Sven Beichler, CEO mySwissChocolate AG

Sven Beichler

Sven Beichler, CEO mySwissChocolate AG. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab: Herr Beichler, 2010 haben Sie zusammen mit Christian Philippi mySwissChocolate.ch lanciert. Wie kamen Sie auf die Idee, Schokolade mit Foto und Grussbotschaft zu versehen und als Briefpost in die ganze Welt zu versenden?

Sven Beichler: Seit 2010 bieten wir über myswisschocolate.ch individualisierte Schweizer Schokoladentafeln an, welche online bestellt werden können. Seit Herbst 2013 haben wir nun mit chocogreets.com einen echten Verkaufshit. Was ursprünglich als alternativer Marketingkanal gedacht war, hat sich schnell als ein echtes Bedürfnis für unsere Kunden herausgestellt. In zwei Minuten kann man jederzeit von jedem Ort auf der Welt für immer gleichbleibend 5.50 Franken inklusive Versandkosten per gratis Smartphone App eine kleine Aufmerksamkeit (Foto+Schoggi+Grusstext) in derzeit 45 Länder versenden.

Können Sie uns kurz den Ablauf schildern? Was passiert wo, wenn ich über mySwissChocolate.ch oder die erfolgreiche App chocogreets meine Wunschschokolade ausgewählt, Foto und Text platziert und meine süssen Grüsse bezahlt habe?

Wenn der Kunde per App seinen persönlichen Fotogruss aus Schokolade versandt hat, wird über die „Cloud“ die Bestellung innert 30 Sekunden einer freien (mobilen) Arbeitsstation in unserer Manufaktur in Pfäffikon/Zürich zugewiesen und innert zwei Minuten produziert, verarbeitet und versandbereit gemacht. Dabei wird die Schweizer Schokolade (50g) handgegossen, das Bild in essbarer Farbe mit einem Zuckerpapier auf die Schokolade gedruckt und der Grusstext auf eine Banderole um die Schokolade gewickelt. Der gesamte Gruss ist unter 2 cm Höhe und 100 g Gewicht und wird als Briefpost versendet.

«chocogreets war ursprünglich als alternativer Marketingkanal gedacht, hat sich aber schnell als ein echtes Bedürfnis für unsere Kunden herausgestellt.»
Sven Beichler, CEO mySwissChocolate AG

Wie lange dauert es von der Bestellung bis zum Versand?

Es geht in der Regel sehr schnell. Je nach dem, wann die Bestellung eingeht und nach Auslastung wird der Gruss sogar noch gleichentags von der Post abgeholt und als Briefpost (A-Post, Priority) sofort versendet. In der Schweiz und Deutschland rechnen wir jeweils mit ca. 2 Arbeitstagen, alle anderen Länder mit 3-5 Arbeitstagen.

Wie viele Schokoladen-Grüsse haben Sie bis heute versandt – und in wie viele Länder?

Wir haben in 7 Monaten gegen 100‘000 Grüsse in 46 Länder versendet.

Von wo kommen denn die meisten Bestellungen rein?

Interessant ist die Unterscheidung woher die Downloads und die Bestellungen kommen. Am meisten Downloads kommen aus Deutschland, Schweiz, Italien, England, Frankreich und Spanien. Die meisten Bestellungen kommen ebenfalls aus Deutschland, Schweiz, England und dann aber auch aus Ländern wie Amerika, Australien, Japan und Russland, weil die Kunden das Produkt chocogreets in ihrem Smartphone in der Hosentasche überall hin mitnehmen und von dort dann Grüsse versenden können. Das macht es ja auch so spannend für den Kunden.

Wie herausfordernd ist die gesamte Logistik? Wie wird der Produktions- und Vertriebsprozess gesteuert?

Enorm herausfordernd. Eigentlich könnte man sagen, dass wir primär ein IT-Unternehmen sind. Die Initialkosten für die Produktions-, Vertriebs-, und insbesondere für die IT-Systeme waren sehr hoch. Davon profitieren wir nun. Nahezu sämtliche Prozesse vor und nach der manuellen Arbeit – nota bene das Giessen und Verarbeiten des chocogreets – sind IT-unterstützt und hochgradig automatisiert. Der gesamte Prozess basiert auf Cloud-Lösungen und mobilen Arbeitsstationen.

«Eigentlich könnte man sagen, dass wir primär ein IT-Unternehmen sind.»

Mit der App Chocogreets sind Sie nun auch für den Swiss Economic Award nominiert ist. Wie viele Downloads und Bestellungen verzeichnen Sie bis heute?

Bis dato verzeichnet chocogreets 570‘000 Downloads mit ca. 100‘000 Grüssen.

Welchen Umsatzanteil haben die mobilen Bestellungen mittlerweile?

Chocogreets steuerte nach nur vier Monaten in 2013 bereits über 20% zum Gesamtumsatz bei. Der im April 2014 nun neu gestartete B2B-Bereich mit firmen.chocogreets.com hat allerdings ein nochmals wesentlich grösseres Potential als die Smartphone App für die Privatkunden.

Die Zahl der Schokoladen-Variationen ist fast grenzenlos. Wie entsteht zum Beispiel eine doch recht eigenwillige Kreation wie «Sayonara» – mit weisser Schokolade, Matcha Grüntee, karamellisertem Puffreis und Jasmin-Sand?

Die Vielfalt ist wirklich sehr gross. Viele Eigenkreationen, welche immer frisch zum Auftrag gegossen werden, entstehen aus Kundenfeedback oder im Team.

Sie arbeiten sehr stark mit Social Media. Wäre der Erfolg des Unternehmens ohne eine Plattform wie Facebook überhaupt möglich?

In den ersten Jahren hat uns die Plattform Facebook mit einer sehr treuen Fangemeinschaft tatsächlich sehr geholfen. Mit Einführung der Timeline ist es für uns seit 2013, auch mit einer steigenden Fananzahl von über 80‘000, immer schwieriger, authentisch an unser Fangemeinde heranzukommen.

Wie viel Zeit wendet das Unternehmen für Social Media auf?

Jeden Tag – 365 Tage im Jahr – ca. 4 Stunden.

Hat man eine gute Idee, wird man schnell kopiert. Wie schützen Sie sich vor Ideenklau?

Durch immer weitere Innovation, einem IT- und Logistik-Konzept, welches einem weltweiten Preis von 5.50 mit Marge zulässt, und Schnelligkeit. Wir sind sehr gut gestartet und ebenso schnell unterwegs. Es wird nicht einfach sein uns einzuholen. Auch nicht mit viel Marketinggeld. Ausserdem ist es immer auch eine Bestätigung, wenn man kopiert wird.

«Jede Firma kann kostenfrei unsere gesamte Logistik und IT nutzen, um selbständig chocogreets versenden zu können.»

Welche Neuigkeiten planen Sie als nächstes, wo legen Sie in den nächsten Monaten die Schwerpunkte?

Wir haben drei Schwerpunkte gesetzt: Wir arbeiten intensiv an einer erheblichen Erweiterung der App. Der erste Schritt war die Einführung eines „grossen“ Grusses mit einer 120g Schokolade. Zudem soll es eine Windows Version geben.

Entscheidend ist aber das neue Business Portal unter firmen.chocogreets.com, welches ein neues Verkaufsinstrument für Firmen ist. Jede Firma kann kostenfrei unsere gesamte Logistik und IT nutzen, um selbständig chocogreets versenden zu können. Auf Monatsrechnung und mit eigenen Vorlagen, u.v.m. Obwohl das Tool bis vor kurzem noch nicht live war, hatten wir bereits 52 Firmen auf der Warteliste. Jede Firma hat einen eigenen „use case“; ob als Dank für einen Auftrag im Aussendienst, als Entschuldigung im Service, als Einladung für einen Event oder im Direct Marketing.

Und schliesslich wird auch der Sprung in die USA nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Herr Beichler, besten Dank für das Interview.

Zur Person:

  • Co-Founder und Geschäftsführer der mySwissChocolate AG.
  • Ausbildung an der Universität St. Gallen HSG in Wirtschaftwissenschaften.
  • Beruflich viele Jahre als Berater bei Accenture tätig und anschliessen Gründer von verschiedenen weiteren Startups, teils mit Exit.

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