Tobias Gerfin, CEO Kuhn Rikon

Tobias Gerfin

Tobias Gerfin, CEO Kuhn Rikon. (Foto: Kuhn Rikon)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Gerfin, Sie waren zuletzt auf der Konsumgütermesse Ambiente. Messen gelten von jeher als Stimmungsbarometer. Stehen die Branchenampeln auf Grün?

Tobias Gerfin: Die Stimmungen an der Ambiente in Frankfurt und der IHA Show in Chicago waren sehr positiv. Kochen ist im Trend und gesunde Ernährung gewinnt in allen Altersgruppen an Bedeutung. Es ist festzustellen, dass die Küche bunt wird und die Konsumenten neben den Klassikern Edelstahl und schwarz auch farbige, lebendige Lösungen suchen.

Partnerland der Ambiente war Japan. Gibt es einen kulinarischen Trend, der vom Pazifik rüberschwappt?

Nein, die hohe Kunst der japanischen Küche hat Europa längst erreicht, und viele Menschen geniessen täglich die Köstlichkeiten aus dem Land der aufgehenden Sonne.

Gleich in der ersten Halle ging es um Küchentrends. Gibt es da wirklich etwas fundamental Neues? Worauf wird Kuhn Rikon in den nächsten Jahren setzen?

Es wäre zu viel gesagt, dass von der Branche fundamental Neues auf der Ambiente gezeigt worden wäre. Es gibt jedoch raffinierte Lösungen für individuelle Probleme wie das Platzproblem in modernen Küchen. Wir bieten dazu Dual-Reiben an, die sich sehr klein zusammenlegen lassen, perfekt funktionieren und mit dem if Design Award ausgezeichnet worden sind.

Gerade lief eine  grosse Aktion mit Ihren Dampfkochtöpfen bei der Migros. Wieviel Prozent eines Jahresumsatzes machen solche Grossverteileraktionen bei Ihnen schon mal aus?

Der gesamte Umsatz von Kuhn Rikon mit Grossverteilern bewegt sich bei wenigen Prozentpunkten, und ein Grossteil dieses Umsatzes ist nicht mit Aktionen verknüpft. Gemäss geltendem Wettbewerbsrecht ist es den Händlern überlassen, zu welchen Preisen sie die Produkte anbieten. Kuhn Rikon wird diese Preise nicht kommentieren.

«Aufgrund von langfristigen Verträgen mit unseren Lieferanten spüren wir kaum kurzfristige Ausschläge der Metallpreise.»
Tobias Gerfin, CEO Kuhn Rikon

Spüren Sie im Moment in Ihrer Produktion die Entspannung bei den Metallpreisen?

Aufgrund von langfristigen Verträgen mit unseren Lieferanten spüren wir kaum kurzfristige Ausschläge der Metallpreise. Ausserdem sind neben dem Metallpreis für Kuhn Rikon die Qualität, externe Sicherheitslager und kurzfristige Verfügbarkeit sehr wichtig.

Viele Kuhn Rikon-Produkte gewinnen Design Awards. Wie gross ist etwa der Anteil der Designkosten am Umsatz?

Wir investieren viel in gutes Design und beschäftigen dafür fünf Industriedesigner. Alleine dieses Jahr wurden fünf unserer Neuheiten mit IF und Red Dot Design Awards prämiert. Das freut uns aus zwei Gründen: erstens bieten die Awards design-affinen Konsumenten Orientierung und zweitens sind sie der Beweis dafür, dass unser Engagement auch bei anspruchsvollsten Juries Beachtung findet.

«In erster Linie sollen Konsumenten jedoch unsere Marke mit „gutem“ Design in Verbindung bringen und nicht mit dem Namen eines „Star“designers.»

Setzen Sie etwa wie eine Alessi auch auf Stardesigner?

Es bestehen diesbezüglich keine konkreten Projekte – wir schliessen das aber auch nicht kategorisch aus. In erster Linie sollen Konsumenten jedoch unsere Marke mit gutem Design in Verbindung bringen und nicht mit dem Namen eines Stardesigners. Wir sind sehr zufrieden mit der Leistung unserer Design-Teams und sehen daher momentan keinen Anlass externe Unterstützung beizuziehen.

In Ihren beiden Fabrikläden in Schönenwerd und Rikon werden auch Auslaufwaren und „A-Waren“ verkauft. Ist das nicht eine gefährliche Gratwanderung mit dem guten Ruf?

Der Ruf einer Unternehmung ist nur gefährdet, wenn sich Markenversprechen und Leistung nicht decken. Im Falle eines Einkaufs in Fabrikläden entscheidet sich der Konsument sehr bewusst für einen reduzierten Preis. Er nimmt dafür beispielsweise optische Mängel in Kauf.

Spürten Sie eigentlich den dieses Mal viel zu warmen Winter beim Absatz von Fondue-Caquelons?

Nein, die Fondue-Saison lief sogar besser. Allerdings ist es richtig, dass das Wetter starken Einfuss auf das Konsumverhalten hat. Das spürt leider nicht nur die Modeindustrie, sondern es betrifft auch unsere Branche.

Welches Ihrer Küchengerätschaften hat im Moment denn die grösste Wachstumsrate?

Der Schnellkochtopf Duromatic erlebt grad eine Renaissance. Konsumenten schätzen dessen Vorteile: man steht damit rund 66% weniger lange am Kochherd und spart gleichzeitig bis zu 70% Energie – beides wichtige Themen der heutigen Zeit.

Bei den Dampfdruckkochtöpfen geben Sie stolze 10 Jahre Garantie. Wird diese Differenzierungsstrategie gegenüber der Konkurrenz bald der Normalfall in der Branche sein?

Wir stellen bisher nicht fest, dass Mitbewerbern generell mit unserer Garantieleistung gleichziehen.

Kuhn Rikon setzt sich stark für Tibet ein. Am Dorfrand von Rikon steht das Tibet-Instituts mit Tempel und grosser Bibliothek und in Ihrer Firma beschäftigen Sie viele gebürtige Tibeter. Bekommt der Dalai Lama schon mal Kochgeschirr von Ihnen?

Ich muss gestehen, dass ich nicht weiss, womit respektive ob der Dalai Lama selber kocht.

Zur Person:
Nach dem Studium an der Eidgenössisch Technischen Hochschule in Zürich mit einem Diplom der Naturwissenschaften promovierte Dr. Tobias Gerfin auf dem Gebiet der dünnen Schichten von Hochtemperatursupraleitern. Von 1993 bis 1995 erforschte er an der Eidgenössisch Technischen Hochschule in Lausanne Solarzellen, die auf nanokristallinen Titandioxidschichten beruhen. Im Jahr 1995 wechselte er in die Industrie und beschäftigte sich bei der Firma Bruker mit hochauflösender Kernspinresonanz und bei der Firma Optrel mit optoelektronischen Schweisserschutzfiltern auf der Basis von Flüssigkristallen. 2007 wechselte Gerfin zu Glas Trösch in den Glasinnenausbau und 2010 als CEO zu Stoll Giroflex AG in Koblenz im Bereich Bürositzmöbel. Im Oktober 2013 begann er als CEO bei Kuhn Rikon AG in Rikon.  

Zum Unternehmen:
Die KUHN RIKON AG ist ein Familienunternehmen mit Hauptsitz in Rikon/Schweiz und mit Tochtergesellschaften in Grossbritannien, Spanien und den USA. Aufgrund internationaler Firmenstruktur und enger Zusammenarbeit mit ausgewählten Distributoren sind Kuhn Rikon Produkte weltweit in über 40 Ländern erhältlich. Kuhn Rikon entwickelt, produziert und vertreibt qualitativ hochwertiges Kochgeschirr und Zubehör, welches gesundes und effizientes Kochen ermöglicht. Dank der Kooperationen mit Konsumenten, Kochschulen und Forschungsinstituten erfüllt das umfassende Kochgeschirr- und Küchenhelferangebot auch die Wünsche und Anforderungen der Handelspartner.

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