Thomas Seiler, CEO u-blox

Thomas Seiler

Thomas Seiler, CEO u-blox

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Seiler, u-blox hat kürzlich einen zweite Niederlassung in China, im Hightech-Ort Shenzen, eröffnet. Ist heutzutage eine einzige Niederlassung nicht mehr ausreichend?

Thomas Seiler: China ist geografisch so gross, dass die optimal Betreuung aller Kunden von einem Standort aus immer schwieriger wurde. Wir haben uns deshalb entschlossen, eine zweite Niederlassung aufzubauen. Wir hatten dies übrigens in den USA mit Erfolg auch gemacht.

u-blox hat keine eigene Fertigung. Manche Unternehmen wie beispielsweise Advanced Digital Broadcast mit seiner Fertigung in Asien, erleben regelmässig Schiffbruch, da die komplizierten Prozesse schwierig zu kontrollieren sind. Wie oft reisen Sie beispielweise nach China?

Wir haben bei der Wahl der Produktionspartner darauf geschaut, dass wir mit den weltweit führenden Unternehmen zusammenarbeiten. Im Bereich der Chips wäre eine eigene Fertigung schlicht unmöglich, denn solche Fabriken kosten mehrere Milliarden Franken. Unser Fokus soll auf der Entwicklung und Vertrieb von innovativen Produkten liegen, und nicht darauf, die Kapazitäten von Fabriken bei stark ändernden Nachfragen anzupassen. Wenn ich nach China reise, dann für den Besuch unserer Kunden zusammen mit unseren lokalen Teams.

Im ersten Halbjahr ging es mit dem Umsatz um 46 Prozent bergauf. Vor allem in Nord- und Südamerika brummt Ihr Geschäft. Was ist der spezielle Grund dort?

Ab Mitte 2010 spürten wir nach dem deutlichen Konjunktureinbruch der vorhergehenden zwei Jahre einen starken Nachholbedarf. Dazu kommt, dass wir in wachsenden Märkten tätig sind und auch neue Produkte für neue Marktsegmente eingeführt haben.

Welche grossen kulturellen Unterschiede gibt es im Kundenverhalten zwischen den einzelnen von u-blox bedienten Kontinenten?

Die Globalisierung macht auch vor dem Kundenverhalten nicht halt. Man spürt, dass speziell in asiatischen Ländern viele Geschäftsleute im Westen studiert und gearbeitet haben. Somit gleichen sich die Geschäftskulturen immer mehr an. Natürlich bleiben kulturelle Unterschiede, aber das macht das Leben spannend.

„Man spürt, dass speziell in asiatischen Ländern viele Geschäftsleute im Westen studiert und gearbeitet haben.“  Thomas Seiler, CEO u-Blox

Macht Ihnen ein allfälliger Wirtschaftskrieg um die sogenannten seltenen Erden, Metalle, die für elektronische Geräte wichtig sind, Kopfzerbrechen? Welche seltenen Erden kommen in den Halbleiterchips von u-blox zum Einsatz?

Nein, dieses Thema betrifft uns nicht, denn unsere Produkte enthalten keine seltenen Erden. Wir legen im Rahmen unserer Nachhaltigkeits-Strategie grossen Wert darauf, dass unsere Produkte möglichst keine giftigen Substanzen enthalten und mit Materialien aus ethisch vertretbaren Quellen hergestellt werden.

Da die Chips immer kleiner werden, dürfte Ihnen steigende Rohmaterialkosten wohl kaum etwas ausmachen, oder?

Bei den Rohmaterialen ist vor allem das Gold von Bedeutung, welches zum Verbinden des Silizium-Chips mit dem Gehäuse verwendet wird. Obwohl pro Chip nur kleinste Mengen verwendet werden, läppert sich das zusammen. Wir sind deshalb auf der Suche nach der Suche nach Alternativen zu Gold.

„Es verlassen viel zu wenig Ingenieure unsere Hochschulen, um den Bedarf der Industrie zu decken.“

Ist es in Ihrem stark ingenieurlastigen Betrieb schwierig, in der Schweiz gutes Personal zu bekommen?

Das Finden von geeigneten Ingenieuren ist schon seit Jahren eine Herausforderung. Es verlassen viel zu wenig Ingenieure unsere Hochschulen, um den Bedarf der Industrie zu decken. Wir unterstützen deshalb Organisationen wie „Engineers shape our future“, die sich als Ziel setzen, Mittelschüler zu einem technischen Studium zu motivieren.

Sie werden dann wohl eher im Ausland fündig…

Wir haben inzwischen Mitarbeiter aus vielen Nationen, die bei uns arbeiten, sei das am Hauptsitz in Thalwil, oder in einem unserer Entwicklungszentren in Italien, England, und den USA.

Durch die Produktionsstätten in aller Herren Länder hat u-blox eine Art natürliche Absicherung gegenüber dem Währungsrisiko. Dennoch haben Sie den Ausblick wegen des starken Frankens etwas gesenkt. Lassen Sie sich für 2014 schon mal in die Leiterbahnen blicken?

Für solche Voraussagen ist es noch zu früh. Wir werden unsere Ziele zu gegebener Zeit kommunizieren.

Der Trend bei den Navigationsgeräten ging weg vom Autocockpit hin zum Handy. Wie könnte die nächste grosse Technologiemode aussehen?

Die Smartphones ersetzen zunehmend spezifische tragbare Navigationsgeräte, die sogenannten PNDs, doch das eingebaute Navigationsgerät im Auto ist immer beliebter. Wenn wir schon beim Auto sind: Einer der grossen Trends ist der zunehmende Gebrauch von Positionierungs- und Kommunikationslösungen für die Fahrzeugortung und vor allem den Notruf. Hier erwarten wir in den kommenden Jahren einen Boom. Im Bereich Konsumgüter sind es die tragbaren Computer und die Kameras, die zunehmend mit einem GPS Chip und einem Kommunikationsmodul ausgerüstet werden.

Zur Person
Thomas Seiler ist Mitglied des Verwaltungsrats der u-blox AG und seit der Reorganisation im Jahr 2007 auch des Verwaltungsrats der u-blox Holding AG. Seit dem 1. Mai 2002 ist er CEO und Head of Marketing and Sales. Zuvor leitete er von 1999-2001 als CEO die Kistler Holding AG, Hersteller von Präzisionsmess- und -prüfinstrumenten, und von 1986-1998 war er CEO der Melcher Holding AG, Anbieter von Stromversorgungen. Derzeit ist er Mitglied des Verwaltungsrates der Holding Kirchheim GmbH und Co. KG in Hannover, Hersteller von Industrieventilen. Er hat einen Abschluss als Maschinenbauingenieur der ETH Zürich und ist MBA-Absolvent der renommierten Wirtschaftshochschule INSEAD in Fontainebleau. Thomas Seiler ist Schweizer Bürger.

Zum Unternehmen
u-blox ist ein führender Anbieter von Halbleiterbausteinen für eingebettete Systeme im Bereich Positionierung und drahtloser Kommunikation für den Konsumgüter-, Industriegüter- und Automobilmarkt. Damit können Menschen, Geräten, Fahrzeuge und Maschinen  exakt lokalisiert werden. Die Kommunikation läuft via Stimme, Text oder Video.
Mit einem breiten Portfolio von GPS Modulen, Chips und Software zusammen mit Modulen und Designservices für drahtlose Kommunikation hat u-blox seinen Hauptsitz in der Schweiz und eine globalen Präsenz in Europa, Asien und Amerika. Das Unternehmen beschäftigt über 200 Mitarbeiter. Die Firma wurde 1997 gegründet, operiert ohne eigene Fertigung (fabless).

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