Stefan Schärer, CEO, Founder & VR Houzy, im Interview

Stefan Schärer
Stefan Schärer, CEO, Founder & VR Houzy. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Schärer, darf ich Sie fragen, wie Sie wohnen?

Stefan Schärer: Ich wohne mit meiner Frau in einer Eigentumswohnung in Luzern.

Haben Sie selber schon von Houzy-Empfehlungen für Wohneigentümer profitiert?

Ja. Zum einen habe ich von Blog-Beiträgen profitiert und wurde pro-aktiv auf eine fällige Wartung hingewiesen. Zum anderen konnte ich einen qualifizierten Handwerker aus der Region für eine Reparatur aufbieten.

Was kann mir der digitale Eigenheimmanager von Houzy hauptsächlich bieten?

Grundsätzlich möchte Houzy das Leben jedes Wohneigentümers vereinfachen. Als Mieter ruft man die Verwaltung oder den Hauswart an. Als Wohneigentümer ist man selber für alle Fragen rund ums Haus oder die Wohnung verantwortlich. Bei diesen Fragen bietet Houzy eine Unterstützung.

Houzy verknüpft Daten intelligent und leitet daraus Empfehlungen ab. Auf welche Daten können Sie zugreifen?

Im Immobilienbereich gibt es viele Open-Data-Quellen, die jedem zugänglich sind. Diese Daten ergänzen die User mit ihren Daten. Diese fliessen in unsere intelligenten Tools ein, damit wir dem User proaktiv und reaktiv individuelle Empfehlungen geben können.

„Unsere Produktentwicklung war im Jahr 2020 ausserordentlich effizient.“
Stefan Schärer, CEO, Founder & VR Houzy

Sie haben Houzy mit Ihren Partnern vor drei Jahren gegründet und schnell weiterentwickelt. Welche Services konnten der Plattform 2020 zugefügt werden?

Unsere Produktentwicklung war im Jahr 2020 ausserordentlich effizient. So konnten wir fast jeden Monat einen neuen Service online schalten. Gestartet sind wir mit dem Ausbau der Plattform für Stockwerkeigentümer, dann haben wir den Heizungsrechner und den Pflanzen-Manager lanciert. Danach kam die Wertentwicklung, die Sanierungsplanung, das Community-Forum und der Solarrechner. Parallel dazu haben wir unsere Tools weiterentwickelt und die komplette Plattform auf Französisch und Italienisch übersetzt. Damit ist Houzy für die ganze Schweiz verfügbar.

Wie viele Wohneigentümer haben sich bis heute auf Houzy registriert und von welchen Tools machen Sie am häufigsten Gebrauch?

Ende 2020 haben wir 30’000 registrierte User. Welche Tools wie oft genutzt werden, möchten wir aus Konkurrenzgründen nicht transparent machen. Denn es ist für uns ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, dass wir mit den bestehenden 30’000 Usern schnell lernen und uns stetig weiterentwickeln können.

Für die Nutzer ist Houzy kostenlos. Wie generieren Sie Ihre Einnahmen?

Wir verdienen Geld mit den aktuell 600 B2B-Partnern aus mehr als 12 Branchen, denen wir regional und branchenspezifisch einen digitalen Zugang zur interessanten Wohneigentümer-Zielgruppe mit grossem Wertschöpfungs-Potenzial bieten.

Wie wollen Sie Houzy weiterentwickeln?

Wir werden Houzy sehr nahe mit unserer stark wachsenden Community weiterentwickeln; das heisst, wir orientieren uns stets am Nutzen für den User. Je grösser dieser Nutzen, desto öfters ist ein User, eine Userin auf der Plattform – und umso grösser ist der Mehrwert für unsere zahlenden B2B-Partner.

„Wir werden nie Daten weitergeben und sie nur genauso verwenden, wie wir es dem Houzy User versprechen.

Viel ist von intelligenten Zuhause oder dem Smart Home die Rede. Werden Sie dereinst direkt Daten von Eigenheimen geliefert bekommen und daraus Ihre Empfehlungen abgeben können?

Das ist sicher eine Vision, wenn es der Wohneigentümer wünscht und er die Datenschnittstellen zu den Smart-Home-Applikationen zur Verfügung stellt. Grundsätzlich entscheidet immer der User, welche Daten er uns gibt. Dies wird er oder sie nur tun, wenn der Output aus den Daten einen klaren Mehrwert bietet – sprich das Leben als Wohneigentümer vereinfacht – und wir die Datenschutzrichtlinien strikte einhalten. Dies bedeutet, dass wir nie Daten weitergeben werden und sie nur genauso verwenden, wie wir es dem Houzy User versprechen.

Wie fliessen generell Wohntrends in Ihre Services ein?

Im Bereich Wohntrends haben wir bisher noch nicht allzu viel gemacht. Den ganzen Bereich Content werden wir aber im 2021 weiter ausbauen und uns dabei an den Bedürfnissen der User ausrichten.

Im September hat Houzy in die Romandie expandiert, nun werden alle Informationen auch auf Italienisch angeboten. Jetzt nehmen Sie das Ausland ins Visier. Welcher Märkte sind dabei von besonderem Interesse?

Im Moment gibt es erste Anfragen von strategischen Partnern und Finanz-Investoren aus dem deutsch- und französischsprachigen EU-Raum. Wir werden eine Expansion im 1. Quartal genauer prüfen und dann je nach Opportunität konkreter planen.

Das Potenzial ist unbestritten, aber wie präsentiert sich die Konkurrenzsituation in diesem Markt?

Mit einer umfassenden digitalen Service-Plattform für Wohneigentümer sind wir die ersten und bisher Einzigen in der Schweiz. Gewisse Banken und Versicherungen haben inzwischen dieses Geschäftsfeld entdeckt und für 2021 eigene, ähnliche Plattformen angekündigt. Von daher wird die Konkurrenz ab Mitte 2021 sicher zunehmen. Wir sind aber überzeugt, dass wir uns dank unserer Unabhängigkeit, unserer Neutralität und insbesondere unserem Startup Speed auch gegen grosse und finanzkräftige Mitbewerber behaupten können. Unsere schnellen Learning Cycles mit unserer stark wachsenden Community sind ein grosser Vorteil.

Mitte 2020 hat die UBS für ihre Immobilien-Plattform key4 eine Minderheitsbeteiligung an Houzy erworben. Welche Schnittstellen bestehen?

Wir werden die key4 Plattform der UBS in die Houzy-User-Journey-Prozesse integrieren und können so unseren Usern die bestmöglichen Hypothekar-Konditionen für die Erst- und für die Refinanzierung anbieten.

Seit September gehört auch Baloise zu den Investoren. Wie wertvoll ist es für Houzy, Teil der Ökosysteme von Banken und Versicherern zu sein?

Diese beiden starken Partner zur Seite zu haben ist extrem wertvoll. Houzy gewinnt zusätzliche Reputation und wir profitieren mittelfristig auch von deren Kundenreichweite. Zusammen wollen wir Houzy als führende Plattform für Wohneigentümer in der Schweiz weiter entwickeln. Dabei gilt es aber zu beachten, dass wir unsere Unabhängigkeit bewahren, denn dies wird unser Alleinstellungsmerkmal sein gegenüber den zukünftigen Konkurrenz-Plattformen von grossen Finanzdienstleistern.

„Wie im Mannschafts-Spitzensport gilt auch für ein digitales Startup: «the team is the product – and the best product will win!».“

Letzte Frage: Sie haben als Spitzensportler über 200 Länderspiele für die Schweizer Handball-Nationalmannschaft bestritten und sind neunfacher Schweizer Meister. Helfen Ihnen die gemachten Erfahrungen aus dieser Zeit in Ihrer heutigen Arbeit?

Ja, sehr, da es viele Parallelen und Analogien gibt. Zum Beispiel brauche ich auf jeder Position den besten Mitspieler, welche im richtigen Moment den Ball zur richtigen Person weiterspielt. Und es braucht den richtigen Mindset mit Lern- und Leistungsbereitschaft, Disziplin, Kritikfähigkeit und Team-Spirit. Wie im Mannschafts-Spitzensport gilt auch für ein digitales Startup: «the team is the product – and the best product will win!».

Herr Schärer, besten Dank für das Interview

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