Sabrina Badir, CEO Pregnolia AG, im Interview

Sabrina Badir

Sabrina Badir, CEO Pregnolia AG. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Frau Badir, Sie haben ein Gerät entwickelt, mit dem Gynäkologinnen und Gynäkologen bei schwangeren Frauen frühzeitig und zuverlässig das Risiko einer Frühgeburt bestimmen können. Wie kam es dazu?

Sabrina Badir: Ich habe meine Dissertation am Institut für mechanische Systeme (ETHZ) gemacht. Die Gruppe arbeitet seit 15 Jahren an Methoden, die die mechanischen Eigenschaften von Weichgeweben in-vivo bestimmen lassen. Während meiner Diss haben wir ein Gerät gebaut, welches die Steifigkeit des Gebärmutterhalses bestimmen lässt. Im Vergleich zu allen anderen Geräten liessen sich damit einfacher und mehr Daten erheben, überdies war es für den Gynäkologen alleine anwendbar.

Wie ging es weiter?

In Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Zürich haben wir die Beschaffenheit des Gebärmutterhalses von nicht-schwangeren und schwangeren Frauen ermittelt. So konnten wir erstmals überhaupt mit einem biomechanischen und quantitativen Messverfahren nachweisen, wie sich der Gebärmutterhals im Verlauf der Schwangerschaft allmählich erweicht und sich kurz nach der Geburt des Kindes wieder verfestigt. Diese Studie ergänzt eine parallele Studie einer spanisch-kolumbianischen Forschergruppe, bei der gezeigt wurde, dass Frauen mit einem weichen Gebärmutterhals ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt aufweisen. Deren Methode fand jedoch keinen Anklang bei den Gynäkologen, denn sie ist klinisch kaum anwendbar.

Ganz anders ist es beim ETH-Sensor. Wir möchten in der laufenden klinischen Studie zeigen, dass wir das Risiko einer Frühgeburt doppelt so zuverlässig wie heute voraussagen können. Das bedeutet, dass bei 80 von 100 Schwangeren mit einem Frühgeburtsrisiko die Prognose stimmen soll.

Wie funktioniert die Risikoabschätzung einer möglichen Schwangerschaft heute?

Die Risikoabschätzung bei Schwangeren ist bis heute nicht befriedigend gelöst. Die Schwäche des Gebärmutterhalses (vorzeitige Reifung) ist von zentraler Bedeutung. Die geläufigste diagnostische Methode ist die Suche nach einer Verkürzung des Gebärmutterhalses durch Ultraschall. Die Bestimmung der Gebärmutterhalslänge ist aber zu wenig sensitiv für gute Diagnosen.

«Unser Verfahren ist absolut schmerzlos und vergleichbar mit dem Ertasten des Gebärmutterhalses.»
Sabrina Badir, CEO Pregnolia AG

Das von Ihnen entwickelte Gerät erzielt eine viel höhere Aussagekraft für die Früherkennung. Würden Sie uns die Funktionsweise erklären?

Eine Pumpe erzeugt ein leichtes Vakuum, an der Spitze einer Sonde wird das Gewebe um wenige Millimeter angesaugt, und dabei wird der Unterdruck gemessen. Je weicher das Gewebe, desto weniger Vakuum braucht es. Unser Verfahren ist absolut schmerzlos und vergleichbar mit dem Ertasten des Gebärmutterhalses.

Seit 2015 und noch bis nächstes Jahr läuft am Universitätsspital Zürich und anderen Spitälern eine klinische Studie mit Geräteprototypen. Wie viele Frauen sind daran beteiligt und welche Rückschlüsse lassen bereits verfügbare Daten zu?

Im wissenschaftlichen Versuch mit tausend schwangeren Frauen müssen Methode und Gerät nun den klinischen Test bestehen. Die Tests finden unter anderem am Unispital Zürich (Klinik für Geburtshilfe), in ein paar privaten gynäkologischen Praxen in Volketswil und Zürich und im Kantonsspital Baden statt. Wir können diese Studien nur dank schwangeren Frauen durchführen, die freiwillig mitmachen, sowie engagierten und forschungsinteressierten Gynäkologen. Wir konnten bereits 200 Probandinnen einschliessen. Die Daten bestätigen unsere Erwartung bezüglich der Reproduzierbarkeit, mehr können wir noch nicht sagen.

«Wir überführen diesen Prototyp, der zur Forschung dient, in ein kommerzialisierbares Gerät.»

Parallel dazu bereiten Sie die Entwicklung eines Serienprodukts vor. Was steht dabei im Zentrum und in welchen Bereichen werden Anpassungen notwendig sein?

Unser Gerät ist ein Prototyp. Wir überführen diesen Prototyp, der zur Forschung dient, in ein kommerzialisierbares Gerät. Dazu muss das Gerät nach Medical Device Guidelines und Normen entwickelt werden und eine Nullserie bestehen, bevor wir das Gerät für die CE Markierung registrieren können.

Wie hoch könnten für Praxen und Spitäler die Anschaffungskosten sein?

Unser Ziel ist ein Kostenrahmen von gut 1000 Franken.

Wenn alles läuft wie geplant – wann bringen Sie Ihr Produkt auf den Markt?

Das Ziel ist, das Gerät im 2018 auf den Markt zu bringen.

«Es gibt Interessierte, aber erst wenn wir den Vertrag unterschrieben haben sind wir sicher, dass es geklappt hat.»

Anfang Jahr haben Sie die Pregnolia AG gegründet. Wo liegen aktuell die grössten Herausforderungen für das junge Unternehmen?

Die Herausforderungen sind zahlreich, aber im Mittelpunkt stehen der Aufbau des Team, die Investorensuche und das Finden von externen Partnern.

Sie haben bedeutende Forschungspreise gewonnen, das Marktpotenzial ist riesig – rennen Ihnen die Investoren die Türe ein?

Es gibt Interessierte, aber erst wenn wir den Vertrag unterschrieben haben sind wir sicher, dass es geklappt hat.

Produktentwicklung, Studienplanung, Finanzierung, Kommerzialisierung, Businesspläne etc. – wie bringen Sie dies alles unter einen Hut?

Gute Frage (lacht). Nein, das A und O ist ein super Umfeld, in dem alle an einem Strick ziehen.

Frau Badir, wir bedanken uns für das Interview.

Zur Person:
Sabrina Badir (30) is a Human Movement Scientists and holds a PhD in Biomechanics. During her PhD, she developed and validated the first prototypes at ETH Zurich and University Hospital Zurich. After graduation, Sabrina has executed on her vision to transfer this novel research into clinical routine where it is needed.

Sabrina Badir – Breaking the Wall of Pre-Term Birth – Falling Walls Young Innovator of the Year 2015 from Falling Walls on Vimeo.

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