Ronald Fehlmann, CEO COMET Gruppe

Ronald Fehlmann
Ronald Fehlmann, ehemaliger CEO Comet Gruppe. (Foto: Comet)

Ronald Fehlmann, CEO Comet Gruppe. (Bild: Comet Gruppe)

Moneycab: Herr Fehlmann, 2010 strebte die COMET Gruppe eine Umsatzverdoppelung per Ende 2013 gegenüber 2009 auf 300 Mio CHF an. Am diesjährigen Investorentag wurde dieses Ziel nun auf 2015 erstreckt. Weshalb?

Ronald Fehlmann: Die 2010 formulierten strategischen Initiativen sind inhaltlich umgesetzt: Mit der Akquisition der Stolberg HF Generatoren haben wir die Vorwärtsintegration abgeschlossen. Im Bereich Innovation wurde die e-beam Technologie auf der weltweit grössten FoodTec-Messe ANUGA vorgestellt und die Technologiephase erfolgreich beendet. Wir sind in lokalen Währungen gewachsen. Wir generieren jedoch 99% unseres Umsatzes ausserhalb der Schweiz. Aufgrund der Erstarkung des Schweizer Frankens sowie der geänderten Weltwirtschaftslage ist die Vergleichbarkeit des Ergebnisses mit den in 2010 genannten Zielen somit nicht mehr gegeben.

Mittels welchen strategischen Schritten soll das Umsatzziel 2015 erreicht werden?

In unserer Wachstumsstrategie 2015 wollen wir unsere Stärken multiplizieren und fokussiert wachsen. Die Basis bilden unsere innovativen Technologien innerhalb der Kerntechnologien industrielles Röntgen, Hochfrequenz und e-beam. Das starke organische Wachstum soll einerseits durch konsequente Vermarktung bestehender und neuer Produkte und Dienstleistungen und andererseits durch das beschleunigte Entwickeln unserer vielversprechenden Geschäftsfelder wie e-beam und HF-Generatoren erreicht werden Ein wichtiger Hebel ist zudem die kontinuierliche Verbesserung unserer Produktivität und Profitabilität.

«Wir sind mit unseren innovativen Technologien, dem starken Produktportfolio und unserer weltweiten Organisation hervorragend aufgestellt, um von den relevanten Markttrends auch längerfristig zu profitieren.»
Ronald Fehlmann, CEO COMET Gruppe

Wo erhoffen Sie sich das stärkste Wachstum in den kommenden drei Jahren?

Das stärkste Wachstum erwarten wir in den kommenden drei Jahren aus der Division Modules & Components. Wir haben mit dem Abschluss der Vorwärtsintegration unsere HF-Kompetenz im Bereich Plasma Control Technologies gestärkt und uns u.a. mit Generatoren neue Märkte eröffnet.

Für 2012 erwartet die COMET Gruppe «aufgrund gezielter Investitionen in attraktive Zukunftspotenziale» eine EBITDA-Marge leicht unter Vorjahresniveau in der Bandbreite von 11 bis 12%. Welchen Geschäftsfeldern gelten die laufenden Investitionen?

Wir sind mit unseren innovativen Technologien, dem starken Produktportfolio und unserer weltweiten Organisation hervorragend aufgestellt, um von den relevanten Markttrends auch längerfristig zu profitieren. In diesem Sinne halten wir gezielt an Investitionen in junge Geschäftsfelder wie e-beam, HF Generatoren sowie portable Röntgenquellen fest. Bei e-beam investieren wir vor allem in die Entwicklung von Märkten ausserhalb von flüssigen Lebensmitteln wie zum Beispiel Pharma, bei den Generatoren und den portablen Röntgenröhren vor allem in die Entwicklung und Vermarktung neuer Produkte. Zudem investieren wir gezielt in Zukunftspotentiale wie die 450mm Wafer-Technologie.

Im Ausblick für das zweite Halbjahr 2012 vom August geben Sie sich aufgrund stabiler Auftragseingänge und eines hohen Auftragsbestands zuversichtlich für die Umsatzentwicklung der Division Systems. Zeichnet sich eine Bestätigung Ihrer Annahme ab?

Erfreulich ist insbesondere die Entwicklung der Profitabilität der Division Systems, die sich auf Stufe EBITDA-Marge von 6.6% auf 7.6% im ersten Halbjahr 2012 gesteigert hat. Dies haben wir erreicht, indem wir bewusst zugunsten der Profitabilität zum Teil auch auf Aufträge und Umsatz verzichten. Wir erwarten dennoch für die Division Systems gegenüber der ersten Jahreshälfte ein stärkeres zweites Halbjahr.

«Mit den HF Generatoren prüfen wir Wachstumschancen im Bereich der Medizin (MRI) und in der Industrie (Laser).»

In der Division Modules & Components lastete im Bereich Plasma Control Technologies im ersten Halbjahr 2012 die schwache Nachfrage aus dem Halbleitermarkt auf dem Umsatz. Entsprechend setzt COMET – vor allem in Europa – auf Produkte ausserhalb des Halbleitermarktes. Mit welchen?

Mit den HF Generatoren prüfen wir Wachstumschancen im Bereich der Medizin (MRI) und in der Industrie (Laser). Der Halbleitermarkt wird jedoch auch mittelfristig bei Plasma Control Technologies den Geschäftserfolg weitestgehend bestimmen.

Und sehen Sie für Halbleiter-bezogene Produkte Licht am Ende des Tunnels?

Bei der Guidance, die wir anlässlich unseres Investorentages im November gegeben haben, gehen wir von einer Erholung des Halbleitermarktes gegen Ende des ersten Quartals 2013 aus.

Seit der Entdeckung der Röntgenstrahlen 1895 durch Wilhelm Conrad Röntgen hat sich dieses bildgebende Verfahren von einem stumpfen Instrument zu einen Hightech-Produkt entwickelt. Was ist das Röntgenverfahren heute in der Lage zu leisten – im Speziellen bei COMET?

Die Fähigkeit von Röntgen, Materie zu durchdringen und somit Informationen vom Inneren eines Objektes zu erhalten, ohne es öffnen oder zerstören zu müssen, ist nach wie vor nahezu unübertroffen. Aufgrund des steigenden Kostendrucks und des Trends Ressourcen zu schonen, werden Bauteile mit immer geringerem Materialeinsatz entwickelt und hergestellt. Umso wichtiger ist es, dass gerade auch kleinste Fehler bei der Materialprüfung etwa von Auto- oder Flugzeugbauteilen nicht unentdeckt bleiben. Die innovativen Röntgenquellen von COMET kombiniert mit der Bildgebungskompetenz von YXLON  erlauben die Untersuchung komplexer Strukturen auch aus schweren Materialkombinationen innerhalb kurzer Untersuchungszeiten. Damit helfen wir unseren Kunden, die Sicherheit und Leistungsfähigkeit ihrer Produkte im Produktionsprozess zu gewährleisten.

«Viele der Geräte, die unseren digitalisierten Alltag bestimmen, wären ohne COMET‘s Vakuumkondensatoren nicht denkbar.»

Nebst Röntgenquellen stellen Vakuumkondensatoren das zweite Kernprodukt der COMET Gruppe dar. Wofür werden diese verwendet und was zeichnet Ihre Produkte besonders aus?

Viele der Geräte, die unseren digitalisierten Alltag bestimmen, wären ohne COMET‘s Vakuumkondensatoren nicht denkbar. Vakuumkondensatoren kommen zusammen mit RF-Matchboxen bei der Herstellung von Speicherchips sowie Touchscreens und Flachbildschirmen zur Anwendung. Sie spielen zudem eine wichtige Rolle bei der Produktion von Solarzellen. In Asien kommen Vakuumkondensatoren auch zur Stabilisierung von Frequenzen bei der analogen und digitalen Rundfunkübertragung zum Einsatz. COMET hat sich in den letzten Jahrzehnten mit seinen zuverlässigen, immer leistungsfähigeren Produkten und der konsequenten Erfüllung von Kundenanforderungen einen Namen gemacht und inzwischen einen Marktanteil von rund 60% erreicht.

Um was handelt es sich bei der 450mm Wafer-Technologie?

Wafer sind Ausgangsstoff für die Herstellung von Speicherchips, wie sie beispielsweise in Smartphones vorkommen. Wie wir in den letzten 30 Jahren gesehen haben, verdoppelt sich die Wafergrösse ungefähr alle 10 Jahre. Derzeit läuft die Entwicklung der Wafertechnologie von 300mm Durchmesser auf 450 mm. Durch diese Verdoppelung kann man in einem Prozessschritt die doppelte Menge Speicherchips herstellen und so die Kosten pro Speicherchip senken. Die Herstellung der 450mm-Wafers ist jedoch anspruchsvoller und erfordert grössere Anlagen mit höherer Hochfrequenzleistung. Mit unseren leistungsstarken, effizienten RF Produkten sind wir sehr gut positioniert. Wir treiben die Entwicklung in verschiedenen Projekten voran, um uns künftiges Geschäft zu sichern.

«Die kompakte e-beam Technologie von COMET hat langfristig grosses Potential.»

Grosse Hoffnungen setzt Ihr Unternehmen auf e-beam. Mittels dieser Technik lassen sich z.B. Lebensmittelverpackungen berührungsfrei und ohne Einsatz von chemikalischen Stoffen sterilisieren. Können Sie uns das Verfahren kurz etwas näher erläutern?

Bei der kompakten e-beam-Technologie von COMET werden Elektronen in einem ultrahohen Vakuum annähernd auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Sie verlassen die Röhre als homogener Strahl durch ein dünnes Fenster aus Titanium. Mit diesem Elektronenstrahl lassen sich verschiedenste Oberflächen effizient, umweltfreundlich und kontaktfrei sterilisieren oder veredeln. Bei Lebensmittelverpackungen wird die Verspackungsfolie durch den Elektronenstrahl an zwei E-beam-Emittern vorbei geführt. Dabei werden die Oberflächen der Verpackungsfolie entkeimt und somit steril.

Mit Tetra Pak setzt der Weltmarktführer für Karton-Getränkeverpackungen auf die e-beam-Technik von COMET. Verläuft die Einführung nach Plan?

Die Anuga Foodtec im März dieses Jahres war ein wichtiger Meilenstein für uns, da unser wichtigster Kunde sich öffentlich zu unserer Technologie bekannt hat. Die Kommerzialisierung bei Tetra Pak beginnt mit dem Launch der neuen High Speed Verpackungsanlage voraussichtlich 2015. Bis dahin laufen die Vorbereitungen bei Tetra Pak und COMET. So müssen z.B. die Verpackungsmaschinen umgebaut und ein neues Servicekonzept implementiert werden.

Befinden sich weitere Absatzmärkte für e-beam auf Ihrem Radar?

Die kompakte e-beam Technologie von COMET hat langfristig grosses Potential. Derzeit laufen verschiedene Entwicklungsprojekte mit grossen Konzernen im Bereich Pharma.

Herr Fehlmann, wir danken Ihnen für dieses Interview.

Über die Person
Ronald Fehlmann ist seit 1. Januar 2011 CEO der COMET Gruppe. Der 50-jährige Schweizer hat als Ingenieur (Dipl. Ing.) der ETH Zürich sowie als Betriebsökonom (Lic. oec.) der Universität St. Gallen abgeschlossen. Zu den wichtigsten Stationen seines Werdegangs zählen Führungspositionen im Verkauf und im Business Development bei Sarnafil International AG in Sarnen, wo er auch ein Joint Venture in China aufgebaut hat und in der Folge Regionenverantwortlicher für Asien wurde. Bei der Hilti AG in Schaan war er u.a. als Senior Vice-President und Leiter einer Business Unit verantwortlich für die Entwicklung und den Markterfolg eines für die Firma neuen innovativen Produktportfolios. Vor seinem Wechsel zur COMET Gruppe war Fehlmann während fünf Jahren als CEO für die Wetrok AG in Kloten tätig, die er konsequent auf Kunden- und Marktbedürfnisse ausrichtete und mit innovativen Lösungen zu einem führenden Unternehmen in der Branche entwickelte.

Über das Unternehmen
Die COMET Gruppe ist ein weltweit führendes Unternehmen, das mit hochwertigen Komponenten, Systemen und Dienstleistungen die Produkte und Prozesse seiner Kunden in den Bereichen Röntgen-, e-beam- und RF-Technologie optimiert. 2011 verzeichnete die Gruppe einen Umsatz von 217 Mio. CHF sowie einen deutlichen Anstieg des Reingewinns auf 10 Mio. CHF.
Basierend auf den Kernkompetenzen Vakuumtechnologie, Hochfrequenz- und Hochspannungstechnik, Materialwissenschaften, Computertomografie, digitale Bildgebungsverfahren sowie den Kernprodukten Röntgenquellen und Vakuumkondensatoren liefert die COMET Gruppe ein vollständiges und flexibles Angebot an hochwertigen Produkten und Dienstleistungen aus einer Hand.
(Quelle: COMET Gruppe)

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