Tomas Prenosil, CEO Confiserie Sprüngli AG

Tomas Prenosil

Tomas Prenosil, CEO Confiserie Sprüngli AG. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Prenosil, neben einigen kleineren Konditoreien, hat auch der Einzelhandelsriese Coop nun ihre berühmten Luxemburgerli kopiert. Ist das nicht Markenpiraterie?

Tomas Prenosil: Erfolgreiche Dinge werden kopiert. Das sind wir uns bei den Luxemburgerli seit vielen Jahren gewohnt. Und wo unsere Markenrechte verletzt werden, gehen wir auch sehr konsequent dagegen vor. Wir können aber nichts dagegen haben, wenn jemand Eiweissmakrönchen macht und anbietet. Aber ein Eiweissmakrönchen ist noch lange kein Luxemburgerli.

Wie abhängig sind Sie von ihrem 1957 lancierten Paradeprodukt?

Auch wenn wir in den letzten Jahren in anderen Bereichen stärker gewachsen sind, ist es für uns natürlich nach wie vor ein Schlüsselprodukt, weil es auf der ganzen Welt bekannt und beliebt ist und in engem Zusammenhang mit dem Namen Sprüngli steht.

Luxemburgerli gibt es jetzt als neuste Kreation mit einer luftigen Prosecco/Cassis-Crème als Kir Royal. Welche Grundsorte geht aber eigentlich am meisten über den Ladentisch?

Die Monatskreationen erfreuen sich grosser Beliebtheit. Jedes Aroma hat seine Fan-Gemeinde. Am meisten verkauft werden aber nach wie vor die klassischen Aromen Vanille und Chocolat, mit denen die Erfolgsgeschichte vor 56 Jahren auch angefangen hat.

Werden Sie immer noch häufig mit dem Schokoladenriesen Lindt&Sprüngli verwechselt?

Das kommt auch heute noch vor, aber eher seltener als früher. Die beiden Unternehmen haben ja auch gemeinsame Wurzeln, sind aber seit der Trennung des Confiseriegeschäfts und der Schokoladeproduktion und dem Zusammenschluss der Chocolat Sprüngli AG mit der Rodolphe Lindt fils vor über 100 Jahren vollständig unabhängig voneinander.

Bietet sich eigentlich mit dem Namensvetter nicht eine grössere Kooperation an? Davon könnten doch beide profitieren.

Wir sind ein erfolgreiches eigenständiges Familienunternehmen und wollen es auch bleiben. Wir arbeiten aber in einzelnen Bereichen seit vielen Jahren mit Lindt&Sprüngli zusammen.

«Vor kurzem haben wir eine Versandpauschale eingeführt, die sich sehr positiv auf den Umsatz ausgewirkt hat.»
Tomas Prenosil, CEO Confiserie Sprüngli AG

Trotz Pionierleistungen im Online-Geschäft erarbeiten Sie nur 4 Prozent Ihres Umsatzes im Internet. Wo haben Sie da weitere verkaufsfördernde Massnahmen geplant?

Das Online-Geschäft ist für uns wie ein gut laufendes mittleres Verkaufsgeschäft und wächst rund 10% pro Jahr. Bei der Entwicklung des Umsatzanteils muss man berücksichtigen, dass wir in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren auch in anderen Bereichen stark gewachsen sind. Wir haben Verkaufsgeschäfte in Basel, Bern und Zürich eröffnet, unsere Präsenz am Flughafen ausgebaut, aber auch den Bestellservice und das Firmenkundengeschäft verstärkt. Den Online-Shop entwickeln wir ständig weiter. Vor kurzem haben wir eine Versandpauschale eingeführt, die sich sehr positiv auf den Umsatz ausgewirkt hat.

Von zunehmender Bedeutung sind Ihre Firmenkunden. Welches sind denn Ihre grössten?

Unsere Kundenliste ist mehr oder weniger ein Querschnitt der Schweizer Unternehmenslandschaft.

Individuelle Konfektionierung ist seit Jahren ein Verkaufstrend, nicht nur in der Confiserie. Welche Neuigkeiten dürfen Sprüngli-Fans da erwarten?

Individualisierung ist für uns kein Trend, sondern ein wesentlicher Teil unserer Philosophie. Firmenkunden oder Kunden im Bestellservice beraten wir im persönlichen Gespräch und bieten ihnen die für ihre Bedürfnisse beste individuelle Lösung an. Im Offenverkauf können Sie Ihre Verpackung und Ihre Produkte selber auswählen. Dazu kommt eine grosse Palette von saisonalen Spezialitäten und Verpackungen. Und sogar im Online-Shop oder via iPhone-Applikation können Sie sich Ihre Luxemburgerli- oder Praliné-Schachtel Reihe für Reihe selber zusammenstellen.

Mit Verkaufsstellen in Schweizer Hauptbahnhöfen oder dem Flughafen Zürich muss Sprüngli sehr hohe Mieten zahlen. Wie sehr würde Sie beispielsweise eine 3,5%ige Mietzinserhöhung schmerzen?

Diese zugegeben teuren Standorte sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Strategie, die auf Hochfrequenzlagen ausgerichtet ist. Wir sind uns aber bewusst, dass wir dank Eigentum unseres wichtigsten Verkaufsgeschäftes in Zürich, unseres Stammhauses am Paradeplatz in einer privilegierten Lage sind. Wenn das nicht der Fall wäre, würde eine solche für uns zu einer gar existenziellen Frage. Aber natürlich hat kein Mieter gerne, wenn seine Miete erhöht wird.

Denken Sie auch über den Kauf einzelner Immobilienlagen nach?

Wie erwähnt gehört uns das Haus an der Bahnhofstrasse 21 dank den mutigen und weitsichtigen Entscheidungen unserer Vorgänger glücklicherweise bereits. Darüber hinaus haben wir aber nicht die Absicht, Verkaufsstandorte zu erwerben.

«Das Traiteurgeschäft bringt uns zusätzliche Kunden in unsere Verkaufsgeschäfte.»    

Ihr Traiteurbereich ist mittlerweile ein wichtiges Standbein geworden.  Wächst er stärker als das Schokoladengeschäft?

Das Traiteurgeschäft ist für uns in den letzten Jahren tatsächlich sehr wichtig geworden und rasant gewachsen. Es bringt uns auch zusätzliche Kunden in unsere Verkaufsgeschäfte, was sich positiv auf den Umsatz in den anderen Bereichen auswirkt. Das weitere Wachstum wird aber sehr gezielt und kontrolliert vonstattengehen, weil wir uns nach wie vor klar als Confiserie und Konditorei positionieren wollen. Der Traiteurbereich bleibt eine willkommene Ergänzung.

Welche Rolle spielen denn Konditorwettbewerbe für Ihr Marketing und welche Auszeichnung erfüllt Sie nach zwanzig Jahren im Geschäft mit dem meisten Stolz?

Wir freuen uns über jede Auszeichnung und sind immer stolz, wenn unsere Nachwuchskräfte bei Wettbewerben gute Ergebnisse erzielen und Preise einheimsen. Diese Preise sind für das Marketing eher unbedeutend, sie bringen uns aber ein gutes Renommée in der Branche und bestätigen, dass wir mit unseren Ausbildungsmassnahmen richtig liegen. Ausbildung ist für uns enorm wichtig und wir investieren einiges in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeitenden. Gerade vor kurzem haben wir eine neue Lehrlingsbackstube eingeweiht. Wenn ich doch einen Preis erwähnen müsste, ist es der zweite Platz beim SVC Unternehmerpreis Wirtschaftsraum Zürich vor zwei Jahren. Bei diesem Preis stehen Unternehmertum und Innovation im Zentrum und dass wir als über 175-jähriges Familienunternehmen gegen starke Konkurrenz einen der Spitzenplätze belegen konnten, hat uns sehr gefreut.

Zum Unternehmen:
Vor über 175 Jahren gründete David Sprüngli zusammen mit seinem Sohn Rudolf die Confiserie Sprüngli. Aus der kleinen Konditorei in der Zürcher Altstadt ist ein stattliches Unternehmen geworden, mit nationaler Präsenz und internationaler Ausstrahlung. Die Confiserie Sprüngli wird heute in sechster Generation von Milan und Tomas Prenosil geführt und gehört zu den renommiertesten Konditoreibetrieben Europas und zu den erfolgreichsten Familienunternehmen der Schweiz. Die in gewerblicher Tradition mit viel Handarbeit in Dietikon hergestellten Produkte werden in 21 eigenen Geschäften und über den Online-Kanal verkauft. Drei bestehende Gastrobetriebe, von der kleinen Café-Bar bis zum legendären Café & Restaurant am Paradeplatz sowie die neue Café & Lounge am Flughafen Zürich, ergänzen das Angebot.  

Zur Person:
Der 1965 geborene Schweizer Tomas Prenosil ging in Zürich zur Schule und studierte später Jura. Kurz nach seiner Promotion zum lic. jur. trat er in die Confiserie Sprüngli ein. Bereits ein Jahr später leitete er die Produktion in Dietikon (von 1993-2003). 1994 erfolgte seine Wahl in den Verwaltungsrat  und in die Geschäftsleitung der Confiserie Sprüngli. 2003 wurde Tomas Prenosil zum Delegierten des Verwaltungsrates und CEO der Confiserie Sprüngli AG ernannt.

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