Für smarte IT braucht es keine eigenen Programmierer

Für smarte IT braucht es keine eigenen Programmierer
(Foto: carlos castilla - Fotolia.com)

Hannover – Die digitalen Aufgaben für Unternehmen und Verwaltung werden immer größer – doch die Zahl der Expertinnen und Experten, die das alles programmieren können, sinkt. Abhilfe kommt da in Gestalt von Low-Code oder No-Code-Applikationen wie gerufen.

Der IT-Branchenverband Bitkom hat Mitte vergangenen Jahres Alarm gegeben: Zum Zeitpunkt der Erhebung fehlten laut Bitkom deutschlandweit fast 140.000 IT-Expertinnen und -Experten quer durch alle Branchen. Tendenz: Weiter steigend. „Wir erleben auf dem IT-Arbeitsmarkt einen strukturellen Fachkräftemangel. Der Mangel an IT-Fachkräften macht den Unternehmen zunehmend zu schaffen und wird sich in den kommenden Jahren dramatisch verschärfen.“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Großes Gefälle zwischen digitalen Aufgaben und der Zahl der Problemlöser

Auch in anderen europäischen Staaten und besonders in der Schweiz sieht es nicht viel besser aus. Es gibt ein riesiges Gefälle zwischen den Digitalisierungs- und Programmierungsaufgaben in großen Konzernen, mittelständischen Firmen und staatlichen Einrichtungen und Organisationen auf der einen Seite – und auf der anderen Seite der begrenzten Zahl derjenigen, die das beruflich überhaupt stemmen können. IT-Expertinnen und -Experten werden händeringend gesucht. Der Rückzug der Baby-Boomer-Generation vom Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren wird die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage nur noch größer machen.

Somit stellt sich die Frage, wie man diesem Problem in Zukunft möglichst effektiv entgegenwirken soll. Programmiererinnen und Programmierer wachsen nicht über Nacht. Hinzu kommt, dass nicht jeder Interessierte oder jede Interessierte dafür auch geschaffen ist. Die Materie ist komplex.

Vielversprechender oder zumindest alternativ aussichtsreich könnte sich dagegen ein anderer Weg erweisen, der mit den Begriffen „Low Code“ beziehungsweise „No Code“ verbunden ist. Die Idee dahinter: Die anwendenden Unternehmen oder öffentlichen Verwaltungen können auf smarte Tools von zentralen Plattformen zugreifen und diese dann mit geringem Codierungsaufwand („Low Code“) oder direkt („No Code“) in einer Art Drag-and-Drop-Verfahren für ihre eigenen Zwecke nutzen.

No-Code-Markt auf dem Vormarsch

Der Begriff No-Code-Plattform beschreibt eine Entwicklungsumgebung für Software, die es Entwicklern und anderen Berufsgruppen ermöglicht, Anwendungssoftware über grafische Benutzeroberflächen und Konfiguration anstelle der herkömmlichen Programmierung zu erstellen. Einer der führenden Anbieter auf diesem noch jungen, entwicklungsfähigen Markt ist das Unternehmen smapOne aus Hannover.

Die niedersächsische IT-Firma verspricht ihren Nutzerinnen und Nutzern eine fertige Business-App in 30 Minuten – und dass ohne jegliche Programmierkenntnisse. „Mit smapOne digitalisieren Unternehmen spielerisch ihre Prozesse. Umtriebige Mitarbeiter bauen, lernen, probieren aus – und am Ende des Tages sind es echte Experten, die Ideen in eigene Apps umsetzen“, sagt Sven Zuschlag, einer der Gründer des 2014 gestarteten Unternehmens. Den Großteil seines Umsatzes erzielt smapOne in der Schweiz, in Österreich und im Heimatmarkt Deutschland. 50.000 App-Creatoren haben bis heute nach Angaben des Unternehmens fast 200.000 Anwendungen kreiert.

In der App installieren Anwender ihre massgeschneiderten Programme und können diese sofort nutzen. Die Datenerfassung gelingt auf Smartphones, Tablets und PCs – auch offline ohne Internet. Über die Plattform smapOne lassen sich erfasste Datensätze einfach einsehen, filtern, als Bericht versenden und exportieren – auch hier ist keine Programmierung notwendig. Für eine umfangreichere Integration in die Systemlandschaft steht eine REST-API als Schnittstelle zur Verfügung.

Digitalisierungsschübe ganz ohne oder nur mit rudimentärem Programmier-Know-how: Sieht so die Zukunft für Unternehmen oder Behörden aus, die bis dato digital abgehängt waren? Die kurze Antwort lautet: Ja, durchaus!

Citizen Developer übernehmen künftig die IT-Basisarbeiten

Digitalisierungsaufgaben werden beim Low- oder No-Code auch oftmals von sogenannten Citizen Developer erledigt. Mit diesem Begriff werden Fachleute umschrieben, die Ahnung vom jeweiligen Thema haben, aber kaum über spezifische Informatikkenntnisse verfügen, um eine App mit einer ganz speziellen Branchenfokussierung auch zum Fliegen zu bringen. Mit Low- oder No-Code-Verfahren rücken IT-Cracks und Citizen Developer wieder näher zusammen. Dank smarter Low- oder No-Code-Vorlagen können sich die Citizen Developer auf die einfacheren Bestandteile einer Anwendung konzentrieren, während sich die Software-Profis um Feinheiten der Anwendung kümmern.

Durch den aktuellen Hype der Künstlichen Intelligenz könnte sich der Trend zu No-Code sogar noch verstärken. Dabei können Unternehmen mit nur kleiner IT-Mannschaft die AI dazu bringen, Standardprogrammiertätigkeiten zu übernehmen. Selbst Techriese Google setzt auf No Code – und will seinem Chatbot „Bard“ nach Medienberichten auf diese Weise zu noch mehr Erfolg verhelfen.

Entwicklerinnen und Entwickler sollen mit dem „Generative AI App Builder“ mit wenigen Klicks eine Applikation erstellen können, die menschlichen Nutzern Konversationen mit Kundinnen und Kunden beziehungsweise Kolleginnen oder Kollegen erlaubt, aber auch das Suchen im Internet auf pfiffige Weise abnimmt. (smapONE/Bettertrust/mc/hfu)


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