Urs Riedener, CEO Emmi Group im Interview

Urs Riedener
Emmi-CEO Urs Riedener. (Foto: Emmi)

Urs Riedener, CEO Emmi Group. (Foto: Emmi)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Riedener, Emmi hat im 1. Halbjahr Umsatzeinbussen (-3,8 %, organisch – 1,7 %) hinnehmen müssen, gleichzeitig aber das Ergebnis verbessert. Worauf führen Sie das trotz Frankenstärke gute Ergebnis zurück?

Urs Riedener: Die Ertragsverbesserung ist primär auf Preiserhöhungen im Ausland, Effizienzsteigerungsmassnahmen bei unseren ausländischen Produktionsbetrieben und die letztes Jahr vorgenommenen Verkäufe von Tochtergesellschaften mit unzureichender Rentabilität zurückzuführen.

Preiserhöhungen sind immer heikel. Es gibt ja sicherlich Kunden, die sich ein Produkt dann nicht mehr leisten wollen oder können. Wie stark haben die höheren Preise die Nachfrage gedämpft?

Wir haben solche Mengeneinbussen bewusst in Kauf genommen. Erwartungsgemäss sind sie denn auch beim Käseexport nach Europa – insbesondere nach Deutschland und Italien – eingetroffen. Insgesamt haben wir die negativen Auswirkungen der Euroschwäche aber gut verkraftet. Das Minus von insgesamt lediglich 0,7 % in Europa liegt klar über unseren ursprünglichen Befürchtungen.

«Insgesamt haben wir die negativen Auswirkungen der Euroschwäche aber gut verkraftet.»
Urs Riedener, CEO Emmi Group

Und wie reagieren Detailhändler auf die Preiserhöhungen? Gibt es auch Märkte, in denen Emmi-Produkte aufgrund der höheren Preise ausgelistet wurden?

Detailhändler haben nie Freude an Preiserhöhungen, das ist klar. Die Gründe lagen diesmal aber klar auf der Hand. Die Akzeptanz war dementsprechend sehr hoch, wenngleich die Diskussionen hart waren. Insbesondere, weil die Milchpreise in ganz Europa historisch tief sind.

Verstärkte Innovation gilt als eine der Massnahmen im Kampf gegen die Folgen der Frankenstärke. Emmi ist bekannt für immer neue Produkte und Kreationen. Wo legen sie bei diesen Entwicklungen die Schwerpunkte?

Unsere Innovationstätigkeit konzentriert sich weitgehend auf die Trends Genuss, Gesundheit, Convenience und Nachhaltigkeit. Beim Thema Genuss denken wir zum Beispiel an die Kaltbach-Käse oder unsere italienischen Desserts. Gesundheit umfasst unter anderem die zusatzstofffreien Jogurtpur, proteinreiche Produkte  das laktosefreie Sortiment. Convenience beinhaltet Produkte, die unterwegs konsumiert oder einfach portioniert werden können. Ins Thema Nachhaltigkeit gehören umweltfreundliche Verpackungen oder nachhaltigkeitszertifizierte Kaffeebohnen. Unter diesen Aspekten beleben wir das Sortiment unserer wichtigsten Markenprodukte laufend durch neue Sorten, saisonale Variationen oder Limited Editions.

«Unsere Innovationstätigkeit konzentriert sich weitgehend auf die Trends Genuss, Gesundheit, Convenience und Nachhaltigkeit.»

Im Schweizer Geschäft – dessen Anteil am Konzernumsatz 56 % beträgt – belief sich der Umsatzrückgang auf 3 %. Ein Grund dafür ist der boomende Einkaufstourismus. Lässt sich beziffern, wie gross die Einbussen von Emmi aufgrund der Einkäufe im Ausland sind?

Die Schweizer kaufen pro Jahr für etwa 9 Milliarden Franken im grenznahen Ausland ein – neben langlebigen Gütern auch Produkte des täglichen Verbrauchs. Die Milchprodukte dürften dabei gesamthaft mehrere hundert Millionen Franken ausmachen. Ein beträchtlicher Teil davon geht zu Lasten der Umsatzentwicklung von Emmi.

Deutlich höher als bei den Molkereiprodukten (-3,3 %) war die Umsatzeinbusse im Käsegeschäft mit einem Rückgang von 6 %. Die Käseimporte in die Schweiz nehmen etwa viermal stärker zu als die Exporte. Wachsende Billigimporte sind das eine, wie aber haben sich auch die Vorlieben der Konsumenten verändert?

Die rückläufigen Umsätze im Käsegeschäft haben nichts mit veränderten Konsumentenbedürfnissen zu tun. Die Vorlieben beim Käse sind sehr stabil.

In der Division Americas mit den Märkten in den USA, Kanada, Chile, Spanien, Frankreich und Tunesien konnte organisch ein Wachstum von 3 % verzeichnet werden. Welches waren hier die positiven Einflussfaktoren? Welche Produkte waren die wichtigsten Treiber im Auslandsgeschäft?

Wir haben in den umsatzstarken Märkten USA, Tunesien und Spanien zugelegt. In den USA konzentrieren wir uns stark auf das Käsegeschäft, wo wir nicht nur mehr lokal hergestellten Käse verkauften, sondern auch die Exporte aus der Schweiz steigerten. In Tunesien ist die Centrale Laitière de Mahdia mit der Marke Vitalait der zweitgrösste Milchverarbeiter des Landes. Hier freuen wir uns insbesondere über die gute Entwicklung der Desserts, die von der Wertschöpfung her besonders interessant sind. In Spanien haben sich die Verkäufe des laktosefreien Sortiments und von Emmi Caffè Latte sehr gut entwickelt.

In der Division Europa betrug der Umsatzrückgang bereinigt um Akquisitions- und Fremdwährungseffekte 0,7 % und damit wie Sie erwähnt haben weniger als erwartet. Während das Käsegeschäft belastete, resultierte bei den Frischprodukten ein organisches Wachstum. Was hat das europäische Geschäft positiv beeinflusst?

Wir haben die Verkäufe von Emmi Caffè Latte in verschiedenen europäischen Ländern gesteigert. Zudem können wir auf ein gutes Portfolio an lokal hergestellten Produkten zählen, unter anderem auf unsere italienischen Dessertspezialitäten. Auch die bekannten Onken-Jogurts entwickeln sich in Grossbritannien nach wie vor gut. Dort arbeiten wir laufend am Sortiment: Wir haben dieses Frühjahr eine Palette an „greek style“-Jogurts eingeführt.

«Ein Umsatzminus von 2 % bis 3 % auf Konzernstufe erscheint uns derzeit realistisch. «

Welche Ziele haben Sie sich für die zweite Jahreshälfte gesetzt?

Unsere Prognose basiert auf der Annahme, dass die in vielen Ländern zurückhaltende Nachfrage anhalten wird. Die Umsatzverluste durch Einkaufstourismus, Importdruck und Preiskampf werden in der Schweiz anhalten. Ein Umsatzminus von 2 % bis 3 % auf Konzernstufe erscheint uns derzeit realistisch. Die Reingewinnmarge wird im Emmi-üblichen Rahmen von gut 3 % zu liegen kommen. Dies, weil wir davon ausgehen, dass unsere ausländischen Tochtergesellschaften den eingeschlagenen Weg weitergehen und ihre Effizienz weiter verbessern werden.

Herr Riedener, wir bedanken uns für das Interview.

Zur Person:
Urs Riedener (1965, CH) ist seit 2008 CEO von Emmi. Riedener begann seine Laufbahn in verschiedenen Positionen bei Kraft Jacobs Suchard. Von 1995 bis 2000 arbeitete er bei der Lindt & Sprüngli Gruppe national und international in diversen Führungsfunktionen, zuletzt als National Sales Manager und Mitglied der Geschäftsleitung Schweiz. Bis 2008 leitete er beim Migros-Genossenschafts-Bund in Zürich das Departement Marketing und war Mitglied der Generaldirektion. Riedener ist Mitglied des Vorstands Promarca (Schweizerischer Markenartikelverband), Mitglied des Vorstands GfM (Schweizerische Gesellschaft für Marketing) und hat Einsitz im Verwaltungsrat der Conzetta AG.

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