Urs Stalder, CEO Sanitized AG

Urs Stalder

Urs Stalder, CEO Sanitized AG. (Foto: Sanitized)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Stalder, die spezielle Oberflächenbehandlung von Sanitized schützt Textilien vor Bakterien, Pilzen und Milben. Wie lange hält die Imprägnierung denn vor?

Urs Stalder: Grundsätzlich gilt es, zwischen den beiden Einsatzbereichen für die antimikrobielle Hygienefunktion von Textilien und Kunststoffen zu unterscheiden. Für beide Industrien bieten wir eine Vielzahl von Additiven mit ganz individuellen Funktionen. So individuell wie die Qualität und der Einsatzzweck der Endartikel, so unterschiedlich sind die Anforderungen. Grundsätzlich ist die Wirkung der Sanitized-Hygienefunktion auf die Gebrauchsdauer des Artikels ausgerichtet.

Was heisst das in Zahlen?

Bei Textilien, die für zahlreiche Kunden ausgerüstet wurden, wird eine Beständigkeit von bis zu 100 Wäschen bei 30 Grad garantiert. Bei Matratzen wurde eben ein sechsjähriger Langzeittest in einem Hotel abgeschlossen. Hier war selbst nach dieser langen Zeit noch der Schutz gegen Milben aktiv.

Wurden Sie schon mal von einem Haute Couture-Hersteller kontaktiert?

Nicht ganz Haute Couture, aber Top-Bekleidungsmarken vertrauen auf unsere Kompetenz. Da wäre zum Beispiel Hugo Boss, die Socken mit Sanitized ausgerüstet haben, oder Levi´s, für die wir eine spezielle Bekleidungslinie, die communter series,  hygienisch sicher gegen unerwünschte Gerüche gemacht haben.

«Wir liefern auch einen aktiven Beitrag für den verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen.»
Urs Stalder, CEO Sanitized AG 

Man kann sagen, dass die Story mit dem Kampf gegen stinkende Füsse vor 60 Jahren begann. Ist Ihr grösster Wachstumstreiber die zunehmende odorale Empfindlichkeit unserer Mitbürger?

Das haben Sie recht drastisch formuliert. Tatsächlich ist Frische für klassische Textilien nach wie vor ein Wachstumssegment. Daneben sind aber Anwendungen für technische und medizinische Artikel stark wachsend. Die Verwendung von Naturfaserverbundmaterialien zur Gewichtsreduktion im Fahrzeugbau zum Beispiel stellt neue Anforderungen an den Schimmelschutz. Textiles Bauen mit immer „luftigeren“ Konstruktionen stellte ebenfalls hohe Anforderungen an die Ästhetik und den Materialschutz. Hier öffnen sich neue Märkte für uns. Hier ist Sanitized mit seiner gesamten Dienstleistungs- und Produktpalette ein kompetenter Partner für die Industrie.

Es geht grundsätzlich immer um Hygienefunktion, um ein Frischegefühl bei Textilien, aber auch um das Verhindern von frühzeitiger Materialermüdung oder die Bildung von Schimmelflecken bei Gebrauchsgegenständen und technischen Artikeln. Textilien müssen weniger häufig gewaschen werden, die geschützten Artikel sind länger nutzbar. Wir liefern also einen aktiven Beitrag für den verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen.

Allergien haben in den letzten Jahren zugenommen. Wie stark befördert das Ihr Geschäft im Kampf gegen Milben.

Tatsächlich schätzen Allergiker die mit Sanitized ausgerüsteten Bettwaren, Gardinen oder Teppichböden. Weltweit nutzen Hersteller dieser Heimtextilien unsere Hygienefunktion. Die Nachfrage steigt und dieser Bereiche ist eine wichtige Säule in unserer internationalen Vertriebsstrategie.

Hygiene im öffentlichen Raum ist vor allem in Krankenhäusern ein Thema. Wie sieht da die Zusammenarbeit aus? Geht da etwas auf Ebene der Wäscherei?

In Zeiten von Pandemien und der zunehmenden Globalisierung, und der damit einher gehenden massiven Reisetätigkeit der Menschen, ist Hygiene im öffentlichen Raum, auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, Flughäfen und auch Schulen ein Thema. Hier gehören Hersteller von Bodenbelägen zu unseren Kunden, die Teppiche oder Kunststoffbodenbeläge antimikrobiell ausrüsten, um die Verbreitung von Erregern eindämmen. In Krankenhäusern ist natürlich das Thema MRSA-Resistenz eine grosse Herausforderung. Auch hier haben wir Additive für Kunststoffe entwickelt, die die Vermehrung der Bakterien verhindert. Einsetzbar sind diese Kunststoffe in Wandverkleidungen, Handläufen, Türgriffen oder Bedienelementen an Krankenbetten.

«Einfach ist nichts, denn es ist ja längst nicht damit getan, einen Wirkstoff zu entwickeln.»

Ich tippe einmal, dass die Behandlung von Oberflächen mit antiseptischen Silberpartikeln die einfachste Technik in Ihrem Hause ist?

Einfach ist nichts, denn es ist ja längst nicht damit getan, einen Wirkstoff zu entwickeln. Die Herausforderung und auch gleichzeitig die Stärke von der Sanitized AG ist es, die Kunden, die den Kunststoff zu den Endprodukten verarbeiten, beim Entwicklungs- und Produktionsprozess zu begleiten. Verträglichkeit mit anderen Additiven, Hitzebeständigkeit während der Produktion oder Waschbeständigkeit sind nur einige der Aspekte, die bei jedem Kunden individuell unterstützt werden.

Weshalb betonen Sie so sehr, dass es sich bei Sanitized Silver nicht um Nanopartikel handelt. Das wäre doch nichts Schlimmes?

Sicherheit während des Produktionsprozesses und auch während der Nutzung der von  uns ausgerüsteten Textilien und Kunststoff sind das oberste Gebot. In der Publikumspresse gab es immer wieder kritische Berichte über Nanopartikel und deren Verhalten und Auswirkungen auf den Menschen. Solange dazu aus unserer Sicht Unklarheiten bestehen, verzichten wir auf den Einsatz von Nanotechnologie ganz bewusst.

Weich-PVC wird von Mikroorganismen gerne als Nahrungsquelle genutzt, weshalb ihre Produkte auch hier der Materialzersetzung Einhalt gebieten können. Schimmel in und an Wänden ist im Bau ein grosses Thema. Haben Sie da neben bestehenden Produkten auch neue in der Pipeline?

Soeben erhielten wir den ITMA future materials award für eine Produktinnovation für Textilien im Ausseneinsatz. Planen, Markisen oder sonstiger Sonnenschutz sind extremen Bedingungen ausgesetzt. Die Herausforderungen entstehen zum einen durch die intensive UV-Bestrahlung durch Sonneneinstrahlung. Und zum anderen setzt die Feuchtigkeit dem Material zu: Insbesondere die Entwicklung von Schimmel führt zu unerwünschten Effekten – optisch durch Flecken und qualitativ durch frühzeitige Materialermüdung. Uns ist es gelungen, eine Technologie zu entwickeln, welche ausgezeichneten UV-beständigen Schutz gegen Schimmelbildung ermöglicht. Die Lebensdauer des Materials wird damit massiv erhöht, unerwünschte Flecken bleiben aus.

Wie viel Prozent Ihres Umsatzes fliessen in Produktsuche und F&E?

Nicht nur Umsatzprozente fliessen in Produktsuche, Forschung und Entwicklung. Es ist unser tägliches Bestreben, Innovationen zu finden und sowohl unsere Innovationsabteilung als auch Entwicklung investieren konstant in Neues. Im 2015 werden wir unser Applikationslabor ausbauen, um unsere Kunden mit neusten Technologien in ihren Produktionsprozessen zu unterstützen.

Wo können sich in Zukunft Kooperationen mit grossen Chemie- oder Life Science-Firmen ergeben?

Im klassischen Textil arbeiten wir seit über 30 Jahren mit Archroma (vormals Clariant Textil) als Distributionspartner zusammen. Die regulatorischen Anforderungen erhöhen sich ständig was die Kosten für die Produkte erhöht. Hier sehen wir Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Firmen die entweder Produkte von Sanitized  zur Ergänzung in ihr Portfolio aufnehmen oder in spezifischen Segmenten vermarkten.

Zur Person:
Urs Stalder ist CEO und Leiter Marketing in Personalunion. Nach einer kaufmännischen Ausbildung mit anschliessender berufsbegleitender Weiterbildung in den Bereichen Betriebswirtschaft, Marketing und Unternehmensführung war er zunächst bei verschiedenen Unternehmen in Verkauf und Marketing tätig bis er 1989 zu Sanitized stiess.

Zum Unternehmen:
Sanitized ist ein Schweizer Weltmarkführer  für mikrobiologische Hygienie und Materialschutz. In eigenen Labors in Burgdorf/BE werden seit über einem halben Jahrhundert immer neue Wege gefunden, um Textilien und Kunststoffe vor Bakterien, Pilze und Milben zu schützen. 2013 wurde das Unternehmen mit dem Swiss Technology Award ausgezeichnet. Neben den wirkungsvollen Produkten umfasst das Leistungsangebot Beratung für Marketing- und Technikfragen, vielfältige Testservices sowie ein fundiertes Marken- und Lizenzkonzept. 

 

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