Jahren nicht gelungen, unsere Erwartungen hinsichtlich Asia/Pazifik zu erfüllen. Das hängt damit zusammen, dass wir einerseits die kritische Grösse noch nicht erreicht haben. Andererseits sind drei wichtige Erfolgsfaktoren nur teilweise erfüllt: ein starkes, lokal verankertes Management, auf die einzelnen Märkte massgeschneiderte Produkte sowie lokale Vertriebsnetze. Mit der Abspaltung der Division Access + Data Systems AP unter der Führung eines lokal versierten Industriefachmann mit langjähriger Erfahrung erhöhen wir die Managementkapazitäten und  können den Fokus auf die Weiterentwicklung verstärken.

Was verspricht sich Kaba spezifisch vom indischen Markt?

Der Markt Indien hat substanzielles Potenzial und wir versprechen uns entsprechendes Wachstum. Wir haben im vergangenen Jahr mit Dorsët Kaba die Mehrheit an einem bewährten Joint Venture erworben und dieses mit Zukäufen ergänzt. Damit können wir den indischen Markt aus einer Hand bedienen. Der Geschäftsgang sowohl von Access + Data Systems als auch Key Systems in Indien ist im Übrigen erfreulich.

In den letzten Jahren investierte Kaba auch  sehr stark in Brasilien und China. What about Russia?

Unser organisches Aufbauprogramm für Zentral- und Osteuropa steht vor dem Abschluss. Russland ist Teil davon, allerdings in überschaubarem Ausmass. Aktuell erzielen wir in Russland einen vergleichsweise geringen Umsatz im einstelligen Millionenbereich. Die aktuelle politische Lage erleichtert natürlich den weiteren Aufbau nicht. Wir sehen das Engagement als mittelfristig an und halten deshalb weiter daran fest.

«Unser organisches Aufbauprogramm für Zentral- und Osteuropa steht vor dem Abschluss. Russland ist Teil davon, allerdings in überschaubarem Ausmass.»

In Ihrer Guidance fürs laufende Geschäftsjahr sind Sie besonders für den amerikanischen Kontinent optimistisch. Hat das kriminologische Gründe?

Nein, wir profitieren zum einen von der allgemein guten Konjunktur in den USA und Kanada. Auch befindet sich die für uns sehr wichtige Hotelindustrie weiterhin in einer Phase von Neubauten und Erneuerungen. Das gibt unserem Geschäft derzeit Rückenwind.

Hat der NSA-Skandal rund um Edward Snowden Ihrem Geschäft indirekt zusätzlichen Auftrieb gegeben?

Ich sehe keinen direkten Zusammenhang. Generell ist das wachsende Sicherheitsbedürfnis für uns einer von vier Wachstumstreibern. Dies hängt jedoch nicht von einzelnen Vorfällen wie NSA oder Edward Snowden zusammen. Vielmehr handelt es sich dabei um einen übergreifenden Trend, der beispielsweise durch die stark wachsende Weltbevölkerung und deren zunehmenden Wohlstand getrieben ist. Die Leute wollen sich und das, was ihnen lieb ist, schützen.

Wie gross ist die Gefahr, dass sich die weltweite Verschuldung der Staaten in eine Investitionskrise auswächst? Oder gibt es diese Gefahr für Kaba nicht, weil bei Sicherheit zuallerletzt gespart wird?

An der Frage der Entwicklung der Schuldenkrise scheiden sich die Geister – so sind sich auch die Experten nicht einig. Deshalb überlasse ich das Urteil anderen. Tatsache ist, dass unser Geschäft an der allgemeinen Konjunktur respektive der BIP-Entwicklung hängt. Sollte es zu einem grossen Crash kommen, wären auch wir betroffen.

Spielen die Metallpreise eigentlich für Kaba eine Rolle?

Naturgemäss spielen die Metallpreise in unserem Geschäft eine gewisse Rolle. Wir haben jedoch die industrieüblichen Prozesse und Werkzeuge etabliert, um allfällige Schwankungsrisiken bei Preisen für Metalle wie Zink und Kupfer etwas abzufedern.

Die Ausschüttungsquote der Kaba-Aktie liegt gerade bei 50%. Ist das der weitere Zielkorridor?

Unsere Ausschüttungsquote wurde vom Verwaltungsrat vor eineinhalb Jahren von 30% bis 35% auf 40% bis 60% des konsolidierten Reingewinnes erhöht. Daran halten wir weiterhin fest.

Eine Eigenkapitalquote von 62,8 Prozent und 35,4 Millionen Nettoliquidität sprechen eigentlich für weitere Zukäufe….

Akquisitionen und Allianzen sind einer unserer strategischen Pfeiler hin zum profitablen Wachstum. In unserer Industrie gibt es fünf grosse Player, die zusammen etwa 20 Prozent des Marktes halten. Der Rest ist aufgeteilt auf eine Vielzahl von KMUs. Da insbesondere der Innovationsdruck eine gewisse Grösse erfordert, ist eine weitere Marktkonsolidierung zu erwarten. Grössere Firmen zu erwerben, ist in unserer Industrie erfahrungsgemäss aber sehr schwierig. Wir planen deshalb weiterhin,  kleine bis mittlere Unternehmen zu kaufen. Dazu haben wir klare Kriterien erstellt, die wir in der Evaluation anwenden. Schwerpunkte sind dabei Akquisitionen für die Access + Data Systems Divisionen – insbesondere in Schwellenländern. Zusätzlich schauen wir uns in reifen Märkten Firmen zur Schliessung von geografischen Lücken oder auch technologische Ergänzungen an.

Zur Person:
Der Schweizer Riet Cadonau, geboren 1961,  ist seit 1. Juli 2011 CEO Kaba Gruppe. Davor war er vom 20.8.2007 an CEO der Ascom Holding AG, der er von 2001-2005 als  Mitglied der Konzernleitung diente, ab 2002 als Stellvertreter des CEO und Leiter Division Transport Revenue, welche Ende 2005 an die ACS, Inc., verkauft wurde. Zuvor, von 1990 bis 2001, war Riet Cadonau in verschiedenen Führungsfunktionen für die IBM Schweiz tätig, zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung und Chef des Dienstleistungsgeschäftes. Riet Cadonau schloss sein Studium der Betriebswirtschaft an der Universität Zürich mit dem Lizentiat ab. Im Jahre 2007 ergänzte er seine Ausbildung am INSEAD (AMP) in Fontainebleau/Paris. Er war Generalstabsoffizier der Schweizerischen Luftwaffe.

Zum Unternehmen:
Kaba ist weltweit aktiv, mit Schwerpunkt Europa und Nordamerika und in zunehmendem Mass im Raum Asia Pacific. Der ehemalige „Kassenbauer“ ist führender Anbieter von innovativen Zutrittslösungen für ausgewählte Segmente der wachstumsstarken Sicherheitsindustrie. Wachstumstreiber sind die vier globalen Trends Urbanisierung, wachsendes Sicherheitsbedürfnis, technologische Innovation sowie steigender Wohlstand in aufstrebenden Märkten. Die an der SIX börsenkotierte Gruppe beschäftigt rund 9000 Mitarbeitende in über 60 Ländern. Die Innovationsfähigkeit des Unternehmens zeigt sich in den rund 450 Patenten, die weltweit registriert sind.

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