Thomas Huber, CEO SKAN, im Interview

Thomas Huber
Thomas Huber, CEO SKAN. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Huber, wieviel Prozent Ihrer Apparate sind Massanfertigung?

Thomas Huber: Die allermeisten unserer Produkte sind Sondermaschinen und werden als Einzelstücke – also als Massanfertigung gemäss spezifischen Kundenanforderungen – oder in Kleinstserien hergestellt.

SKAN bietet seinen Kunden validiertes Training in der virtuellen Realität an. Wie viele solcher Trainings führen Sie denn pro Jahr aus?

Das virtuelle Training ist ein noch sehr junges Produkt, das wir erst einführen. Augmented- und Virtual-Reality-Technologien (VR und AR) setzten wir aber bereits seit einiger Zeit für Mockups (Simulation) zur Design-Verifikation und im Service ein.

Da waren sicherlich die Kontaktbeschränkungen wegen Corona ein Treiber, oder?

Die generelle Einschränkung von Flugreisen während der Corona-Pandemie hat unserer Digitalisierungsstrategie Schub verliehen. Statt vor Ort haben wir Kunden mittels VR- und AR-Technologie aus der Distanz unterstützt. So konnten wir die Kundenbetreuung nahtlos sicherstellen und sind sicher durch die Lockdown-Phasen gekommen.

«Augmented- und Virtual-Reality-Technologien setzten wir bereits seit einiger Zeit zur Design-Verifikation und im Service ein.»
Thomas Huber, CEO SKAN

Nach dem virtuellen Training ist der Bediener bereit für das finale Training an der realen Sicherheitswerkbank. Bei den Viren, mit denen ich früher gearbeitet habe, kam es schon mal zu tödlichen Arbeitsunfällen. Ist das heute nicht mehr möglich?

Am Ende geht es im Training darum, dem Bediener eine möglichst effiziente und sichere Trainingsumgebung zu bieten, ähnlich wie bei einem Piloten, der die ersten Ausbildungsschritte im Simulator absolviert. Am Ende muss der Bediener jedoch immer in der realen Welt den Prozess bedienen und sollte keine Fehler machen.

Die High-End-Maschinen von SKAN sind für viele Abnehmer systemrelevant. Wie stark wird der Serviceanteil im Geschäftsbereich Service&Consumables weiterwachsen?

Der Serviceanteil wird mit der installierten Basis mitwachsen. Da es eine gewisse Zeit braucht, bis eine Anlage letztendlich beim Kunden durch die Behörden freigegeben ist und in den kommerziellen Betrieb geht, haben wir eine relative gute Visibilität, wie der Serviceanteil den verkauften Anlagen «hinterherwächst».

Reparaturen dürfte es wenige geben. Was sind die klassischen Einsätze?

Der Bereich Services & Consumables beinhaltet nicht nur den klassischen Reparatur-Service, sondern ein ganzes Dienstleistungsangebot wie Qualifizierungsdienstleistungen, Präventive Maintenance sowie Verbrauchsmaterialien.

Wie weit kann die Digitalisierung von sterilen Anlagen und Arbeitsprozessen gehen?

Wenn man bei der Digitalisierung auch die Automatisierung der Prozesse berücksichtigt, so können sicherlich Abfüllprozesse in Zukunft ohne menschliches Zutun ablaufen. In den klinischen Entwicklungs-Phasen und in der Qualitätskontrolle, werden die Prozesse aus meiner Sicht auch in Zukunft zu einem Teil manuell bleiben.

Ein um rund 40 Prozent höherer Auftragseingang gegenüber Vorjahr lässt Sie denkbar optimistisch in die Zukunft blicken. Der Gewinn (EBITDA) stieg gar um 86,1 Prozent auf 30,7 Millionen Franken. Wieso konnten Ihnen die Verzögerungen in der Lieferkette nichts anhaben?

Dass unsere Anlagen eben Sonderanfertigungen mit langen Herstellzeiten sind, konnten wir die Verzögerungen in der Lieferkette durch eine Umstellung der Fertigungsprozesse auffangen. Schlüsselkomponenten wie HMI (Human Machine Interface) -Bildschirme werden heute früher bestellt, so dass ihre Verfügbarkeit zum benötigten Zeitpunkt sichergestellt ist. Dadurch konnten wir jederzeit eine hohe Lieferbereitschaft gewährleisten.

«Aufgrund der langfristigen Natur unseres Geschäfts wird der umsatztreibende Covid-Effekt erst im nächsten Jahr sichtbar werden.»

Warum profitierte SKAN kaum vom Covid-Effekt?

Die Pandemie hat durchaus einen zusätzlichen Nachfrageschub durch Bestellungen von Anlagen zur Abfüllung von Covid-Impfstoffen ausgelöst. Diese Anlagen werden aber erst gebaut. Aufgrund der langfristigen Natur unseres Geschäfts wird dieser Covid-Effekt erst im nächsten Jahr im Umsatz sichtbar.

Die Erhöhung auf 90% Anteil bei Ihrer Beteiligung Aseptic Technologies geschieht in mehreren Tranchen bis 2026. Wieso gehen Sie schrittweise vor?

Das war vom Verkäufer so gewünscht.

Die Rendite auf das eingesetzte Kapital liegt bei 16,5% bereinigt. Ist das der Endpunkt?

Strategisch werden wir unseren margenstärkeren Bereich Services & Consumables anteilsmässig weiter ausbauen. Dies sollte beim ROIC mittelfristig noch Spielraum eröffnen.

SKAN hat im Rahmen des IPO im letzten Oktober rund 94 Millionen Franken eingenommen. Wie werden diese Mittel investiert?

Für die Umsetzung unserer Strategie. Konkret zum Ausbau der Produktionskapazitäten und zur Erweiterung unseres Dienstleistungsangebots.

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