Rudolf Hanko, CEO Siegfried Holding

Rudolf Hanko

Rudolf Hanko, CEO Siegfried Holding

von Christa Spoerle

Moneycab: Herr Dr. Hanko, 2011 konnte Siegfried mit 9.6 Mio CHF wieder in die Gewinnzone zurückkehren und den Nettoumsatz in CHF um 4,4% auf 328 Mio steigern. Sind Sie mit diesem Ergebnis zufrieden?

Rudolf Hanko: Es ist ein erfreuliches Ergebnis, vor allem auch im anspruchsvollen Marktumfeld, in dem wir uns bewegen, und mit Blick auf die schwierige Währungssituation. Wir sind aber noch nicht am Ziel.

An ihre mittelfristigen Ziele mit einer EBITDA-Marge von 15-20% und einem Umsatz von 500 Mio CHF halten Sie fest. Wann darf man denn realistischerweise mit deren Verwirklichung rechnen?

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Deshalb wäre es falsch, sich heute auf einen Zeitpunkt festzulegen.

Wie gut können Sie denn mit der Frankenuntergrenze zum Euro leben?

Wir haben dank frühzeitig eingeleiteten Massnahmen einen hohen natural hedge. Dieser liegt beim Euro nahe 100%, beim für uns wichtigeren Dollar über 80%. Es ist aber klar, dass wir wie alle exportorientierten Unternehmen gerne einen höheren Wechselkurs sehen würden.

Ein Gang an den Kapitalmarkt ist kein Thema. Wir haben genügend Barmittel und zusätzlich eine Kreditlimite über 150 Millionen Franken.
Rudolf Hanko, CEO Siegfried Holding

Ihr Lieblingsobjekt in Asien ist Ihnen leider durch die Lappen gegangen. Sie zeigen sich jedoch zuversichtlich, bald eine neue Lösung zu präsentieren, wieviel Objekte der Begierde haben Sie denn im Auge?

Bei allen unseren strategischen Projekten haben wir immer mehrere Optionen. Das gilt auch für die Rückwärtsintegration nach Asien.

Welche Limite haben Sie sich denn für die Kosten der Akquisitionen gesetzt?  Unter welchen Bedingungen kommt ein eventueller Gang an den Kapitalmarkt in Frage?

Wir haben genügend Barmittel und zusätzlich eine Kreditlimite über150 Millionen Franken, welche von einem Schweizer Bankenkonsortium zur Verfügung gestellt wird. Damit können wir unsere laufenden strategischen Projekte finanzieren. Ein Gang an den Kapitalmarkt ist deshalb kein Thema.

Falls eine Akquisition zustande kommt, wie schnell können Sie ihre Produktion an den neuen  Standort verlagern? Oder haben noch andere vorrangige Ziele?

Eine Betriebsstätte in Asien wird dazu führen, dass wir Vorstufen günstiger herstellen oder jene, die wir heute extern zukaufen, selber produzieren können. Dazu bedarf es keiner Transfers, das geht recht schnell. Zusätzlich werden wir einzelne Herstellungsschritte aus den bestehenden Standorten verlagern. Hier rechnen wir etwa mit 18 Monaten.

Welche Bedeutung besitzen die Produktionsstandorte in der Schweiz?

Zofingen ist der Hub unseres Unternehmens. Hier verfügen wir über ein breites Technologie-Spektrum bis hin zu hochwirksamen Wirkstoffen oder Fertigarzneimitteln. Dieser Standort wird von einer verbesserten Konkurrenzfähigkeit zusätzlich profitieren.

Siegfried wird nach der Strategieumsetzung wesentlich gestärkt dastehen. Wir werden konkurrenzfähiger sein dank einer besseren Betriebsstruktur und wir werden über zusätzliche attraktive Technologien verfügen.

Die Erneuerung des Produkteportfolios bei den fertigformulierten Medikamenten laufe planmässig, hiess es. Um welche Produkte handelt es sich da?

Hier handelt es sich um Fertigarzneimittel, die wir in Malta herstellen und vor allem Generika-Unternehmen in Europa anbieten.

Hat der Global Supplier Award 2011 von Novartis auch eine wirtschaftliche Bedeutung für Ihr Unternehmen?

Dieser Award steht für unsere Kundenorientierung, unsere Flexibilität und unsere Servicestärke. Als Zulieferunternehmen für die Life-Science-Industrie leben wir von der Kundenzufriedenheit. In diesem Sinne ist dieser Award eine wichtige Bestätigung, welche unsere Reputation zusätzlich stärkt.

Die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Anlagen betrugen 2011 knapp 16 Mio CHF. Wie sieht die voraussichtliche Entwicklung in den kommenden Jahren aus?

Wir werden weiterhin sehr gezielt investieren und mit unseren Mitteln haushälterisch umgehen.

Sind Sie mit der Kursentwicklung der Siegfried-Aktien zufrieden?

Der steigende Kurs in den letzten Wochen zeigt, dass der Markt an den eingeschlagenen Kurs glaubt. Auch da wird im Gleichschritt mit der Strategieumsetzung noch mehr möglich sein.

Was dürfen denn die Investoren in den kommenden Jahren erwarten?

Siegfried wird nach der Strategieumsetzung wesentlich gestärkt dastehen. Wir werden konkurrenzfähiger sein dank einer besseren Betriebsstruktur und wir werden über zusätzliche attraktive Technologien verfügen. Vor allem werden wir unseren USP – Wirkstoffe und Fertigarzneimittel aus einer Hand – noch besser darstellen können. Das wird sich positiv auf den Unternehmenswert auswirken.

Zur Person:
Dr. Rudolf Hanko (1955) hat per 1. Mai 2009 die Verantwortung als CEO bei Siegfried übernommen. Er war in verschiedenen leitenden Funktionen in der chemisch-pharmazeutischen Industrie tätig, zuletzt als Leiter des Geschäftsgebiets Exklusiv-Synthese und Aminosäuren bei der deutschen Firma Evonik Industries AG. Vor seinem Engagement bei Evonik Industries AG war Rudolf Hanko in der Pharmadivision der Bayer AG Leiter der chemischen Forschung und anschliessend General Manager der Geschäftseinheit Feinchemikalien dieses Unternehmens.
Rudolf Hanko hat an der Universität Göttingen in Chemie promoviert und am Max-Planck-Institut post-doktorale Studien absolviert. Rudolf Hanko ist deutscher Staatsbürger und lebt in Zofingen.

Zum Unternehmen:
Die Siegfried-Gruppe ist ein weltweit im Bereich Life Science tätiges Unternehmen mit Standorten in der Schweiz, Deutschland, Malta und den USA. Siegfried beschäftigt rund 700 Mitarbeitende und erzielte 2011 einen Umsatz von 328  Millionen Franken. Die Siegfried Holding AG ist an der Schweizer Börse kotiert (SIX: SFZN).

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