Urs Neuhauser, CEO Griesser Gruppe, im Interview

Urs Neuhauser
Urs Neuhauser, CEO Griesser Gruppe. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Neuhauser, im letzten Geschäftsjahr gelang Griesser ein deutlicher Turnaround beim Umsatz und in der Folge auch beim Reingewinn. Wie sind für Sie die Aussichten bis ins nächste Jahr hinein? Gebaut wird ja immer noch fleissig.

Urs Neuhauser: Wir rechnen mit einer weiterhin positiven Entwicklung für die Erträge des Unternehmens und einer Querbewegung der Bauindustrie, da die Negativzinsen auch in den nächsten Jahren die Politik der Notenbanken bestimmen werden – zu hoch sind die Verschuldungen der Staaten, als dass eine Änderung absehbar wäre. Die Negativzinsen bestimmen stark die Anlagepolitik der institutionellen Anleger, die weiterhin auf die Karte Immobilien setzen werden. Ich gehe von einer mittelfristig stabilen Schönwetterlage im Immobiliensektor aus. Unsere verbesserte Ertragslage wird erlauben, die Position von Griesser weiter zu stärken. Wir investieren nun vermehrt in die Digitalisierung oder das langfristige Umsatzwachstum.

Die Sonnenstore Lamisol Vento soll 126 km/h Wind aushalten. Sollten Hausbesitzer nicht dennoch spätestens bei 60 km/h einen „Rückzieher“ machen?

Vorsicht ist immer ein guter Ratschlag. Die in Stürmen herrschenden Böen setzen dem Material stark zu. Der Vento gibt dem Eigentümer aber auf jeden Fall deutlich höhere Sicherheit. An stark exponierten Lagen oder in Föntälern bieten wir unseren Kunden aussergewöhnliche Möglichkeiten. Die Klimaentwicklung wird die Anforderungen an Gebäudehüllen leider nicht kleiner werden lassen, extreme Wettersituationen nehmen bereits zu.

„Die Klimaentwicklung wird die Anforderungen an Gebäudehüllen leider nicht kleiner werden lassen, extreme Wettersituationen nehmen bereits zu.“
Urs Neuhauser, CEO Griesser Gruppe

Clevere Aufroll- und Trocknungsmechanismen schützen vor allem das Tuch vor Witterungseinflüssen. Dennoch sind Wetter und Klima ja unerbittlich. Wie lange halten Markisen und textile Terrassendächer im Schnitt?

20 Jahre und mehr sind keine Seltenheit. Die Pflege und die bauliche Situation spielt eine Rolle, aber auch die Wahl des Produkts. Kassettenmarkisen schützen das Tuch besser als frei montierte Gelenkarmmarkisen.

Zum Ein- und Ausfahren von Storen, Rollläden und Markisen bietet Griesser Motoren oder Kurbeln an. Ich nehme an die Kunden entscheiden sich vornehmlich für die bequemere Lösung…

Interessanterweise ist der Grad der Motorisierung in Europa deutlich höher als in der Schweiz. Vielleicht ein Zeichen von Schweizer Bescheidenheit? Jedenfalls verändert sich dies nun schnell, nicht nur wegen des Komforts, sondern wegen der Energieeinsparung. Sich aufheizende Gebäude sind im Sommer ein grösseres Problem geworden. Energieintensive Klimaanlagen sind leider vermehrt zum Standard geworden, obwohl ein guter sommerlicher Wärmeschutz mit automatisierter Steuerung die Aufheizung sehr stark reduzieren kann.

Mit Sonnenblenden lässt sich Kühlenergie bis in den zweistelligen Prozentbereich einsparen. Spüren Sie das besonders in Deutschland, wo ja die Strompreise regelrecht explodiert sind?

Nun, der Treiber ist eigentlich nicht der Strompreis, sondern die steigenden Anforderungen an Energieeinsparungen. Jeder Staat in Europa verfolgt Klimaziele, womit Energieeinsparungen und die Reduktion von CO2 angestrebt werden. Der sommerliche Wärmeschutz leistet hier seinen Beitrag, hinzu kommt die Nutzung des Tageslichts mit Lamellenstoren. Was in der Schweiz schon weit verbreitet ist, entwickelt sich nun auch in Europa immer stärker.

„Interessanterweise ist der Grad der Motorisierung in Europa deutlich höher als in der Schweiz.“

Wie läuft das Geschäft in den „Südstaaten“, beispielsweise in Frankreich, wo ja die Sonne häufiger scheint?

Griesser ist in diesen Märkten seit 1921 vertreten – im Angebot vor allem hochwertige Sonnenschutzlösungen. Das Marktpotential dürfte aber noch nicht ganz ausgeschöpft sein, und auch diese Märkte dürften mittelfristig stabil bleiben.

Klapp-, Schiebe- oder Faltscherenläden? Wohin geht kurz gesagt der Trend?

In dieser Produktfamilie von Griesser gibt es zwei Ausprägungen, die Renovationslösungen, insbesondere Klappläden und die Architekturlösungen. Beides attraktive Märkte, wobei ich den Trend im Thema Renovationslösungen etwas höher einstufe.

Die EBIT-Marge in Ihrem technisch anspruchsvollen Geschäft liegt bei 3,3 Prozent. Was ist möglich und machbar?

Eine höhere Marge ist möglich und wird in den nächsten Jahren schrittweise realisiert. Wir arbeiten derzeit an der Finalisierung der Strategie und dem abgeleiteten Businessplan.

Das Aktienkapital von Griesser besteht aus 80 000 otc-gehandelten Aktien mit 100 Franken Nennwert. In den letzten Jahren wurden im Schnitt rund 40 Stück gehandelt. Pro Jahr. Kann man die Handelbarkeit verbessern?

Bisher war dies nicht Teil der Unternehmensstrategie. Aber natürlich gibt es da Möglichkeiten. Wir werden dies im Verlaufe des Jahres prüfen.

„Eine höhere Marge ist möglich und wird in den nächsten Jahren schrittweise realisiert.“

Beim jetzigen Aktienkurs liegen wir sogar 40 Prozent unter Buchwert. Wäre nicht Rückkauf eine Idee?

Die Anteile sind heute im Besitz von langjährigen Aktionären. Neben der finanziellen Komponente spielen auch emotionale Werte eine Rolle.

Der Kölner Markisenhersteller weinor, ist Ihre zweite starke Marke. Dort hat Griesser seinen Anteil um 2,5% auf 76,5% aufgestockt. Warum dieser Schritt über die Dreiviertel-Marke?

Griesser verfolgt hier das Ziel einer Übernahme der Anteile des Minderheitsaktionärs. Durch diese Übernahme wird Griesser zum einzigen Aktionär.

Gibt es bei Griesser eigentlich so etwas wie eine „Kriegskasse“?

Aktuell verfolgt Griesser keine Akquisitionsstrategie. Wir schliessen dies für die mittelfristige Zukunft aber nicht aus, werden aber sicherlich sehr selektiv vorgehen.

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