Willy Michel, CEO und VRP Ypsomed

Willy Michel

Willy Michel, CEO und VRP Ypsomed.

Von Christa W. Spoerle

Moneycab: Herr Michel, Sie sind seit August wieder alleiniger Kapitän der Ypsomed, was sind Ihre wichtigsten Ziele für die kommenden Jahre?

Willy Michel: Ich lege den Fokus hauptsächlich auf die Kostenseite, aber auch um den Aufbau neuer Verkaufskanäle werde ich mich kümmern. Mit dem Auf- und Ausbau des Diabetes Handelsgeschäfts und der Neupositionierung des Geschäftsbereiches Injektionssysteme haben wir in den vergangenen Jahren viel investiert, was sich nun erlösseitig auszahlen muss. Nun müssen wir schauen, dass wir mit einer optimalen Kostenstruktur zu einer akzeptablen Profitabilität zurückkehren.

Zudem ist mir die Markteinführung der neuen Insulinpumpe im Jahr 2013 wichtig, welche aufgrund ihrer kostengünstigen Herstellung einzigartig ist und uns grosse Marktchancen eröffnet.

Haben Sie schon eine Zeitvorstellung, wann Sie den CEO-Posten an Ihren Sohn übergeben wollen?

Mein Sohn Simon Michel wird den CEO-Posten in den kommenden zwei bis drei Jahren übernehmen.

Wie wollen Sie die Abhängigkeit von ihrem Hauptkunden Sanofi-Aventis weiter verringern?

Wie weiter oben erwähnt, haben wir in den vergangenen fünf Jahren das Diabetes Handelsgeschäft auf- und ausgebaut. Zudem haben wir jüngst im Injektionsbereich, welcher die Insulinpens und die Autoinjektoren umfasst, die Produktpalette und das Dienstleistungsangebot klarer positioniert. Mit diesen Massnahmen konnten wir unsere Umsatzbasis breiter diversifizieren und z. T die wegfallenden Sanofi-Umsätze kompensieren. Aktuell erzielen wir noch rund 18% unseres Umsatzes mit Sanofi, in Zukunft werden es noch ungefähr 10% sein.

«In Zukunft werden wir nur noch 10% des Umsatzes mit Sanofi tätigen.»
Willy Michel, CEO und VRP Ypsomed

In welchen Ländern wächst Ypsomed derzeit am deutlichsten?

Darüber machen wir keine konkreten Angaben. In denjenigen Ländern, in welchen wir die schlauchlose Insulin-Patch-Pumpe OmniPod einführen konnten, wurden diesbezüglich unsere Erwartungen erfüllt.

Was versprechen Sie sich vom kürzlich angekündigten „mylife Omnipod“?

Es handelt sich hierbei um die zweite, verbesserte Generation der schlauchlosen Insulinpumpe. Der neue OmniPod ist rund ein Drittel kleiner und leichter als das Vorgängermodell und Anwendererfahrungen aus über vier Jahren sind in die Weiterentwicklung geflossen. Mit der neuen Generation werden wir den technologischen Vorsprung gegenüber unseren Konkurrenten weiter vergrössern und unsere Marktanteile ausbauen.

Welche neuen Produkte haben Sie noch in der Pipeline?

Im Handelsgeschäft schauen wir uns immer wieder innovative Produkte an, welche in unser Portfolio passen könnten. Im Moment liegt dort der Fokus auf der Einführung des OmniPod und OmniPod 2 in bestehenden und neuen Märkten sowie in der Einführung des von ICU Medical Inc. übernommenen Infusionssets. Wie ich schon erwähnt habe, wollen wir in der zweiten Hälfte 2013 eine neue Insulinpumpe einführen, welche in ihrer Bauweise neuartig ist und kostengünstig produziert werden kann. Einen zusätzlichen Vorteil bietet die einfache Bedienung und Handhabung für den Diabetiker.

Mit welchem Frankenkurs gegenüber EUR könnten Sie am ruhigsten schlafen?

Bei einem Euro-Kurs von mindestens CHF 1.35.

Von der kürzlichen Übernahme des Infusionssetgeschäfts der amerikanischen ICU Medical erwarten Sie einen positiven Effekt auf die Margen. Können Sie das grosso modo beziffern und erläutern?

Der Infusionsset-Markt ist sehr interessant und bereits über eine Milliarde Dollar gross. Mit der Akquisition dieses Geschäftsbereichs der ICU Medical Inc. gelangt das Infusionsset, welches wir seit April dieses Jahres als Handelsprodukt vertrieben haben, in unser Eigentum. Mit einem optimalen Produktionsprozess generiert man zwangsläufig eine höhere Marge, als wenn man das Infusionsset als Zwischenhändler vertreibt.

Könnten Sie sich denn noch weitere Akquisitionen vorstellen und in welchen Bereichen?

Interessanten Investitionsmöglichkeiten im Diabetesbereich stehen wir jederzeit offen gegenüber. Wenn die Investition einen Nutzen generiert, der unseren Vorstellungen entspricht, können wir uns durchaus weitere Akquisitionen vorstellen.

«Im Diabetesbereich können wir uns durchaus weitere Akquisitionen vostellen.»

Rechnen Sie damit, dass mit den jüngsten Entlassungen den Stellenabbau beendet haben?

Wir müssen jetzt mit dem bestehenden Personalbestand neue Kundenprojekte gewinnen und im Handelsgeschäft die Verkäufe weiter steigern. Weiterer Abbau ist nicht geplant. Die Strukturen einer Unternehmung müssen jedoch periodisch analysiert werden.

Können Sie sich vermehrt eine Verlagerung der Produktion ins kostengünstigere Ausland vorstellen?

Bei neuen Produkten klären wir diese Option jeweils ab. Eine Auslagerung ins Ausland macht vor allem bei Produkten Sinn, wo viele Prozessschritte manuell durchgeführt werden.

Wie wichtig ist Diversity für Ihr Unternehmen und welche Massnahmen sind in Ihrem Unternehmen zum Thema geplant oder schon umgesetzt?

Ich bin überzeugt, dass die Individualität der Mitarbeitenden und die damit einhergehende soziale Vielfalt einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Chancengleichheit fördern wir beispielsweise in der Personalentwicklung: Wir bieten drei verschiedene Kaderlaufbahnen an, die für Fachspezialisten und für Frauen einen Kaderstatus ermöglichen. Der Gedanke einer ausgeglichenen Work-Life-Balance – Jahresarbeitszeit, Teilzeitarbeit, unbezahlter Urlaub – ist bei uns verankert. Wir bieten Arbeitsplätze für Menschen mit einer Behinderung an. Bei der Anstellung von Mitarbeitenden achten wir auf eine gute Altersdurchmischung und stellen auch ältere Mitarbeitende an.

Wie schätzen Sie die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Führungsnachwuchses ein?

Die Schweizer Hochschulen schneiden in internationalen Vergleichen jeweils gut bis sehr gut ab. Auch das duale Bildungssystem und die Fachhochschulen sind vorbildlich. Aus diesem Grund bringt die Schweiz meiner Meinung nach sehr gut ausgebildeten Führungsnachwuchs auf den Markt, der durchaus wettbewerbsfähig ist. Zudem ist die Lehrlingsausbildung mehr denn je wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz.

Zur Person:
Dr. h. c. Willy Michel, Jahrgang 1947,  ist CEO/Vorsitzender der Geschäftsleitung der Ypsomed Gruppe und Präsident des Verwaltungsrates der Ypsomed Holding AG. Er war seit 1984 ununterbrochen Präsident des Verwaltungsrates der von ihm mitgegründeten Disetronic Gruppe und ab 1994 der heutigen Ypsomed Gruppe. Im Rahmen des Verkaufs der Disetronic an die Roche Holding AG im Jahre 2003 kaufte Dr. h. c. Willy Michel den Injektionsbereich der Disetronic zurück, der fortan unter Ypsomed firmiert. Vor Gründung der Disetronic sammelte Dr. h. c. Michel bei mehreren Industrie- und Pharmafirmen umfassende Erfahrungen in den Bereichen Entwicklung, Aussendienst und Marketing und er stand sechs Jahre an der Spitze von Novo Nordisk Schweiz.

Zum Unternehmen:
Die Ypsomed Gruppe entwickelt und produziert Injektionssystemen für die Selbstmedikation. Im Jahre 2003 aus der bekannten Disetronic hervorgegangen, bietet sie heute Insulinpumpen und Injektionssysteme sowie Pen-Nadeln zur Behandlung von Diabetes, Wachstumsstörungen, Unfruchtbarkeit und anderen therapeutischen Bereichen an. Die Ypsomed Gruppe hat ihren Hauptsitz in Burgdorf.und ist an Schweizer Börse SIX und der BX Bern  Exchange kotiert. Sie verfügt über mehrere Produktionsstandorte in der Schweiz sowie über führende, unabhängige Diabetes-Vertriebsgesellschaften in ganz Europa. Die Ypsomed Gruppe beschäftigt rund 1’050 Mitarbeitende und erzielte im Geschäftsjahr 2010/2011  einen Umsatz von 240 Mio CHF.

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