Rudolf Obrecht, VRP F.G. Pfister Holding AG, im Interview

Rudolf Obrecht
Rudolf Obrecht, VRP F.G. Pfister Holding AG. (Foto: zvg)

von Sandra Willmeroth

Moneycab.com: Herr Obrecht, mit dem Verkauf von Möbel Pfister per 1. Januar 2020 haben Sie auch kritische Presse bekommen. Welches Fazit ziehen Sie nach fast eineinhalb Jahren?

Rudolf Obrecht: Wir haben 2019 – zusammen mit dem Stiftungsrat der F.G. Pfister Stiftung – vor dem Verkauf verschiedene Szenarien diskutiert und Risikoabwägungen vorgenommen. In diesen globalisierten Märkten stand man als nationaler Player einfach unter einem enormen Preis- und Margendruck. Zur Debatte stand auch in Zukunft zu schrumpfen und damit Mitarbeitende entlassen zu müssen, um selbstständig zu bleiben. In unseren Überlegungen wurde immer wieder die mögliche Handelsweise des Gründers von Pfister, Fritz Gottlieb Pfister, einbezogen. Hätte er sich zum Verkauf entschieden, damit er Arbeitsplätze sichern kann, oder hätte er die Selbständigkeit favorisiert und einen Arbeitsplatzabbau in Kauf genommen? So wie heute die Zahlen aussehen und sich die Firmen entwickelt haben, muss ich sagen: Es war genau der richtige Entscheid und so hätte auch Fritz Gottlieb Pfister gehandelt. Der Verkauf erfolgte im richtigen Moment. Für die international tätige XXXLutz-Gruppe war es eine einmalige Chance, den Brand Pfister zu übernehmen und so weiterzuführen. Und für uns war es der richtige Partner, der die Zukunft von Pfister als renommierte und glaubwürdige Marke mit all den Arbeitsplätzen sichern und ausbauen kann. Es konnten in der Zwischenzeit über 200 neue Stellen geschaffen werden und die Gruppe ist laufend am Rekrutieren von neuen Mitarbeitenden.

Welche Strategie verfolgt die F.G. Pfister Holding seither?

Die F.G. Pfister Holding AG gehört weiterhin zu 100 Prozent der F.G. Pfister Stiftung. Diese hat drei Grundzwecke: die Sicherung und die Selbständigkeit der Unternehmensgruppe, die Vorsorge und das Wohl aller Mitarbeitenden und Förderung von Innovation und Unternehmertum zum Nutzen der Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft. Durch die F.G. Pfister Beteiligungen AG ist die F.G. Pfister Holding AG als langfristig und nachhaltig orientierter Investor tätig. Mit unseren Investitionen streben wir eine Diversifikation über verschiedene Branchen und Segmente hinweg an. Ziel ist, über Beteiligungen die Schweiz als Wirtschafts- und Lebensraum sowie als Werkplatz nachhaltig zu stärken.

«Die Stiftung und die Holding fühlen sich der Schweiz verpflichtet.Das ist das oberste Credo unserer Philosophie».
Rudolf Obrecht, VRP F.G. Pfister Holding AG

Warum fokussiert die Holding auf Schweizer Unternehmen?

Die Stiftung und die Holding fühlen sich der Schweiz verpflichtet. Das ist das oberste Credo unserer Philosophie. Viele Generationen in der Schweiz haben bei Möbel Pfister eingekauft und es somit zu einem grossen Unternehmen gemacht. Wir wollen unser Stiftungsvermögen wieder in der Schweiz investieren und mit den Erträgen weitere Arbeitsplätze schaffen. Mit unseren langfristigen und nachhaltigen Beteiligungen in Schweizer KMU möchten wir etwas zurückgeben und für die Schweiz etwas Gutes tun. Wir haben eine grosse Verantwortung, das weiterzuentwickeln, was wir bekommen haben.

Eine erste Beteiligung der F.G. Pfister Beteiligungen AG war die an Zesar.ch AG, einem Hersteller von ergonomischen Möbeln, an dem Sie seit letztem Jahr 49% halten. Es bleibt also bei der Möbelbranche oder wie soll das Beteiligungsportfolio einmal aussehen?

Nein, dass die Zesar.ch AG aus der Möbelbranche stammt, ist reiner Zufall. Kriterien für Beteiligungen an Schweizer Unternehmen in unterschiedlichen Branchen sind unter anderem der Fokus auf Modelle der Kreislaufwirtschaft und der Erhaltung und Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Schweiz. Das Schweizer Unternehmen Zesar.ch AG mit rund 50 Mitarbeitenden am Firmenhauptsitz in Tavannes entwickelt, produziert und verkauft ergonomische Möbel für die Bildungsbranche und die Industrie. Die Firma weist seit zehn Jahren ein kontinuierliches Wachstum aus und hat sich in dieser Periode eine hervorragende Marktposition erarbeitet. Parallel zu dieser Entwicklung war der Geschäftsführer Roland Zaugg auf der Suche nach einer gut vorbereiteten Nachfolgelösung.

Welche Unternehmen haben Sie im Fokus?

Wir wollen jene Unternehmer ansprechen, die für ihr Lebenswerk eine Lösung über Generationen suchen. Laut einer kürzlich publizierten Studie, haben über 10 Prozent der Schweizer KMU mit zehn bis 100 Mitarbeitenden Nachfolgeprobleme – das bedeutet rund 70 000 betroffene Firmen. Das Thema Nachfolgeregelungen ist für Schweizer KMU-Verantwortlichen eine der grössten Herausforderungen. Mit unserer einzigartigen Stiftungsstruktur und unserem Stiftungsziel sind wir für KMU-Verantwortliche ein attraktiver Partner. Wir haben keinen Anlagedruck und denken in Generationen. Entsprechend geht es bei uns um das Behalten und die Weiterentwicklung des Unternehmens. Grundsätzlich sind wir jedoch weder an Sanierungs- noch Restrukturierungsfällen interessiert. Was für uns stimmen muss, ist die Unternehmensführung. Es braucht eine gewisse soziale Ethik und die Idee zum Wohle des Mitarbeitenden zu handeln, muss im Zentrum stehen.

«Wir wollen jene Unternehmer ansprechen, die für ihr Lebenswerk eine Lösung über Generationen suchen.»

Inwieweit nehmen Sie operativ Einfluss auf die Unternehmen an denen Sie sich beteiligen?

Wenn Investments getätigt werden, wollen wir gleichzeitig aktiven Einfluss auf die Unternehmensleitung und -gestaltung ausüben und beanspruchen Mitwirkung im Verwaltungsrat. Wir wollen uns bei Unternehmen einbringen, die unsere Philosophie teilen. Die erfolgreiche Firmenentwicklung, die Verankerung und Produktion vor Ort sowie der unternehmerische Mut, ambitionierte Ziele zu verfolgen, sind wichtige Faktoren für unsere Beteiligung. Nachhaltigkeit und Ethik sind in diesem Prozess immer unsere Leitplanken. Wir investieren, kaufen, entwickeln und behalten. Bei der F.G. Pfister Holding und bei unseren Beteiligungen denken wir in langen Zeitzyklen. Den nötigen Rückhalt dafür haben wir aus der Stiftungsgeschichte.

Gibt es Rahmenbedingungen bei den Anlagestrategien und Beteiligungen?

Wir investieren nach den ESG-Kriterien, also für Environment, Social und Governance. Nebst den ökonomischen Kriterien wie Rendite, Volatilität, Liquidität und Nachhaltigkeit spielen bei den Anlagestrategien der F.G. Pfister Holding AG auch Ökologie, Soziales, Ethik und Unternehmensführung eine wichtige Rolle. Ausgeschlossen werden Finanzanlagen und Beteiligungen, deren Produkte und Dienstleistungen nicht mit den Werten der Stiftung, wie sie im Zweck verankert sind, kompatibel sind.

Welche unternehmerischen Tätigkeiten gibt es aktuell innerhalb der F.G. Pfister Immobilien AG, der früheren Arco Immobilien Management AG?

Die Kernkompetenzen der F.G. Pfister Immobilien AG liegen in der Bewirtschaftung von Wohn- und Gewerbeliegenschaften sowie Stockwerkeigentum und im Gebäudemanagement – von Kleinimmobilien bis zu komplexen Einkaufszentren. Die Gesellschaft besitzt zudem eigene Liegenschaften und entwickelt das Portfolio weiter.

Im Zuge der Reorganisation wurde 2020 auch die Non-Profit-Aktiengesellschaft „Initiative Schweiz“ gegründet. Welche strategische Ausrichtung hat diese?

Als private Förderagentur unterstützen wir innovative Ideen und Projekte in allen Landesteilen und Sprachregionen der Schweiz. Damit setzen wir uns gezielt für die Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand in unserem Land ein. Die Initiative Schweiz wird durch die F.G. Pfister Holding AG finanziert. Geleitet wird die Initiative Schweiz von Stefan Linder, Mitgründer, langjähriger CEO und Delegierter des Swiss Economic Forum.

«Damit setzen wir uns gezielt für die Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand in unserem Land ein.».

Welche Projekte werden hier realisiert?

Wir unterstützen pro Jahr zwei bis drei innovative Projekte. Unser Fokus liegt auf zukunftsweisenden Ideen, innovativen neuen Technologien und einer konsistenten guten Umsetzung in die Realität. Wir machen dies nicht alleine, sondern suchen uns für jedes Projekt die richtigen Partner und Institutionen.

Im Rahmen der Initiative Schweiz wird auch ein Award vergeben. An wen geht dieser?

Preisträgerinnen und Preisträger des jährlich vergebenen Prix Suisse sind Persönlichkeiten, die in den vergangenen Jahren herausragende Leistungen für die Schweiz erbracht haben. In diesem Sinn sind sie Vorbilder für die heutigen und die künftigen Generationen und ihr Wirken trägt wesentlich zum Erfolg und positiven Image der Schweiz bei. Im November werden wir erstmals diesen Preis verleihen. Es werden drei Projekte präsentiert, die stellvertretend für das grosse Potenzial an Ideenvielfalt und Unternehmergeist in der Schweiz sind. Ausgezeichnet wird eine Schweizer Persönlichkeit, die mit Mut und Innovationskraft Grossartiges für unser Land leistet.

Herr Obrecht, besten Dank für das Interview.

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