Sven Bradke, Mediensprecher Aldi Suisse

Sven Bradke

Sven Bradke, Mediensprecher Aldi Suisse SA.

Von Radovan Milanovic

Moneycab: Als privates Unternehmen untersteht die Aldi Suisse SA nicht der öffentlichen Rechnungslegung. Könnten Sie unseren Lesern trotzdem einige finanzielle Grundinformationen geben? So gehen Analysten von einem Umsatz von 1,3 Mrd. CHF aus.

Sven Bradke: Sorry, wir bleiben in betrieblichen Angelegenheiten wie bisher zurückhaltend. Hierfür bitten wir um Verständnis. Mit gewissem Stolz teilen wir Ihnen aber gerne mit, dass die Aldi Suisse SA über mehr als eine Milliarde Aktienkapital verfügt, 2000 Personen beschäftigt und mittlerweile 132 Filialen in 23 Kantonen hat.

Was ist der Grund, der Unterteilung der Aldi Suisse SA in drei Regionen mit den Zweigniederlassungen in Embrach, Dagmersellen und Domdidier?

In Embrach am Embraport mieteten wir uns im Jahre 2005 langfristig ein, um unsere ersten Filialen zu beliefern. Je mehr wir mit den Filialen Richtung Westen rückten, umso wichtiger wurde ein Verteilzentrum im Mittelland. Deshalb bezogen wir in Dagmersellen ein Mietobjekt. Letztlich bauten wir in Domdidier ein eigenes Verteilzentrum, das vor allem für die Westschweiz zuständig ist. Das Verteilzentrum in Embrach-Embraport werden wir im Jahre 2012 zugunsten unseres Neubaus in Jonschwil/Uzwil (SG) verlassen, wohin auch der Hauptsitz verlegt wird.

Wie eigenständig ist Aldi Suisse SA in der Firmengruppe Aldi Süd?

Wir sind eine eigene Gesellschaft, mit eigenem Aktienkapital, eigenem Namen und einem eigenen Produktsortiment. Andererseits arbeiten wir mit der ALDI Süd-Gruppe in verschiedenen Bereichen eng zusammen. So beispielsweise im Bereich der IT und insbesondere im Einkauf von internationalen Produkten.

„Wir haben in fünf Jahren ein Filialnetz mit mittlerweile 132 Filialen in 23 Kantonen aufgebaut und Wir sind bestrebt, in ähnlichem Tempo weiter zu wachsen und zu einem echten regionalen Nahversorger zu werden.“ Sven Bradke

Die Aldi Suisse SA konnte soeben ihr 5-jähriges Jubiläum feiern. Konnten Sie Ihre Ziele trotz der Konkurrenz von Lidl erreichen?

Selbstverständlich, wir haben in fünf Jahren ein Filialnetz mit mittlerweile 132 Filialen in 23 Kantonen aufgebaut. Täglich kommen neue Kunden hinzu, die zu Stammkunden werden. Das ehrt und freut uns. Wir sind bestrebt, in ähnlichem Tempo weiter zu wachsen und zu einem echten regionalen Nahversorger zu werden. Als nächstes Zwischenziel peilen wir die Zahl von 200 Filialen an.

Bereits zu Beginn Ihrer Geschäftsaufnahme in der Schweiz wurde die Frage aufgeworfen, ob Sie nicht den Fuss in einen gesättigten Markt setzen. In der Zwischenzeit ist Aldi im schweizerischen Lebensmittel Detailhandel die Nummer 5. Wie setzen sich die aktuellen Marktanteile im Food Bereich zusammen? Wie sehen Sie die künftige Verteilung des Kuchens?

Wir hatten uns vorgenommen, den Schweizer Konsumenten über den qualitativen Lebensmittel-Discount ein neues Geschäftsmodell anzubieten. Mit unserer Philosophie „top Qualität zu dauerhaft günstigen Preisen“ versuchen wir diesem Ziel täglich gerecht zu werden. Ohne auf Zahlen einzugehen, dürfen wir nach fünf Jahren mit Genugtuung sagen, dass wir auf Kurs sind.

Welches sind Ihre Präferenzen und Zielsetzungen beim Ausbau Ihres Filialnetzes?

Wir möchten die Filialzahl weiter erhöhen und in allen Kantonen mit möglichst vielen Verkaufsstandorten vertreten sein. Bisher erreichen 85% der Schweizerinnen und Schweizer in 10 Minuten eine Aldi Suisse SA -Filiale. Diesen Wert wollen wir noch weiter steigern.

Ursprünglich planten Sie mit einem Anfangs-Investitionsvolumen von 70 Mio. Euro 60 Filialen in der Schweiz zu eröffnen. In der Zwischenzeit besitzen Sie „mehr als 130“ Filialen und suchen weitere Standorte. Wäre ein Sortiment für eine höher preisige Exklusivmarke nicht eine Alternative, um ein neues Kundensegment zu gewinnen?

Wir sind in erste Linie ein Lebensmittler-Anbieter mit hoher Qualität zu dauerhaft günstigen Preisen. Und dies soll auch so bleiben. Dass bei uns auch exklusivere Produkte wie Lachs und Champagner verkauft werden, war für uns immer eine Selbstverständlichkeit. Solche Produkte führten wir vom ersten Tag an. Auch diese unterstehen übrigens unserem Leitsatz „top Qualität zu dauerhaft günstigen Preisen“.

Ihre grossen Konkurrenten, also Migros und Coop, legen grössten Wert auf erstklassige Lagen mit grossem Publikumsverkehr, während die Aldi Suisse SA ihr Verkaufsnetz vornehmlich in Industriegebieten aufbaut. Ist dies nicht eher ein Nachteil?

Schauen Sie, für unsere Präsenz am Markt war es wichtig, schnell an verkehrsmässig geeigneten Orten vertreten zu sein. Mit der Verdichtung unseres Filialnetzes kommen nun auch andere Standorte in Frage. In letzter Konsequenz muss aber jeder Standort separat analysiert werden und vor allem auch bezahlbar sein.

„Wir beobachten die Online-Entwicklung mit grossem Interesse…Lebensmittel werden wir aber über kurz oder lang wohl noch nicht über das Internet verkaufen.“

Sowohl Coop mit [email protected] und Migros mit LeShop feiern stolze Zuwachsraten in Umsatz und Erfolg. Ist ein Aldi Online Shop für Sie ein Thema?

Wir beobachten die Online-Entwicklung mit grossem Interesse. Zumal wir mit Reisebuchungen bei der Aldi Suisse SA Tours ebenfalls sehr erfolgreich über das Web tätig sind. Lebensmittel werden wir aber über kurz oder lang wohl noch nicht über das Internet verkaufen.

Ein Vergleich der Preise zwischen Aldi Süd in Deutschland und der Schweiz betrug zu Beginn Ihrer Tätigkeiten in der Schweiz in 2005 rund 36%. Auch heute dürften die Preise immer noch ca 30% über den deutschen Preisen liegen. Wie begründen Sie diese Tatsache auch unter den Gesichtspunkten, dass die deutsche Mehrwertsteuer 19%, verglichen mit 8% in der Schweiz liegt und dem Euro in der Zwischenzeit einen Rückgang von ca 18% verzeichnete?

Sie stellen eine Frage, der wir immer wieder begegnen. Für diese Preisdifferenzen sind verschiedene Gründe ausschlaggebend. Einerseits ist die Aldi Suisse SA eine Schweizer Firma mit Schweizer Angestellten und Schweizer Filialen. Wir sind also für unsere eigentliche Wertschöpfung, den Einkauf und den Verkauf, vollends den Schweizer Kosten ausgesetzt. Und diese sind im Hochpreisland Schweiz bekanntlich wesentlich höher als beispielsweise in Deutschland. Zudem führen wir zahlreiche Schweizer Produkte, die in der Schweiz hergestellt und verkauft werden. Auch hier spielt die Hochpreisinsel Schweiz die entscheidende Rolle bei der Preisgestaltung. Letztlich unterstehen unsere Importe aus dem EU-Raum auch speziellen staatlichen Schutz-Regelungen und Verzollungen, die für höhere Warenpreise sorgen. Infolgedessen ist es einfach nicht möglich, deutsche oder österreichische Preise in der Schweiz anzubieten.

„Allein im vergangenen Jahr senkten wir 600 Preise. Und dies bei einem Sortiment mit rund 1’000 Produkten des täglichen Bedarfs. Auch in diesem Jahr gehen die Preissenkungen weiter.“

Im Kampf um Marktanteile gehen alle Grossen ihre eigenen Wege: Migros senkte die Preise von 2247 Produkten, Coop zog nach und reduzierte die Preise von 500 Eigenmarken. Schliesslich feierte Lidl ihre – zeitlich begrenzten – XXL-Wochen. Was ist die Antwort von Aldi?

Wir haben seit unserem Markteintritt vor fünf Jahren die Preisführerschaft inne. Die von Ihnen angeführten Preissenkungen sind nicht zuletzt eine Antwort auf unsere Preisstrategie. Allein im vergangenen Jahr senkten wir 600 Preise. Und dies bei einem Sortiment mit rund 1’000 Produkten des täglichen Bedarfs. Auch in diesem Jahr gehen die Preissenkungen weiter. Sind wir doch bestrebt, erzielte Vergünstigungen, beispielsweise durch den Euro, entsprechend weiter zu geben.

In der deutschen Presse geistert eine Aussage von Bundeswirtschaftsminister Brüderle herum, die boulevardmässig als Forderung an Aldi und Lidl interpretiert worden ist, ins Benzingeschäft einzusteigen. Ist eine solche Idee in der Schweiz in Anbetracht der Tatsache, dass bereits Migros mit Migrol und Coop mit seinem Tankstellennetz aktiv sind, wirklich unrealistisch?

In Österreich gibt es ja bereits einzelne Discount-Tankstellen, die in unmittelbarer Nähe zu ALDI- respektive Hofer-Filialen betrieben werden. In der Schweiz ist dies aber derzeit kein Thema.

Wo steht die Aldi Suisse SA bei ihrem 10-jährigen Jubiläum in der Schweiz?

Ich glaube, dass wir im Jahre 2015 eine respektable Anzahl an Filialen überall in der Schweiz haben, von zahlreichen neuen Kundinnen und Kunden regelmässig besucht und als Schweizer Detailhändler anerkannt sein werden. Zudem werden wir auch zukünftig unsere Kunden mit „Topqualität zu besten Preisen“ überzeugen.

Der Gesprächspartner:
Beruflicher Werdegang von Dr. Sven Bradke: 1990 bis 1992: Externer Berater des Bundesrates in Fragen der europäischen Intergration sowie Co-Autor der wissenschaftlichen Studie «EWR-Vertrag, EG-Beitritt, Alleingang. Wirtschaftliche Konsequenzen für die Schweiz.» 1993 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Schweizerischen Institut für Aussenwirtschafts-, Struktur-, und Regionalforschung /SIASR) an der Universität St.Gallen und 1994 bis 1996 als Leiter Wirtschaft und Öffentlichkeit (Vizedirektor) der Industrie- und Handelskammer St.Gallen – Appenzell. 1997 bis 1998 oblagen ihm die Aufgaben als Berater und Partner bei Weigelt & Partner. Zudem wurde er in den Verwaltungsrat berufen. 1998 gründete er Mediapolis und versah die Aufgaben eines Beraters. Schliesslich wurde er 2008 als Verwaltungsratspräsident von Mediapolis erannt, dessen Stellung er weiter inne hat.
Zu den Lehrtätigkeiten von Bradke: Von 1996-1999 war er nebenamtlicher Dozent für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule in St.Gallen und ist seit 2010 Lehrbeauftragter der Universität St.Gallen (Staatswissenschaften).

Das Unternehmen:
Zahlen und Fakten zur ALDI SUISSE AG: Aktiengesellschaft nach schweizerischem Recht mit einem Aktienkapital von mehr als 1 Mia. CHF. Aldi Suisse AG ist ein selbstständiges Unternehmen der ALDI Süd-Gruppe. Der Hauptsitz befindet sich in Embrach-Embraport (ZH) und die Verteilzentren in Embrach-Embraport (ZH), Dagmersellen (LU) sowie Domdidier (FR). Die wichtige Bauprojekte sind der Bau des Ostschweizer Verteilzentrums und des neuen Hauptsitzes in Jonschwil/Uzwil (SG). Aldi Suisse SA besitzt 132 Filialen in 23 Kantonen und hat rund 2000 Beschäftigte mit mehr als 100 Lernenden. Der Markteintritt des Unternehmens fand am 27. Oktober 2005 mit 4 Filialen statt.

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