Thomas Kleber, General Manager Steigenberger Hotels Schweiz, im Interview

Thomas Kleber, General Manager Steigenberger Hotels Schweiz, im Interview

Thomas Kleber, General Manager Steigenberger Hotels Schweiz (Bild: Steigenberger)

Herr Kleber, das Lamento der Schweizer Touristiker, namentlich in den Berg- und Ferienregionen, ist nach dem schwierigen Winter 2015/16 noch lauter geworden als Anfang 2015 nach dem Franken-Schock. Wie hat Davos abgeschnitten und wie das „Belvédère“?

Von Artur K. Vogel

Thomas Kleber: Davos hat sich in einem schwierigen Umfeld ordentlich geschlagen. Der warme Dezember, mehrheitlich ohne Schnee, war in der gesamten Alpenregion eine Herausforderung. Von Januar bis April waren die Wetter- und Schneeverhältnisse jedoch sehr gut. Wir haben mit dem Grandhotel Belvédère unser geplantes Ziel für 2015 übertroffen, und der Start in das Jahr 2016 war ebenfalls erfreulich.

«Der Tourismus hat sich in den letzten 10, 15 Jahren stark verändert. Er ist globaler geworden.» Thomas Kleber, General Manager Steigenberger Hotels Schweiz

Sie sind als Area General Manager auch für das Steigenberger Hotel in Zürich mitverantwortlich. Wie steht dieses da?

Auch in Zürich sind die wirtschaftlichen Veränderungen spürbar. Die Nachfrage ist dennoch konstant, und dies trotz neuer Mitbewerber. Wir haben einen klaren Vorteil durch die zentrale Lage und den traumhaften Blick auf den Zürichsee.

Gehen Sie, schweizweit betrachtet, eher von einer Erholung aus, oder muss die Schweizer Hotellerie mit weiteren schwierigen Zeiten rechnen?

Der Tourismus hat sich in den letzten 10, 15 Jahren stark verändert. Er ist globaler geworden. Internationale Ziele sind heute leicht zu erreichen und durch das Internet leicht zu vergleichen. Weiter locken Reiseveranstalter mit sehr günstigen Pauschalpaketen,  und der schwache Euro, respektive der starke Franken, machen es uns in der Schweiz auch nicht leichter. Dennoch bin ich überzeugt, dass sich die Qualität in der Schweiz auf lange Sicht durchsetzt.

Dank der WEF-Jahrestagung geniessen Davos im Allgemeinen und das „Belvédère“ als Stelldichein der Reichen und Mächtigen im Besonderen jeweils ein paar Tage lang weltweite Medienpräsenz. Strahlt das auf das restliche Jahr ab?

Ja, der Weltwirtschaftsgipfel in Davos bringt Aufmerksamkeit in der gesamten Welt, und natürlich werden wir auch ausserhalb dieser Woche im Januar oft darauf angesprochen. Aber es gibt noch 51 weitere wichtige Wochen im Jahr, an denen wir unsere Gäste begrüssen und verwöhnen dürfen.

Wie gehen Sie persönlich mit Staatsoberhäuptern und Wirtschaftskapitänen um?

Es ist natürlich eine grosse Freude und Ehre, einige der wichtigsten Politiker und Firmenchefs dieser Welt als Gast bei uns beherbergen zu dürfen. Jedoch ist mir jeder Gast wichtig, und daher behandele ich jeden Gast herzlich und mit Respekt.

Die Schweiz hat mit der Frankenstärke und dem hohen Lohnniveau zwei gewichtige Wettbewerbs-Nachteile gegenüber den Nachbarländern. Was hat denn die Schweiz als Gegenwert für die vergleichsweise hohen Preise zu bieten?

Wir können mit einer Top-Qualität aufwarten, sowohl im Produkt als auch im Service. Dies ergibt zusammen einen Grad der Exklusivität, den viele Reisende suchen. Weiter hat die Schweiz weltweit einen exzellenten Ruf, und dank den hohen Löhnen fällt es uns leichter Fachkräfte zu finden.

Und weshalb sollte man in Davos Ferien verbringen statt zum Beispiel in einem österreichischen Resort?

Die Vielfalt an Möglichkeiten im Winter als auch im Sommer, ob in der Natur, sportlich oder kulturell, sind ganz speziell und das alles auf über 1500 Metern. Dies ist einzigartig im gesamten Alpenraum.

«Von Seiten der Politik würde ich noch etwas mehr Unterstützung erwarten. Es gibt Länder, in welchen der Tourismus stärker gefördert wird als in der Schweiz.»

Sehen Sie Möglichkeiten für Schweizer Ferienregionen, ihre Attraktivität für ausländische Gäste zu erhöhen?

Aus meiner Sicht haben die allermeisten Schweizer Ferienregionen eine hervorragende Attraktivität, und an dieser arbeiten Schweiz Tourismus und die kantonalen und lokalen Tourismusinstitutionen beständig weiter. Wichtig ist, dass wir diese weiterhin weltweit und auf intelligente Weise vermarkten.

Und wie könnte man Schweizer Gäste dazu veranlassen, wieder vermehrt in der Schweiz Ferien zu machen?

Es ist nachvollziehbar, dass viele Schweizer den starken Franken genutzt haben, um in Europa oder Übersee Ferien zu machen. Jedoch bin ich fest davon überzeugt, dass die meisten Schweizer einen Grossteil Ihrer Ferien in der Schweiz verbringen, und das zu Recht!

Wird von Seiten der lokalen, regionalen und nationalen Tourismus-Organisationen genug unternommen?

Der Schweizer Tourismus ist sehr gut aufgestellt, und dass von allen Seiten alles Mögliche unternommen wird, ihn zu unterstützen. Von Seiten der Politik würde ich noch etwas mehr Unterstützung erwarten. Es gibt Länder, in welchen der Tourismus stärker gefördert wird als in der Schweiz.

Und unternehmen auch Sie das Richtige?

Die Marke Steigenberger steht seit über 80 Jahren für Qualität, und unsere weltweit mehr als 100 Hotels helfen uns, das Grandhotel Belvédère national und international zu vermarkten. Wir sind auf einem guten Weg und blicken positiv in die Zukunft.

Das „Belvédère“ ist gut 140 Jahre alt und in seiner Geschichte laufend aus- und umgebaut worden. Welches sind Ihre Pläne für die nächste Zukunft?

Wir haben in den letzten Jahren fast alle unsere Zimmer erneuert, den Eingangs-, Rezeption-, Bar- und Lobbybereich renoviert, Pool und Wellness erneuert. Bei einem 140-jährigen Gebäude gibt es immer etwas zu tun, und wir nutzen jeweils unsere beiden Schliessungszeiten im Frühjahr und Herbst, um das Hotel tadellos in Stand zu halten.

Es gibt Trends in der Hotellerie. Zum Beispiel sind die Spa- und Wellness-Bereiche in den vergangenen Jahren immer grösser und luxuriöser geworden, und fast jedes Haus im oberen Segment hat heute solche Einrichtungen. In welche Richtung geht die Entwicklung? Zeichnen sich neue Trends ab?

Ich denke, Spa- und Wellness sind schon lange kein Trend mehr. Heute gehören ab einer bestimmten Kategorie ein Fitnesscenter, ein Pool und eine Saunalandschaft zu einem Hotel wie Restaurants und Bars. Mehr und mehr kommt zusätzlich noch das Thema präventive Gesundheitsmassnahmen und Medizin dazu. Früher fuhr man nach oder während einer Krankheit in ein Kurhotel. Heute versucht man,  durch regelmässigen Sport, Fitness und Wellness möglichst nicht krank zu werden.

Laufend zu investieren ist unumgänglich, wenn man nicht den Anschluss verpassen muss. Können Schweizer Hotels im obersten Segment mit ihren beträchtlichen Betriebskosten heute überhaupt noch genug Reserven für solche Investitionen zurücklegen?

Ja, ich denke schon. Es ist sicherlich herausfordernder geworden, und es bedarf einer permanenten betriebswirtschaftlichen Betrachtung und eines guten Cost Controlling.

Herzlichen Dank für das Interview.

Der Gesprächspartner:
Thomas Kleber ist seit 1. Dezember 2014 General Manager des Steigenberger Grandhotel Belvédère in Davos, zudem Area General Manager Schweiz für die Steigenberger-Häuser in Davos und Zürich.

Sein Werdegang begann 1982 in Bernried am Starnberger See mit der Ausbildung zum Restaurantfachmann. Danach arbeitete er in München, New York und Paris. Berufsbegleitend bildete er sich an der Cornell University in Ithaca, New York, und an der Deutschen Weinakademie weiter. 1996 wurde er Direktionsassistent und 1999 stellvertretender Direktor im Brenner´s Park Hotel & Spa.

1994 bis 1996 studierte Kleber zudem an der Steigenberger Akademie Bad Reichenhall Betriebswirtschaft. Er schloss mit dem staatlich geprüften Hotelbetriebswirt ab und erwarb parallel den Restaurantmeisterbrief. Für beide Abschlüsse wurde er mit dem Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet.

2004 wurde er geschäftsführender Direktor des Park Hotels Vitznau und führte ab 2009 gleichzeitig die Palais Coburg Hotel Residenz in Wien. Ab 2010 leitete er das Designhotel Kameha Grand in Bonn und im Anschluss als CEO drei Hotels in Luzern. Seine knapp bemessene Freizeit verbringt Thomas Kleber am liebsten mit seiner Frau und seinen drei Kindern.

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