Roger Fromm, CEO INVESTORY

Roger Fromm

Roger Fromm, CEO INVESTORY.

von Helmuth Fuchs

Moneycab: Herr Fromm, seit November 2012 ist Ihre Plattform “INVESTORY”, auf der die Leistung einzelner Vermögensverwalter verglichen werden können, online. Wie viele Vermögensverwalter lassen sich auf Ihrer Plattform in die Karten schauen, und wie gross ist das Benutzerbedürfnis nach dieser Art von Transparenz?

Roger Fromm: Das Benutzerbedürfnis nach einem Leistungsnachweis ist gross. Eine schlechte Performance ist gemäss einer breitangelegten Studie von PWC heute der Hauptgrund für einen Anbieterwechsel in Europa. Der überwiegende Anteil neuer Besucher erreicht uns über Suchmaschinen. Eine Teilnahme am INVESTORY Cup mit einem Portfolio stellt nur eine von unseren Dienstleistungen dar, um die Wahrnehmung im Internet zu optimieren.

«Gerade im Bereich von diversifizierten Portfolios mit Aktien und ETFs war es bisher nicht möglich, die Anbieter nebeneinander zu vergleichen. Wir bieten dem Anleger hiermit neue Möglichkeiten.» Roger Fromm, CEO INVESTORY

Über 100 Vermögensverwalter sind heute mit einem Firmenportrait auf INVESTORY präsent, rund 20 Portfolios aus der Schweiz, Deutschland und aus Österreich nehmen am INVESTORY Cup teil.

Die unabhängigen Vermögensverwalter werden Ihr Angebot wahrscheinlich als Chance sehen, sich einem potentiellen Publikum zu präsentieren und ihre Performance transparent unter Beweis zu stellen. Wie sieht es aus bei Vermögensverwaltern von mittleren und grösseren Finanzinstituten, deren Performance für die grosse Masse der Anleger ja ebenfalls sehr interessant ist?

Das ist korrekt. Auf INVESTORY kann der Leistungsnachweis erbracht werden. Gerade im Bereich von diversifizierten Portfolios mit Aktien und ETFs war es bisher nicht möglich, die Anbieter nebeneinander zu vergleichen. Wir bieten dem Anleger hiermit neue Möglichkeiten.

Die Grösse eines Vermögensverwalters spielt uns keine Rolle. Der Chief Investment Officer der UBS, Alexander Friedman, hat sich zum Beispiel auf die Fahne geschrieben, sich in Zukunft mit einer guten Performance differenzieren zu wollen. Ich nahm ihn beim Wort und offerierte ihm, dies kostenlos auf INVESTORY unter Beweis zu stellen. Auch Ökonomen und Börsengurus, von denen man in der Presse liest, habe ich hierzu eingeladen. Den Nachweis bleiben diese bis heute schuldig.

Wie finanzieren Sie Ihre Plattform, wer bezahlt welchen Preis für die angebotenen Leistungen?

Wir finanzieren uns über drei Einnahmequellen:

  1. Anleger: Anleger können Portfolio-Kennzahlen und Firmenportraits der Vermögensverwalter kostenlos einsehen. Sobald der Anleger mehr erfahren und in ein Portfolio hineinschauen möchte, bezahlt er eine kleine leistungsabhängige Trackinggebühr.
  2. Sponsoring: Bei unserer Veranstaltung „Bester Vermögensverwalter 2013“ können Dienstleister für Vermögensverwalter durch Sponsoring bei ihrer Zielkundschaft prominent in Erscheinung treten.
  3. Vermögensverwalter: Die Kosten für den Vermögensverwalter sind verglichen mit klassischer Werbung ausgesprochen günstig. Ein Firmenportrait ist kostenlos. Für die Teilnahme am INVESTORY Cup mit einem Portfolio bezahlt er für das erste Portfolio nur 3000 Franken pro Jahr und für jedes weitere Portfolio 600 Franken pro Jahr. Für das Geld bekommt der Vermögensverwalter neben seinem Portfolio wertvolle Informationen zum eigenen Portfolio, viel PR durch die Berichterstattung, ist 365 Tage online sichtbar, legt einen validen Leistungsnachweis an, kann kostenlos über INVESTORY eigene News publizieren und so weiter.

«INVESTORY führt einen Riskradar, welcher sich aus verschiedenen Risikokennziffern zusammensetzt und das Risiko des gesamten Portfolios misst.»

Die Aktienportfolios sind gegliedert nach Kategorien (aggressiv, moderat, defensiv). Wie unterscheiden sich diese?

INVESTORY führt einen Riskradar, welcher sich aus verschiedenen Risikokennziffern zusammensetzt und das Risiko des gesamten Portfolios misst. Anhand dieser Kennzahl können wir ermitteln, mit wie viel Risiko eine Performance erzielt wurde und somit neben der Performance selber auch das Risiko eines Portfolios grafisch darstellen. Der Riskradar wird täglich berechnet, und drittelt die Portfolios auf Grund der Gesamtmenge in drei erwähnte Kategorien. Ein Portfolio kann jederzeit von einer Kategorie in die andere wechseln, abhängig von der eigenen Zusammensetzung oder den Veränderungen der Gesamtmenge.

Nebst der Performance eines Portfolios sind vor allem die Kosten für die Vermögensverwaltung entscheidend für den Gewinn oder Verlust eines Anlegers. Bietet Ihre Plattform auch hier Entscheidungshilfe?

Richtig, die Kosten sind ein wichtiges Kriterium für den langfristigen Erfolg. Der Vermögensverwalter kann seine Konditionen auf INVESTORY publizieren, so dass der Anleger selber diese nebeneinander vergleichen kann. Wir haben uns entschieden, bei allen Portfolios die gleichen marktkonformen Kosten zu Grunde zu legen, so lässt sich die Leistung der Vermögensverwalter besser vergleichen.

«Seit Monaten kommen nur schlechte Nachrichten aus Bern. Statt dort zur regulieren, wo die Risiken liegen, geschieht aktuell das Gegenteil.»

Wie wirken sich die andauernden Verschärfungen der gesetzlichen Richtlinien im Finanzsektor auf die unabhängigen Vermögensverwalter aus, welche Chancen und Risiken ergeben sich?

Negativ. Seit Monaten kommen nur schlechte Nachrichten aus Bern. Statt dort zur regulieren, wo die Risiken liegen, geschieht aktuell das Gegenteil. Der Nährboden für erfolgreiche Neugründungen im Finanzbereich wird zerstört und unzählige Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Chancen bieten sich überall.

Wichtig für einen Vermögensverwalter ist, dass er seine Value Proposition klar kommuniziert und Profil gewinnt. Die Risiken für die Finanzbranche werden in Bern gelenkt. Vermögensverwalter müssen stärker für ihre Interessen eintreten. Wir engagieren uns in diesem Bereich und werden demnächst informieren.

Die sozialen Medien werden auch im Finanzsektor bei einfachen Geschäftsprozessen (zum Beispiel Crowdfunding, Lending) zur Konkurrenz der herkömmlichen Anbieter. Welchen Einfluss haben die sozialen Medien auf die Vermögensverwaltung?

Why asking a local expert if you can ask the world? Der Einfluss der sozialen Medien nimmt natürlich auch in der Vermögensverwaltung zu. Immer mehr Anleger informieren sich online, bevor diese eine Entscheidung treffen. Wir haben, was Finance 2.0 betrifft, grossen Nachholbedarf. Gerade in Bezug auf Finanzinnovationen fehlt es hierzulande an Unternehmergeist.

Banken im Ausland können Portfoliostrategien von Dritten auf Kundenportfolios vollautomatisch umsetzen. Solche Banken bieten ihren Kunden einen umfassenden Strauss innovativer Anlagestrategien an. Sie gewinnen indirekt durch die Vermögensverwalter neue Kunden.

Wenn Sie zwischen zwei Stichworten wählen müssten, welches ist Ihre Wahl:

Finanzplaner oder Vermögensverwalter: eindeutig Vermögensverwalter  ̶ „Finanzplanung ist das Mittel zum Zweck“.
Aktie oder Index: Aktie
Geld oder Gold: Gold  ̶  „Das Aufbewahrungsmittel für die Ewigkeit wird jede Währung überdauern.“
Zürich oder New York: Zürich
Franken oder Euro: Franken  ̶  „Er wird den Euro überdauern.“

Zum Schluss des Interviews haben Sie zwei Wünsche frei, wie sehen diese aus?

Ich wünsche mir eine Syrienlösung ohne Eskalation und ein verhandlungsstarkes Bern, welches sich nicht erpressen lässt und den ausdrücklichen Volkswillen, nämlich der EU nicht beizutreten, endlich konsequent umsetzt.

Zur Person:
Roger Fromm (Jg. 1971)

Seit 1988 bis 2009 bei verschiedenen Grossbanken und im Finanzbereich tätig, bevor er sich zuletzt 2009 selbständig machte, war er für eine Zürcher Privatbank als Mitglied der Direktion in der Akquisition von Neukunden im Wealth Management aktiv.

Seit 2010 hatte er die Idee für eine unabhängige Vergleichsplattform für Asset Manager und Investoren entwickelt und im 2011 mit der Realisierung dieser Idee begonnen. Er ist überzeugt, dass INVESTORY eine wichtige neue Informationsquelle für Investoren und Vermögensverwalter wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.