Roger von der Weid, CEO Art & Fragrance und Lalique

Roger von der Weid

Roger von der Weid, CEO Art & Fragrance und Lalique. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr von der Weid, ihre Marke Lalique produziert Kristallkunst von aussergewöhnlicher Schönheit. Aber generiert man dafür je genug Abnehmer? Kristall ist ja nun mal im Gegensatz zu Parfums kein Massenmarkt.

Roger von der Weid: Unser Ziel ist, das Image vom ursprünglich reinen Kristallhersteller abzulegen und Lalique als diversifizierten Lifestyle Brand mit fünf Geschäftsbereichen zu etablieren: Dekorative Kristallobjekte, Inneneinrichtung, Kunst, Schmuck, und Parfüms. Dabei halten wir jedoch an unseren Werten fest: Handwerkskunst, Exzellenz und Exklusivität. Die Marke und die neuen Produktelinien sollen mehr Emotionen und Funktionalität ausstrahlen. Damit wollen wir neue, auch jüngere Kundengruppen ansprechen und begeistern.

Die Medaillen der Olympischen Winterspiele in Albertville waren eine Lalique-Kreation. Was könnte denn ein weiteres  Marketing-Highlight für die Kristallbläser aus den Nordvogesen werden?

Eines der aktuellen Highlights ist die Zusammenarbeit mit der weltbekannten Architektin und Designerin Zaha Hadid. Sie hat uns eine kleine Vasenkollektion entworfen, die wir im Januar 2014 in Paris der Öffentlichkeit vorstellen und anschliessend unter dem Namen „Crystal Architecture“ vermarkten werden. Daneben führen wir unser Co-Branding Programm weiter. Hierbei handelt es sich um Partnerschaften mit angesehenen Luxushäusern zur Kreation von exklusiven und aussergewöhnlichen Objekten. Zu den Partnerfirmen gehören beispielsweise The Macallan (Single Malt Whisky), Parmigiani – Fleurier (Uhren), Bugatti (Autos), Jean-Michel Jarre (Musik) oder Nina Ricci (Parfums).

Auch die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstlern ist vielversprechend. Die Statue „Victoire de Samothrace“, welche wir gemeinsam mit der Fondation Yves Klein, einem der bedeutendsten französischen Künstler des 20. Jahrhunderts, in blauem Lalique Kristall re-editiert haben, ist nicht nur bei Lalique-Sammlern, sondern auch bei Kunstliebhabern generell ein grosser Erfolg. Wir haben bereits weitere Projekte in der Pipeline, mit welchen wir den Namen Lalique zu einer festen Grösse in der Kunstszene etablieren wollen.

Da dürften Sie offene Türen einrennen…

Künstler sind zumeist angetan von der Idee, Werke in Kristallglas zu kreieren. Glas ist ein idealer Werkstoff für formschöne Objekte und bietet vielfältige Möglichkeiten, beim Design mit Lichteffekten zu spielen, was eine der besonderen Spezialitäten von Lalique ist.

«Natürlich ist das soziale Umfeld in Frankreich nicht zu vergleichen mit den Bedingungen, welche in der Schweiz vorherrschen.»
Roger von der Weid, CEO Art & Fragrance und Lalique

A&F haben nach der Übernahme der Cosmetics Perfumes Services das Produktionsgebäude in Frankreich für über 4 Millionen Franken gekauft. Ist das nicht ein gar unglücklicher Zeitpunkt, jetzt in Frankreich Immobilienbesitz zu kaufen?

Die von ihnen genannte Zahl ist viel höher als der effektiv bezahlte Preis. Diesen Betrieb haben wir inzwischen in Art & Fragrance Services umfirmiert. Ziel und Zweck der Akquisition des Werks war das Insourcing der Produktions- und Logistikaktivitäten für alle unsere Parfümmarken. Damit können wir unsere gesamte Wertschöpfungskette kontrollieren, was ein klarer Wettbewerbsvorteil ist, vor allem in Bezug auf die Planungssicherheit. Aufgrund unserer Umsatzniveaus hatten wir bereits im Zeitpunkt der Akquisition eingeplant, in den Ausbau der Kapazitäten zu investieren, was unterdessen auch erfolgt ist. Auch im Parfümbereich denken wir langfristig, weshalb ein Immobilienmehrwert nicht im Vordergrund steht. Nach Abschluss der Integration der Art & Fragrance Services werden wir vermehrt Abfüllaufträge für Drittmarken ausführen.

Es wurden rund 500’000 Franken für Rechtsfälle zurückgestellt. Ist es schwierig, in Frankreich Arbeitgeber und Unternehmer zu sein?

Es handelt sich um die letzten noch offenen Rechtsfälle im Zusammenhang mit der 2009/2010 erfolgten Restrukturierung der Firma Lalique. Natürlich ist das soziale Umfeld in Frankreich nicht zu vergleichen mit den Bedingungen, welche in der Schweiz vorherrschen. Die Luxusindustrie ist und bleibt jedoch mit Frankreich eng verbunden. Das betrifft nicht nur die international bekannten Luxushäuser, sondern auch deren unzähligen, ebenfalls französischen Zulieferer, zumeist KMUs mit unersetzbarem Know-how in traditionellen Gewerben und Handwerken. Das gilt auch für Lalique. Auch für Parfüms ist das „Made in France“ Label von Bedeutung, ist doch die moderne Parfümindustrie weitestgehend in Frankreich entstanden.

Seit 2007 besitzt Art & Fragrance die meisten vertriebenen Marken auch. Für Jaguar und Bentley müssen Sie Lizenzgebühren bezahlen. In welcher Grössenordnung liegen diese im Parfumgeschäft?

Die übliche Bandbreite liegt zwischen 5 und 8 Prozent und hängt von diversen Faktoren ab, natürlich vor allem vom allgemeinen Bekanntheitsgrad der Marke. Sätze von 10 Prozent oder mehr sind mir nur in Ausnahmefällen bekannt. Bei der Festlegung der Lizenzgebühren werden zudem die Marketing- und Werbeausgaben berücksichtigt, zu welchen sich der Lizenznehmer verpflichtet.

Wie läuft denn die Bentley-Parfumlinie, die Sie ja erst 2012 einlizensiert haben?

Bentley Fragrances haben wir als Nischenmarke im Prestigesegment positioniert. Der internationale Roll-out der ersten Produktelinien „Bentley for Men“ und „Bentley for Men Intense“ erfolgte im Frühling 2013 und war sehr erfolgreich. Wir liegen aktuell über unseren Prognosen, die neue Parfümmarke wurde in den Zielmärkten entsprechend gut aufgenommen.

«Bentley Fragrances haben wir als Nischenmarke im Prestigesegment positioniert.»

Der Anteil der A&F Treasury Shares fiel unter 3 Prozent. Wieso haben Sie eigene Aktien verkauft? Die Bilanz von A&F ist doch sehr solide.

Die Haltedauer von eigenen Aktien ist gesetzlichen Einschränkungen unterworfen und wir wollten den damit verbundenen steuerlichen Implikationen vorbeugen.

«Neuheiten werden gemäss unseren 3- bis 5-Jahresplänen, welche von den Markttrends und –Bedürfnissen abhängen, lanciert.»

Jetzt wo sie mit Art & Fragrance Services – ehemals CPS – eigene Produktionskapazitäten haben, dürften doch sicher schon bald eine ganze Menge Produktneuheiten kommen, oder?

Das anfangs der laufenden Periode erfolgte Insourcing der Parfüm-Produktionsaktivitäten ändert nichts an unseren Markenstrategien. Neuheiten werden gemäss unseren 3- bis 5-Jahresplänen, welche von den Markttrends und –Bedürfnissen abhängen, lanciert. Im Frühjahr 2014 werden wir beispielsweise „Jaguar Innovation“ lancieren, eine edle, frisch-holzige Herrenlinie bestehend aus einem Eau de Toilette und einem Eau de Cologne. Ausserdem stehen für 2014 diverse Sortimentserweiterungen bei bestehenden Lalique Parfums-Linien an, sowie eine neue, hochwertige Parfums Grès-Linie unter dem Namen „Collection Lumière“. Für 2015 sind unter anderem eine Damenneuheit bei Lalique Parfums sowie eine zweite Herrenlinie bei Bentley Fragrances in Planung.

Wir prüfen zudem laufend die Akquisition von neuen Marken oder Parfümlizenzen, die unser Portfolio sinnvoll ergänzen würden, da wir vor allem im Parfümsegment auch auf externes Wachstum setzen.

Denkt Art&Fragrance längerfristig über einen Segmentwechsel an die SIX nach?

Für den Gang an die SIX fehlt uns zurzeit die kritische Grösse.

Ist bald einmal eine Dividendenzahlung geplant?

Die Dividendenpolitik wird in erster Linie vom Verwaltungsrat festgelegt. Die Umsetzung der Markenstrategie bei Lalique erfordert bedeutende Investitionen, weshalb in den vergangenen Jahren sämtliche Gewinne reinvestiert wurden. Ich gehe nicht davon aus, dass sich das kurzfristig ändern wird.

Was erwarten Sie vom Weihnachtsgeschäft 2013?

Was den Grosshandel anbetrifft, erfolgt der Einkauf bereits im Herbst. Das gilt vor allem für unser Parfümgeschäft. Für unsere eigenen Boutiquen ist das Weihnachtsgeschäft bedeutend, weshalb das Ergebnis des zweiten Semesters immer dasjenige des ersten Halbjahrs übertrifft. Nicht umsonst haben wir unseren neuen Flaghship Store Zürich im November eröffnet. In Asien hingegen ist auch der Januar ein umsatzstarker Monat, da das Chinesische Neujahr jeweils gegen Ende Januar Anfangs Februar fällt.

Zum Gesprächspartner:
Roger von der Weid, geboren 1970, verheiratet, vier Kinder, startete seine Karriere als Wirtschafts- und Steueranwalt (1998 – 2003) sowie Geschäftsführer einer Treuhandfirma (2004 – 2005). Anfangs 2006 wechselte er als Delegierter des Verwaltungsrates und CEO zur Art & Fragrance, wo er seither das Parfüm- und Kosmetikgeschäft leitet. Nach der Übernahme der fränzösischen Kristallmanufaktur Lalique im Jahre 2008 durch Art & Fragrance übernahm er zudem die Geschäftsführung bei Lalique.  

Zum Unternehmen:
Art & Fragrance ist eine auf Luxusgüter spezialisierte, schweizerische Gruppe mit Sitz in Zollikerberg bei Zürich. Seit 2007 ist Art & Fragrance an der BX Berne eXchange kotiert. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 550 Mitarbeiter, wovon 220 in der Kristallmanufaktur im französischen Elsass und 100 im Parfüms-Abfüll- und Logistikbetrieb südlich von Paris. Art & Fragrance ist ein erfolgreicher Nischenplayer in der globalen Parfümindustrie und gehört mit ihrer französischen Tochter Lalique zu den führenden Herstellern von Kristallglas. Mit Aktivitäten in Interior Design, Mobiliar und Wohnaccessoires, Schmuck und Kunst hat sich Lalique unter der Führung von Art & Fragrance in den vergangenen Jahren zu einer Lifestyle-Marke entwickelt. Gut 98% des konsolidierten Umsatzes von über CHF 110 Millionen erfolgt im Ausland. Die Hauptquartiere der Gruppe, welche Ländergesellschaften in England, Deutschland, den USA, Singapur und China unterhält, befinden sich in Zollikerberg bei Zürich sowie Paris. Die Produkte von Art & Fragrance werden weltweit in über 80 Ländern vertrieben.

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