BKW baut IT-Geschäft mit Übernahme stark aus

Suzanne Thoma
BKW-CEO Suzanne Thoma. (Foto: BKW)

Bern – Die BKW rückt immer weiter weg vom traditionellen Stromgeschäft. Seit Jahren kauft der Energiekonzern kräftig im Dienstleistungsgeschäft zu, allerdings in verwandten Bereichen wie Gebäudetechnik oder Infrastruktur. Jetzt will er auch zum IT-Dienstleister werden.

Die BKW übernimmt den IT-Dienstleister UMB, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Damit wird die sich noch im Aufbau befindende IT-Sparte um rund 500 Mitarbeitende ausgebaut.

UMB soll Teil der BKW-Division «Building Solutions» werden, bleibt aber eine eigenständige Gesellschaft. Die anderen BKW-IT-Firmen Swisspro Solutions, Ngworx und AlphaTrust.ch sollen mittelfristig in UMB integriert werden, und der Name soll für die gesamte IT-Sparte erhalten bleiben. So entstehe ein IT-Dienstleister mit über 800 Mitarbeitenden.

Unabhängig von Energie
Mit der Übernahme erhofft sich die BKW «die technologischen und digitalen Kompetenzen» innerhalb der ganze Gruppe zu stärken. Zudem verlangten die Kunden nach «ganzheitlichen» Lösungen bei der Digitalisierung des Gebäude- und Infrastrukturgeschäfts, und auch im Energie- und Netzgeschäft könne so die IT-Kompetenz gestärkt werden.

Aber auch unabhängig vom Energiegeschäft sei es sinnvoll und auch angedacht, IT-Dienstleistungen anzubieten, sagte Mathias Prüssing, Leiter von Building Solutions, am Dienstag an einer Telefonkonferenz für Journalisten. Auch eine Expansion ins Ausland sei nicht ausgeschlossen. Aber kurz- und mittelfristig werde man sich erst einmal auf den «attraktiven» Schweizer Markt konzentrieren.

Man müsse das ganze Energiegeschäft heute neu denken, das klassische gebe es in der früheren Form nicht mehr, fügte BKW-Chefin Suzanne Thoma hinzu. Und es gehe bei dem IT-Geschäft nicht um etwas, «was wir jetzt auch noch machen», sondern um etwas, «was organisch zu uns gehört, wenn wir das Unternehmen so weiterentwickeln wollen wie wir es jetzt in den letzten Jahren getan haben».

Krisenresistente Bereiche
Um auf einer stabilen Basis zu wachsen, brauche es auch krisenresistente Bereiche, die nicht alle von den gleichen externen Treibern abhängig seien, so Thoma. Man wolle eben nicht nur vom Strompreis abhängig sein und von extremer Volatilität, «wie wir sie eben jetzt an den Energiemärten sehen».

Geleitet werden soll UMB ab kommendem Jahr von Martin Gartmann, heute verantwortlich für den Verkauf und die Unternehmensentwicklung der IT-Firma. Der bisherige Inhaber und CEO Matthias Keller zieht derweil in den Verwaltungsrat von BKW Building Solutions ein.

Der Abschluss der Übernahme wird den Angaben zufolge im ersten Quartal 2022 erwartet und unterliegt der behördlichen Genehmigung. Zum Preis werden keine Angaben gemacht.

Rentables Geschäft
Man könne aber davon ausgehen, dass die BKW vorsichtig sei und nur Akquisitionen tätige, die Wert für die Aktionäre schafften, sagte Thoma. Im ersten Jahr fielen immer auch Akquisitions- und Integrationskosten an. Darüber hinaus werde die Übernahme aber die Gesamtperformance des Konzerns verbessern.

UMB hat seinen Hauptsitz in Cham, beschäftigt an elf Standorten rund 500 Mitarbeitende und erzielt einen Umsatz im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Das Angebot umfasst Technologie- und Business-Transformation mit Consulting, Engineering, Operation Services, Cloud-Angeboten sowie Hard- und Software.

An der Börse bewegt sich die BKW-Aktie am Dienstag gegen Mittag mehr oder weniger im Einklang mit dem Gesamtmarkt und legt 0,7 Prozent auf 117,80 Franken zu. «Wir erachten die Akquisition als Fortsetzung der bisherigen Akquisitionsstrategie im Segment Dienstleistungen», kommentiert Mirabaud den Kauf. (awp/mc/ps)

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