Motorola belebt Razr wieder

Sanjay Jha

Sanjay Jha, CEO Motorola Mobility.

Berlin – Der Name erinnert an bessere Zeiten: Razr hiessen die Klapphandys, mit denen Motorola vor einigen Jahren den Trend vorgab. Trendsetter sind in der schnelllebigen Branche längst andere, doch der traditionsreiche Elektronikhersteller versucht nun, an die Erfolge von einst anzuknüpfen. Dabei setzt er wieder auf ausgefallene Hardware – und die früher so populäre Marke. Angesichts des harten Konkurrenzkampfes sind die Erfolgsaussichten allerdings fraglich.

Motorola gehört zu den Pionieren der Handybranche. 2006 – vom iPhone war noch nicht die Rede – trug jedes fünfte neue Mobiltelefon das Logo mit dem M, nur Nokia verkaufte mehr Geräte. Die superflachen Razr-Handys galten als Stilikone. Doch die Amerikaner verpassten den Trend zum mobilen Internet, den Apple mit dem iPhone sowie diverse Nachahmer setzen. Der Motorola-Marktanteil schrumpfte auf heute 2,4 Prozent zusammen. Das Unternehmen geriet ins Trudeln, spaltete sich auf und tauschte das Management aus. Der technologieerfahrene Sanjay K. Jha räumte die Produktpalette auf: Motorola Mobility setzte bald nur noch auf das Google-Betriebssystem Android.

«Marke bei Verbrauchern immer noch positiv besetzt»
Nun versucht Motorola, in Europa wieder Fuss zu fassen. Und wieder soll ein Razr die Handy-Käufer überzeugen. «Unsere Marktforschung hat ergeben, dass die Marke bei Verbrauchern immer noch positiv besetzt ist», sagt Ralf Gerbershagen, Deutschland-Chef von Motorola. Das Unternehmen will massiv in Werbung investieren, damit sich auch alle wieder daran erinnern.

High-End-Produkt
Die Frage ist allerdings: Reichen die durchaus hochwertige Hardware und die Bekanntheit der Marke Razr, damit die Käufer wieder zugreifen? Die Analystin Carolina Milanesi hat Zweifel. Zum einen sei die Konkurrenz unter den Android-Herstellern scharf. Zum anderen spreche Motorola womöglich die falsche Käufergruppe an. «Die letzten Razr-Handys waren Produkte für den Massenmarkt, das neue Smartphone ist aber ein High-End-Produkt», sagt die Expertin vom Marktforscher Gartner. Es kostet rund 550 Euro – viele Android-Geräte gibt es bereits für 200 oder 300 Euro.

Motorola Mobility verliert nach wie vor Geld
Dabei könnte Motorola Mobility dringend einen Erfolg gebrauchen. Während die Rivalen Apple, Samsung und HTC vom Smartphone-Boom profitieren und satte Gewinne einfahren, verliert das Unternehmen weiter Geld. Im dritten Quartal lag das Minus bei 32 Millionen US-Dollar, fast so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg immerhin um 11 Prozent auf 3,26 Milliarden Dollar.

Frischer Schwung durch Google?
Frischen Schwung könnte Google bringen. Der hochprofitable Internet-Riese will Motorola Mobility für 12,5 Milliarden Dollar übernehmen. Die Aktionäre haben bereits zugestimmt, nun müssen noch die Wettbewerbshüter ihr OK geben. «Wir wissen bislang nicht, was Google mit Motorola vorhat», sagt Milanesi. In erster Linie sei es um das wertvolle Patent-Portfolio gegangen, mit dem Google Klagen gegen seine Android-Software abwehren will. «Das Geld von Google könnte aber helfen, in neue Märkte vorzudringen.»

Motorola ein Google-Testlabor?
Dass Google sein Android-Sytem künftig allein auf Motorola-Geräten vertreibt, hält Milanesi im Moment aber für ausgeschlossen. Dafür sei die Position des Herstellers zu schwach. Auch einen privilegierten Zugriff auf neue Versionen des Betriebssystems dürfte Google der künftigen Tochter kaum gewähren: «Das würde die anderen Hersteller aufbringen.» Diese seien schon jetzt misstrauisch. Wahrscheinlicher ist daher, dass Motorola ein Testlabor für die neuen Entwicklungen der Google-Programmierer wird. Vielleicht sind ja Erfindungen dabei, die das Razr wieder zum Vorreiter machen. (awp/mc/ps)

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