Roger Basler, CEO Meier Tobler, im Interview

Roger Basler
Roger Basler, CEO Meier Tobler. (Foto: zvg)

von Sandra Willmeroth

Moneycab.com: Herr Basler, als CEO bei Franke Water Systems hatten Sie keine Assistentin und haben sich selber organisiert. Ist es dabei geblieben?

Roger Basler: Ich bin nach wie vor sehr selbständig. Ich bin aber froh, eine gute Unterstützung zur Seite zu haben, die mich und auch die ganze Geschäftsleitung unterstützt.

Wie ist es, in diesen Ausnahmezeiten die Führung eines Unternehmens zu übernehmen, welches sie zudem restrukturiert wollen. Ist das nicht etwas viel Verunsicherung für die Mitarbeitenden?

Glücklicherweise konnte ich mich bei meinem Start im September noch fast uneingeschränkt in der Schweiz bewegen und viele Mitarbeitende persönlich kennen lernen. Das hat mir sehr dabei geholfen, das Unternehmen differenziert zu verstehen und nun den Strategieprozess anzustossen. Selbstverständlich versuche ich, intern und extern jederzeit klar und offen zu kommunizieren. Dies schafft hoffentlich Sicherheit für die Mitarbeitenden und für die Kunden.

Seit der Fusion von Walter Meier und Tobler Haustechnik im Jahr 2017 hat Meier Tobler im Geschäft mit Wärmeerzeugern Marktanteile verloren. Wie wollen Sie gegensteuern?

Wir richten unser Geschäft konsequenter auf unsere vier Geschäftsbereiche, Handel, Service, Klimasysteme und Wärmeerzeugung aus. Spezifisch im Geschäft mit Wärmeerzeugern gibt uns dies Kraft, um mit einer gezielteren Endkundenansprache Marktanteile zurückzugewinnen und unserem Anspruch «einfach Haustechnik» zu genügen. Unser Fokus gilt natürlich den erneuerbaren Energien, um die Energiewende in der Schweiz zu unterstützen und mitzuhelfen, die Klimaziele 2050 zu erreichen.

Wann werden Sie den Turnaround in diesem Geschäftsbereich erreichen?

Lassen Sie mich festhalten, dass wir in diesem Geschäftsbereich kein Geld verlieren. Die angestrebte Trendumkehr braucht allerdings etwas Zeit.

„Wir sehen im Bereich der Klimasysteme vermehrt Serviceanfragen, um die Raumluft auf bestehenden Anlagen weiter zu optimieren.“
Roger Basler, CEO Meier Tobler

In wie weit hat die Corona-Pandemie einen Nachfrageschub nach Raumlüftungsanlagen bei Meier Tobler ausgelöst, können Sie das quantifizieren oder in Prozent ausdrücken?

Sicher sind die Menschen allgemein sehr viel interessierter und sensibler zum Thema Lufthygiene geworden. Wir sehen deshalb im Bereich der Klimasysteme vermehrt Serviceanfragen, um die Raumluft auf bestehenden Anlagen weiter zu optimieren. Auch unser Bereich Lüftungshygiene wird vermehrt nachgefragt, dort kontrollieren und reinigen wir Anlagen. Neubau und Sanierung sind allerdings längerfristig geplant und deshalb im Moment nicht sehr durch die Pandemie getrieben.

Sind Lüftungsanlagen geeignet, das Ansteckungsrisiko zu senken?

Als Nicht-Epidemiologe möchte ich mich nicht zum Ansteckungsrisiko äussern. Als Haustechniker kann ich aber sagen, dass Lüftungen mit Zufuhr von Frischluft, mit geeigneten Filtern sowie der richtigen Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60%, für beste Gesundheit und das höchste Wohlbefinden sorgen.

Wie hat sich das Handelsgeschäft für Meier Tobler in diesen Corona-Zeiten entwickelt?

Der bereits längerfristige Trend der Verlagerung des Handelsgeschäfts auf unseren e-Shop hat sich durch die die Pandemie nochmals etwas beschleunigt. Heute erzielen wir rund 40% unseres Handelsvolumens über unsere online-Plattform. Auch die Meier Tobler Marchés, unsere Shops für die Installateure, haben sich erfreulich entwickelt.

Sie haben mit Marche24 kürzlich einen 24/7 Laden mit Baumaterialien für Installateure in Wallisellen eröffnet. Besteht in dem Bereich tatsächlich eine 24/7 Nachfrage? Wie entwickeln sich die Verkaufszahlen des ausserhalb der normalen Öffnungszeiten in Selbstbedienung funktionierenden Shops?

Unser erster Marché24 entwickelt sich erstaunlich positiv – natürlich noch auf tiefem Niveau. Wir verzeichnen aber bereits jeden Tag mehrere Einkäufe ausserhalb der regulären Öffnungszeiten und an den Wochenenden. Es sind vor allem Installateure, die Ihren Endkunden Notfall-Störungsbehebungen anbieten oder die an Randzeiten unter Zeitdruck auf Baustellen arbeiten.

Konnten Sie das Service-Geschäft ununterbrochen aufrechterhalten oder gab es einen Lockdown für ihre Service-Mitarbeitenden?

Unsere Servicetechniker waren jederzeit einsatzbereit, das versteht sich von selbst. Wo die Kantone die Baustellen nicht geschlossen hielten, konnten unsere Marchés im «Take-away-Modus» zur Versorgungssicherheit beitragen und unsere Kunden weiterhin bedienen.

„Wir sind allerdings heute positiv eingestellt und rechnen damit, dieses Jahr mit einem blauen Auge zu überstehen.“

Wie wird das Unternehmen Meier Tobler insgesamt durch dieses Corona-Jahr kommen? Wagen Sie eine Prognose? Den Aktionären haben Sie die Aussicht auf eine Dividendenzahlung für das laufende Jahr ja bereits genommen.

Die Gesamtsituation bleibt für uns alle bekannterweise und mit den umgesetzten oder noch drohenden Interventionen der Behörden volatil. Wir sind allerdings heute positiv eingestellt und rechnen damit, dieses Jahr mit einem blauen Auge zu überstehen.

Die Energiewende ist nebst der Digitalisierung das zentrale Thema für Sie. Sie wünschen sich mehr Subventionen von der Regierung, die es privaten Haushalten schmackhafter machen, anstatt einen neuen Brenner in eine alte Heizungsanlage einzubauen etwas mehr in eine moderne und umweltschonende Wärmepumpe zu investieren. Haben Sie sich in Bern bereits Gehör verschaffen können?

In der Tat fokussiert Meier Tobler voll und ganz auf die Energiewende – wir bringen Liegenschaftsbesitzer, unser Wissen und unsere Produkte zusammen. Das Anliegen wird von der Politik des Bundes seit längerem unterstützt. Die Initiative «erneuerbar heizen» zieht sich über die ganze Schweiz. Es gibt bereits in vielen Kantonen substanzielle Unterstützungsleistungen in unterschiedlicher Höhe. Trotzdem bleiben aus meiner persönlichen Sicht immer noch zu viele Liegenschaftsbesitzer und Investoren auf ihren fossilen Systemen, weil sie durch die höheren Investitionen in eine Wärmepumpe abgeschreckt werden. Meier Tobler ist auf allen Heizsystemen kompetent und wir können Hauseigentümer technologieneutral beraten. Die Entscheidung liegt dann beim Liegenschaftsbesitzer.

„Nur gar nicht zu sanieren, ist schlecht für das Klima!“

Wie zuversichtlich sind Sie im Hinblick auf die Energiewende, respektive was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Hürden, die genommen werden müssen?

Ich bin sehr zuversichtlich. Die Klimadiskussion ist in der Bevölkerung und in der Politik angekommen. Alle haben verstanden, dass die Haustechnik dabei eine dominante Rolle spielt. Natürlich wünsche ich mir, wie Sie es angesprochen haben, noch mehr finanzielle Anreize, um bestehende Altanlagen jetzt erneuern zu können. Meine persönliche Präferenz liegt dabei klar bei Wärmepumpen. Aber es gilt auch festzuhalten, dass der Ersatz einer alten fossilen Anlage durch einen effizienteren, modernen fossilen Wärmeerzeuger auch schon wesentlich weniger Emissionen generiert und weniger Energie verbraucht. Nur gar nicht zu sanieren, ist schlecht für das Klima!

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