Orange: France Telecom beginnt Verkaufsprozess

Thomas Sieber

Orange-CEO Thomas Sieber.

Zürich – Der Orange-Mutterkonzern France Télécom wird seine Tochter in der Schweiz möglicherweise verkaufen. Im Zusammenhang mit der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen teilte der französische Grosskonzern mit, dass er den Prozess zu einem möglichen Verkauf des Geschäftes in der Schweiz begonnen habe. Der Verwaltungsrat werde darüber je nach Qualität der erhaltenen Offerten entscheiden.

Bereits im April hatte der Konzern verlauten lasen, dass er seine Aktivitäten in der Schweiz, Österreich und Belgien auf den Prüfstand stelle. Entweder werde sich der Telekomkonzern auf diesen Märkten verstärken oder sich zurückziehen. Die Geschäftsposition von France Télécom in diesen drei Ländern biete wenig Aussicht auf Wachstum, hiess es damals. France Télécom wollte Orange in der Schweiz mit dem Konkurrenten Sunrise zusammenschliessen. Das Vorhaben scheiterte aber im vergangenen Jahr am Veto der Wettbewerbskommission (WEKO). Sowohl Orange als auch Sunrise hatten damals betont, dass sie ihr bisheriges Mobilfunkgeschäft in der Schweiz auch alleine fortführen wollten.

«Attraktiv» für mögliche Käufer
Der Chef von Orange Schweiz ist überzeugt davon, dass sich problemlos ein neuer Besitzer für sein Unternehmen finden lässt. «Orange hat eine gute Marktstellung und ist deshalb attraktiv für mögliche Käufer», sagte Thomas Sieber im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Einerseits könne das Unternehmen auf eine starke, bekannte Marke aufbauen. Anderseits sei Orange in der Schweiz profitabel und habe einen qualitativ hochwertigen Kundenkreis – sprich unter allen Schweizer Mobilfunkanbietern den höchsten durchschnittlichen Rechnungsbetrag pro Kunde. Als Grund, weshalb France Télécom die Schweizer Tochter abstossen wolle, nannte Sieber strategische Gründe. Der Konzern wolle sich auf Länder fokussieren, in welche er als Telekommunikations-Vollanbieter auftreten könne und zudem die Nummer 1 oder 2 im Markt sei.

«Festgefahrener Schweizer Mobilfunkmarkt»
Deshalb habe France Télécom auch rund 2 Mrd CHF in den Schweizer Markt investieren und mit der Übernahme von Sunrise genau ein solcher Vollanbieter werden wollen. Leider sei ihr das aufgrund des Entscheids der Wettbewerbsbehörden verwehrt worden. «Der festgefahrene Schweizer Mobilfunkmarkt passt folglich nicht mehr in die Strategie von France Télécom.» Für Orange sieht Sieber in der Schweiz dennoch valable Chancen: Die Idee, nebst Mobilfunk auch Produkte anderer Bereiche anzubieten, bestehe nach wie vor. Allerdings sei diese natürlich von den neuen Besitzer abhängig. Mögliche Käufer von Orange seien entweder international tätige Telekommunikationskonzerne oder aber private Beteiligungsgesellschaften.

Zusätzliche Kunden gewonnen
Orange hat in den vergangenen drei Monaten ihren Kundenstamm halten können. Die Zahl der Kunden stieg leicht um 0,1% und betrug Ende Juni 1,573 Mio. Deutlich zugenommen hat dagegen der Anteil derjenigen Kunden, welche das Internet über den Mobilfunk nutzen, wie Orange Schweiz am Donnerstag auf Anfrage bekannt gab. Gemäss den ausgewiesenen Zahlen benutzen mittlerweile über 40% der Orange-Kunden solche UMTS-Dienste. Vor einem Jahr betrug der Anteil rund ein Drittel. Aufgrund der Senkung der Terminierungsgebühren ist der Umsatz von Orange Schweiz aber rückläufig. Im Vergleich zur gleichen Periode im Vorjahr sank der Umsatz von April bis Juni um 7% auf 297,2 Mio CHF. Die Senkung dieser Gebühren falle bei Orange deshalb stark ins Gewicht, weil das Unternehmen keine eigenes Festnetz habe. Gewinnzahlen weist Orange Schweiz keine aus.  (awp/mc/upd/ps)

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