iPhone 6: Wie Smartphones unser Leben verändern

Key Pousttchi

Für ihn ist das iPhone 6 ein weiterer Beleg dafür, «dass Smartphones immer stärker auf das Sammeln von Nutzerdaten fokussiert werden»: Key Pousttchi, Leiter der Augsburger Forschungsgruppe wi-mobile. (Foto: Klaus Satzinger-Viel)

Augsburg – Apple will seine Marktmacht in die reale Welt ausdehnen und macht im Wettlauf mit Google einen Schritt nach vorn, meint der Augsburger Mobile Business-Experte Key Pousttchi. 

Apple hat am Dienstag Abend wie erwartet das iPhone 6 und das iPhone 6 plus mit einem grösseren Bildschirm und einer Payment-Funktionalität präsentiert, welches ausserdem mit der ebenfalls neuen Apple Watch zusammenarbeitet. Wohin geht die Reise im Smartphone-Markt und was macht die Bedeutung dieser Geräte wirklich aus? Fünf Fragen hierzu an PD Dr. Key Pousttchi, den Leiter Forschungsgruppe wi-mobile der Universität Augsburg:

Der Start eines neuen iPhones elektrisiert die Nutzer und die Medien auf der ganzen Welt. Was macht dieses Gerät so besonders?

Pousttchi: Es sind im wesentlichen zwei Dinge: Erstens sagt man ja von Apple schon seit dem Macintosh-Computer, die Firma habe keine Kunden, sondern Jünger. Dementsprechend verhalten sie sich dann auch und zusammen mit ihrem intelligenten Marketing ist das in der Mediengesellschaft natürlich ansteckend. Aber zweitens und vor allem hat das iPhone den Markt revolutioniert und gilt seitdem als «das» Smartphone schlechthin. Und dieses Gerät hat das Leben sehr vieler Menschen verändert – dabei haben wir erst 10 Prozent dieser Veränderung gesehen.

Was kommt denn noch?

Pousttchi: Betraf es bisher «nur» das Kommunikations-, Sozial- und Organisationsverhalten, so werden die kommenden Veränderungen weit darüber hinausgehen: Wie treffen wir Entscheidungen? Was wissen wir über andere, was wissen wir über uns selbst, was wissen andere über uns? Wie viele Entscheidungen wird künftig die Technologie für und über uns treffen? Und ist das gut oder schlecht für uns?

Und das alles kommt mit dem neuen iPhone?

Pousttchi: Natürlich kommt das nicht alles auf einmal und hängt nicht nur am iPhone, das ja einen wesentlich geringeren Marktanteil hat als das Google-Betriebssystem Android. Aber wir sehen doch, dass Smartphones immer stärker auf das Sammeln von Nutzerdaten fokussiert werden. Insofern sind die Bezahlfunktionalität und die mit einer Armbanduhr kommende Möglichkeit zur umfassenden Messung von Körperaktivität und Gesundheitsdaten besonders bemerkenswert. Bezahldaten und Gesundheitsdaten sind die wichtigsten Informationen, die Apple und Google noch nicht von ihren Nutzern haben.

Was kann man damit machen?

Pousttchi: In den USA kann Mastercard bereits heute sehr viel besser vorhersagen, wer sich in fünf Jahren scheiden lassen wird, als es die Leute selbst können – und zwar nur aus dem Bezahlverhalten mit der simplen Plastik-Kreditkarte. Bereits diese Daten allein sind also sehr mächtig. Für Apple und Google ist das aber nur ein fehlendes Puzzlestück. Ihre kompletten persönlichen Daten, ihren fortlaufenden Aufenthaltsort, ihr Suchverhalten, die besuchten Internet-Seiten und vieles mehr kennt man ja schon von Ihnen – und von all Ihren Freunden und Geschäftspartnern. Da weiss man dann schon eine Menge von Ihnen, künftig kommen noch Gesundheitsdaten dazu. Und unter dem Schlagwort «Big Data» werden wir künftig all diese Daten für sehr viele Menschen erheben und können daraus Schlussfolgerungen über den Einzelnen ziehen, die sehr treffgenau sind.

Wollen wir diesen Fortschritt wirklich?

Pousttchi: Wenn es Ihnen hilft, Krebs im Frühstadium zu erkennen und neue Therapiemethoden zu entwickeln, werden Sie wohl kaum nein sagen. Wenn damit Ihr Privatleben ausgeforscht wird, sieht es schon anders aus. Die wichtigen Innovationen der nächsten 20 Jahre werden auf dem Sammeln, Aufbereiten, Bereitstellen und automatisierten Auswerten von Daten beruhen – und die Masse dieser Daten wird von Smartphones kommen. Diesen Fortschritt können und sollten wir nicht aufhalten. Wir sollten allerdings aufhören, das Sammeln dieser Daten in «Wild-West-Manier» zuzulassen und klare Regeln festlegen, was geht und was nicht geht. Das ist eine der großen Aufgaben, vor denen wir stehen. (Universität Augsburg/mc)

Zur Person:
PD Dr. Key Pousttchi gründete 2001 die Forschungsgruppe wi-mobile. Der Augsburger Mobile-Business-Pionier forscht seit mehr als 12 Jahren in diesem Bereich und ist international einer der führenden Forscher. Sein neues Buch «Megatrend Mobile – wie Smartphones uns und unsere Welt wirklich verändern werden» erscheint 2015.

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