Artur P. Schmidt: Tragbare Technik

Google Glass

Google Glass. (Foto: Google)

Von Artur P. Schmidt

Die Verschmelzung des menschlichen Körpers mit der Technik ist im vollen Gange. Die Bezeichnung für die neuen Mensch-Maschine-Produkte lautet Wearable Technologies.  Tragbare Geräte stehen dank neuer Technologien vor einem Boom. Auch Internetschwergewichte wie Google sehen hier mittlerweile Grosse Ertragspotentiale.

Kommt ein neuer Hype?
Was im Fitness- und Medizinbereich begann weitet sich auf smarte Uhren, Headup-Displays für jedermann, intelligente Hosenriemen oder auf Produkte wie Google Glass aus, einem kleinen Computer mit einem kleinen Bildschirm, welcher sich im Blickfeld des Anwenders befindet ähnlich einer Brille. Mit dieser können Bilder und Videos gemacht werden, der Nutzer kann aber auch seine Position bestimmen, Fragen stellen und Nachrichten senden. Hierbei wird die intelligente Brille mit einem Smartphone über Bluetooth gekoppelt. Smartwatches sind auch immer mehr im Gespräch, insbesondere seid Apple an einer IWatch und Samsung an der Galaxy Gear Smartwatch arbeiten. Mit der Smartwatch kann der Nutzer z.B. Musik hören, telefonieren, die Zeit ablesen oder seine aktuelle Position bestimmen. Neben Apple forcieren auch Samsung, LG und Microsoft ihre Anstrengungen mit tragbaren Techniken. Die Experten streiten sich jedoch wie gross der Boom sein könnte. Während IMS Research jährliche bereits Verkäufe von tragbaren Geräten von 170 Millionen im Jahr 2016 sieht, werden für BI Intelligence die Verkäufe bis zum Jahr 2018 auf 300 Millionen Einheiten und für ABI Research sogar auf 485 Millionen Einheiten ansteigen. Die Schweizer Grossbank Credit Suisse sieht den Markt für tragbare Technologie innerhalb der nächsten fünf Jahre auf  30 bis 50 Milliarden USD anwachsen. Es wird mit jährlichen Wachstumsraten von 40 Prozent gerechnet. Es liegt auf der Hand, dass sich angesichts solcher Erwartungen der Wettbewerb intensivieren wird, deshalb wird entscheidend sein, welche Mehrwertdienste und Innovationen diese neuen Gadgets begleiten werden.

Engpassfaktor Spracherkennung
Die entscheidende Frage, die sich stellt ist ob Smartwatches nur bei Fitnessbegeisterten oder auch im Geschäftsleben Einzug halten werden. Für bestimmte Berufsklassen im Medizinbereich könnten solch intelligente Uhren durchaus eine grosse Hilfe darstellen. Ärzte könnten über Alarmsysteme schneller informiert werden, wenn Patienten in einen kritischen Zustand geraten. Der entscheidende Vorteil und auch der kritische Part bei tragbaren Anwendungen ist, dass der Nutzer keine Texteingaben machen muss, sondern dass das ganze auf der Spracherkennung basiert. Je besser die Spracherkennung funktioniert, desto besser kann sich die tragbare Technik durchsetzen. Firmen wie Nuance, die sich auf Spracherkennung spezialisiert haben, sind somit der entscheidende Engpass für die Marktpenetration der neuen Technologien. So gewinnen in letzter Zeit immer mehr tragbare Produkte an Aufmerksamkeit wie z.B. Fitbit Flex oder die Pebble Smartwatch.
Fitbit Flex z.B. überwacht zurückgelegte Strecken, Schlafrhythmen und Trainingseinheiten. Ein anderes kommerzielles Beispiel für tragbare Geräte ist das Nike (NKE) Fuelband, ein flexibles Armband, welches die Bewegungen des Nutzers aufzeichnet.

Freie Hände
Google Glass soll seinen Nutzern eine Erfahrung geben, bei der virtuelle und reale Ebenen sich überlagern, die sogenannte Augmente Reality.  Hierbei liegt es auf der Hand, dass tragbare Geräte für Arbeiter in Lagerhäusern, Speditionen, Rettungsdienste oder Sicherheitspersonal wertvolle Dienste liefern Können. Mit einem Computer zu arbeiten und gleichzeitig die Hände frei zu haben, kann auch völlig neue Anwendungsfelder eröffnen.  So kann z.B. während einer Autofahrt ein Wordtext erstellt werden, voraussetzt der Autofahrer ist durch die Spracheingabe nicht zu sehr abgelenkt. Das parallele Verarbeiten von Informationen und Wissen kann durch die tragbaren Techniken einen deutlichen Schub bekommen, auch wenn wir uns mit analoger Verarbeitung leichter tun. Wenn z.B ein Automechaniker über ein Headup Display die Konstruktionsanleitung vor sich hat, so kann er effizienter Reparaturen durchführen oder ein Wartungsarbeiter einer Energieversorgungsanlage kann sich die Baupläne visualisieren und so schneller seine Tätigkeit fertigstellen. Auch können tragbare Geräte die Arbeit für Fliessbandarbeiter sicherer machen. Jeder der schnellen Zugriff auf Daten benötigt, wie z.B. Vertriebsleute, Feuerwehrleute im Einsatz, Immobilienhändler, Rechtsanwaelte oder Ärzte, aber auch Soldaten, können von der tragbaren Technik deutlich profitieren.

Missbrauch ist möglich
Allerdings sollte man bei aller Euphorie auch nicht die Risiken der neuen Technologien ausser acht lassen. Die extreme Datensammelwut von Unternehmen und Regierungen kann in Verbindung mit tragbaren Geräten einen neuen Schub erfahren. Hier müssen die Verbraucher jedoch geschützt werden, damit die Freiheit der Bürgers nicht eingeschränkt wird. Google Glass kann alles aufnehmen, was der Betrachter sieht, was auch ermöglicht Gespräche mitzuschneiden, ohne dass es das Gegenüber erkennt. Besonders wenn es um sensitive Informationen geht, können derartige Geräte auch zur Spionage eingesetzt werden, was insbesondere durch Wirtschaftskriminalität für viele Firmen einen grossen Schaden bedeuten kann. Die lückenlose Aufzeichnung der Gesundheitsdaten birgt  ebenfalls die Gefahr des Missbrauchs, insbesondere wenn diese Daten an Dritte weitergeben würden. Bei der Implementierung von Gesundheitsfunktionen muss sichergestellt sein, dass die vor dem Zugriff unbefugter Dritter geschützt werden.

Lokale Intelligenz
Der Trend geht ganz klar dahin, dass Intelligenz in vielen Alltagsgegenständen Einzug hält. Was mit Armbändern für Jogger begann kann die gesamte Kleidungsindustrie revolutionieren. Schuhe mit elektronischen Sensoren, Juwelen mit Positionsbestimmung, Trinkbecher mit Messtechnik etc. werden durch den Einsatz immer kleinerer Mikrochips ermöglicht. Wearables werden immer mehr in das tägliche Leben integriert. So sammelt Google Now über den Nutzer Informationen, um besser dessen Bedürfnisse antizipieren zu Können. Hierbei gilt, dass je mehr Daten eine Smartwatch oder ein andres Gerät sammeln kann, desto praktikabler kann es für einen Nutzer werden. Apple setzt mit seinem mobilen Betriebssystem iOS7 voll auf den Trend der Datensammlung mit tragbaren Geräten. Apple positioniert sich hierbei zunehmend als ein Hub für Smart Devices. Apple interessiert sich zunehmend für Unternehmen, die sich auf Biotechnologie, Sensorik und Wearables spezialisiert haben. Erst letztes Jahr im November kaufte Apple das israelische Unternehmen PrimeSense für 350 Millionen USD, welches 3D Sensoren und Computer Chips herstellt. In den letzten Monaten hat Apple immer mehr hochrangige Mitarbeiter aus dem medizinischen Sektor eingestellt, ein klares Indiz dass das Unternehmen in tragbaren Geräten hohe Wachstumschancen sieht. Mit der Integration neuer Gesundheits-Funktionen könnte Apple dem Käufer der intelligenten Uhr iWatch jedenfalls einen deutlichen Mehrwert bieten. Die Wearable Technology kann dann durch das Affective Computing weiter verbessert werden. Durch Gestensteuerung, Gehirnstrommessung und Stimmerkennung können die Geräte dann zukünftig sogar emotionale Schwankungen erkennen.

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Über Artur P. Schmidt
Der Wirtschaftskybernetiker Dr.-Ing. Artur P. Schmidt wurde in Stuttgart geboren. Er besuchte im Stadtteil Zuffenhausen das Ferdinand-Porsche-Gymnasium und machte dort das Abitur. Das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart und Berlin schloss er im Alter von 27 Jahren mit  der Bestnote im Fachgebiet Raketentechnik ab, so dass ihm von Prof. H.H. Koelle die Promotion angetragen wurde. Im Alter von 30 Jahren erhielt Artur P. Schmidt den Doktortitel für ein kybernetisches Marktanalyse-Verfahren am Beispiel der Strategischen Planung von Airbus Industries. Nach einer Beratungstätigkeit bei Anderson Consulting sowie als Leiter der Strategischen Analyse der Ruhrgas AG war Dr. Schmidt Stipendiant der Stiftung zur Förderung der systemorientierten Managementlehre und letzter Schüler von Prof. Hans Ulrich, dem Begründer des St. Galler Management-Ansatzes. Während dieser Zeit begann Dr. Schmidt seine publizistische Laufbahn, aus denen Bestseller wie «Endo-Management» und «Der Wissensnavigator» sowie Wirtschaftsbücher wie «Wohlstand_fuer_alle.com» oder «Crashonomics» hervorgingen. Sein neuestes Buch, welches im EWK-Verlag erschienen ist, heisst  «Unter Bankstern».
Heute ist Artur P. Schmidt Herausgeber des Online-News-Portals www.wissensnavigator.com sowie der Finanz-Portale www.bankingcockpit.com, www.wallstreetcockpit.com und thenavigator.mobi sowie Geschäftsführer der Tradercockpit GmbH. Dr. Schmidt ist ein gefragter Keynote-Speaker sowie Kolumnist für zahlreiche Finanzpublikationen.

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