Valentin König, Vorsitzender der Geschäftsleitung Aletsch Bahnen AG, im Interview

Valentin König
Valentin König, CEO der Aletsch Bahnen AG. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr König, über die Feiertage ist die Schneefallgrenze in den Alpen gewaltig nach oben gerutscht. Was bedeutet das für die Skisaison?

Valentin König: Die Aletsch Bahnen AG profitiert von einer privilegierten Situation, da wir einerseits über eine sehr schlagkräftige Beschneiungsanlage und anderseits über eine Höhenlage unseres Skigebiets, grundsätzlich 2000 Meter und höher, verfügen. Diese Höhenlage führt dazu, dass wir auf dem Plateau der Aletsch Arena Naturschnee vorweisen können, welcher in den Destinationen in tieferen Lagen an diesen Tagen quasi komplett gefehlt hat. Höhenlage, technischem und Naturschnee sei Dank können wir unseren Gästen wirklich sehr gute Wintersportbedingungen anbieten. So sind denn auch alle Hauptpisten jetzt geöffnet.

«Die Aletsch Bahnen AG profitiert von einer privilegierten Situation, da wir einerseits über eine sehr schlagkräftige Beschneiungsanlage und anderseits über eine Höhenlage unseres Skigebiets, grundsätzlich 2000 Meter und höher, verfügen.»
Valentin König, Vorsitzender der Geschäftsleitung Aletsch Bahnen AG

Die Gemeinden Bettmeralp und Fiesch verzichteten auf die Festbeleuchtung. Wie bereiten sich die Aletschbahnen auf eine allfällige Strommangellage vor?

In dieser Thematik muss man die Relationen richtig sehen: Die Bergbahnen der Schweiz verbrauchen 0.3% des jährlichen Stromverbrauchs in der Schweiz und verantworten eine Wertschöpfung von rund sechs Milliarden Franken in den Wintermonaten. Wichtig ist ebenfalls zu wissen, dass der Bundesrat im Spätherbst betreffend einer möglichen Strommangellage für den Winter 2022/23 grundsätzlich Entwarnung gegeben hat. Die mangelnde Dringlichkeit zeigt auch die Tatsache, dass der Bundesrat die entsprechende Verordnung im Dezember 2022 nicht verabschiedet hat.

Trotzdem rät er aber unablässig und wohl nicht grundlos zur Vorsicht.

Stand heute befindet sich die Schweiz derzeit auf der Stufe 1, also auf der Ebene der freiwilligen Sparappelle. Aus diesem Grund ist es jeder Unternehmung selbst überlassen, welche Massnahmen umgesetzt werden. Selbstverständlich setzen wir diesen Sparappell mit grossem Engagement um. Im Moment sind bei uns vor allem Massnahmen im Fokus, die keine grossen Auswirkungen auf das Angebot und damit für unsere Gäste haben. Dabei orientieren wir uns am Online-Energietool, welches der Branchenverband Seilbahnen Schweiz (SBS) mit externen Experten entwickelt hat und den einzelnen Bergbahnen erlaubt, ihre Energiesparmassnahmen zu simulieren. Dieses Tool weist über 90 mögliche Massnahmen auf und hilft uns, dieses wichtige Thema sehr strukturiert, aber auch sehr praxisbezogen anzugehen.

«Die Bergbahnen der Schweiz verbrauchen 0.3% des jährlichen Stromverbrauchs in der Schweiz und verantworten eine Wertschöpfung von rund sechs Milliarden Franken in den Wintermonaten.»

Die gemischte Nutzung aus Erst- und Zweitwohnungen oben auf der Alp ist sicher ein Erfolgsrezept der Aletschregion. Bringt der Klimawandel bald grössere Herausforderungen?

Der gesamte Alpenraum ist vom Klimawandel betroffen. So auch die Aletsch Arena. Am Eggishorn fordert uns der abschmelzende Permafrost. Das hat dazu geführt, dass wir die Rückfahrtspiste ab dem Eggishorn präventiv schliessen mussten. Im Moment erarbeiten wir Lösungen, um diese Piste wieder nachhaltig verfügbar zu machen. Im Umgang mit diesen Herausforderungen lassen wir uns bei der Aletsch Bahnen AG immer von zwei Grundsätzen leiten: Erstens hat die Sicherheit der Gäste für uns oberste Priorität und zweitens arbeiten wir mit Experten zusammen, die uns in der Beurteilung der Situation helfen.

Der Klimawandel birgt aber aus meiner Sicht gerade für den Sommertourismus in den Alpen eine grosse Chance. Ich bin überzeugt, dass inskünftig die Leute vermehrt der Sommerhitze entfliehen werden, um in der Bergfrische Ferien und Erholung suchen. Wir sind seitens Aletsch Bahnen AG überzeugt, dass das «Geschäftsfeld Frühling – Sommer – Herbst» bei uns noch viel Potenzial aufweist. Auch aus diesem Grund haben wir in unserer Unternehmensstrategie unser Leuchtturm Projekt «Eggishorn 2025» aufgeführt. So soll die derzeitige Pendelbahn auf den einzigartigen Aussichtspunkt Eggishorn ersetzt werden. Gleichzeitig soll auf dem Eggishorn in der neuen Bergstation eine Inszenierung und ein Restaurant erstellt werden.

Die Aletsch Bahnen AG will bei der Bergstation Moosfluh einen geologischen Rundweg realisieren, um Ihre Gäste auch für die Natur und den Umweltschutz zu sensibilisieren. Wie wird das aussehen?

Dieser Rundweg soll durch das von den geologischen Rutschungen aufgerissene Gelände westlich der Bergstation Moosfluh. Die Inszenierung der geologischen Prozesse erfolgt mittels Stelen. Auf diesen soll auf die Gründe und die Folgen dieser geologischen Veränderungen aufmerksam gemacht werden.

Wieso hat ausgerechnet die Pro Natura dagegen Einsprache erhoben?

Wir können dies nicht nachvollziehen, da wir mit dem geplanten Geologiesteg doch die Themen Klimawandel und Umweltschutz in den Vordergrund stellen, um unsere Gäste darauf zu sensibilisieren. Wir sind auch überzeugt, dass dieser Themenweg genau den Interessen unserer Gäste entspricht und ganz konkret zum Umweltschutz sensibilisieren kann, da nirgends besser als in den Alpen der Klimawandel und seine Auswirkungen sichtbar gemacht werden können. Es gilt nun die Entscheidungen der zuständigen kantonalen Dienststellen abzuwarten. Wir sind zuversichtlich, dass wir den Geologiesteg im kommenden Sommer realisieren können.

«Wir sind zuversichtlich, dass wir den Geologiesteg im kommenden Sommer realisieren können.»

Endlich gibt es auch ein Kombiticket für Skifahrer und Langläufer: ein Saisonskipass der Aletsch Arena kombiniert mit der Saisonkarte Talisman der Loipe Goms inklusive Fahrten mit der MGBahn zwischen Brig und Oberwald in der 2. Klasse. Werden mit dem Einstiegspreis von knapp 1000 Franken vornehmlich die Einheimischen angesprochen?

Der Erfolg im letzten Winter 2021/22 hat uns aufgezeigt, dass wir mit diesem Kooperationsprodukt dem Bewegungs- und Naturbedürfnis vieler Gäste entsprochen haben. Dieses überregionale Angebot in Verbindung mit der Saisonkarte beziehungsweise Jahreskarte ist in der Tat vor allem für unsere Gäste aus dem Oberwallis und für Zweitwohnungsbesitzer in der Aletsch Arena und im Goms gedacht.

Wo sehen Sie für das laufende Betriebsjahr bei den Aletschbahnen die Zielgrösse bei den Frequenzen? In der letzten Wintersaison wurde ja sogar der Vor-Coronawert übertroffen…

Wir blicken auf ein Rekordwinter 2021/22 mit insgesamt 24,111 Millionen Franken Personenertrag zurück. Zum Erfolgsrezept einer derart guten Wintersaison gehören konstant gute Pistenverhältnisse, viele Sonnentage und per se ein hoher Anteil an Schweizer Gästen in Zeiten von Covid. Des Weiteren haben die weniger rigiden Covid-19-Bestimmungen und die geöffneten Gastrobetriebe im letzten Winter dieses Top-Resultat mitbeeinflusst. Es wird schwierig sein, dieses Ergebnis zu übertreffen.

Wie sehr werden in diesem Jahr die höheren Stromkosten schmerzen?

Strom- und Dieselkosten gehören, neben den Personalkosten, zu den grössten Kostenblöcke bei einer Bergbahn. Durch unsere Beschaffungspartnerschaft mit unseren Energiepartnern, welche sich mittels gestaffelter Strombeschaffung über mehrere Jahre erstreckt, fällt die Energiekostenerhöhung für uns im Branchenvergleich weniger stark aus.

Ich nehme an, dass die Kosten für die Beschneiung diesmal deutlich über einer Million zu liegen kommen, egal wie der Winter ausfällt?

Wir produzieren mit unseren 141 Schneekanonen und 213 Beschneiungslanzen pro Winter im Schnitt rund 1’100’000 Kubikmeter technischen Schnee. Für die laufende Wintersaison 2022/23 wurde die technische Beschneiung grundsätzlich per Ende Dezember 22 abgeschlossen. Somit wird der Energiebedarf bei der technischen Beschneiung noch mit den Energiepreisen vom Kalenderjahr 2022 verrechnet, so dass sich die Kostensteigerung im Rahmen halten sollte.

«Im Oberwallis hat sich dieser Fachkräftemangel durch das grosse Wachstum der Lonza in Visp zusätzlich akzentuiert.»

Im letzten Betriebsjahr sprachen Sie auch den Fachkräftemangel an. Wo herrscht da genau Mangel?

Der Fachkräftemangel betrifft grundsätzlich den gesamten Arbeitsmarkt in der Schweiz. Im Oberwallis hat sich dieser Mangel durch das grosse Wachstum der Lonza in Visp zusätzlich akzentuiert. Bei der Aletsch Bahnen AG gestaltet sich die Rekrutierung von Personal grundsätzlich über alle Stellenprofile zunehmend schwieriger. Vor allem aber bei technischen Berufen wie Elektriker, Elektroniker und Mechaniker ist der Fachkräftemangel stark ausgeprägt. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass wir gerade in den seilbahntechnischen Berufen selber Lehrlinge ausbilden und damit den eigenen Nachwuchs absichern.

Die freiwillige Gewinnreserve von 6,7 Millionen ist ein gutes Netz. Wann gibt es wieder Dividende für die Aktionäre?

Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung der Aletsch Bahnen AG wollen grundsätzlich jährlich eine Dividende auszahlen, abhängig von den jeweiligen Jahresergebnissen. Wegen des sehr guten Ergebnisses der Aletsch Bahnen AG im Geschäftsjahr 2021/22 hat die Aletsch Bahnen AG selbstverständlich eine Dividende von 5% ausgeschüttet.

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