Rafael Botor, General Manager Switzerland bei Hitachi Vantara, im Interview

Rafael Botor
Rafael Botor General Manager Switzerland bei Hitachi Vantara. (Foto: zvg)

Die IT-Welt ist im Umbruch. Längerfristige Entwicklungen wie die digitale Transformation, Technologien wie Machine Learning, KI und Big Data, aber auch unvorhersehbare Ereignisse wie zuletzt die Covid-19-Pandemie sorgen für Umwälzungen in der IT. Ändert sich dadurch auch die Rolle der CIOs?

Definitiv Ja! Die Geschäftswelt verändert sich so schnell wie nie zuvor und viele der aktuellen Trends sind technologiegetrieben. Es entstehen immer neue Geschäftsfelder, die vor zehn oder 20 Jahren nicht denkbar waren. Beispiele hierfür sind Firmen wie Airbnb, Uber oder auch Tesla, bei denen Daten und Technologie im Mittelpunkt stehen. Allgemein wird die Bedeutung der Technologie für den Unternehmenserfolg immer stärker zunehmen und dadurch ändert sich auch die Bedeutung und Rolle der CIOs.

Die meisten dieser Entwicklungen sind ja nicht neu. Welche Auswirkungen beobachten sie konkret?

In der Vergangenheit war die Sicht der CIOs mehr nach innen gerichtet. Sie waren mit ihrem Team für die Bereitstellung der Infrastruktur der einzelnen Geschäftsbereiche zuständig und eher ausführendes Organ. Aber mittlerweile ist Technologie der Enabler für neue Geschäftsmodelle und digitale Transformation findet in allen Abteilungen und Bereichen statt. Um den Zug der Zeit nicht zu verpassen, müssen auch etablierte Unternehmen stärker auf Technologie setzen. Die Bedeutung der Technologie rückt in den Vordergrund und damit auch automatisch die Rolle der CIOs. Organisationen benötigen digitale Kompetenz auf allen Managementebenen und CIOs sind in der idealen Position, diese Kompetenz aufzubauen und wichtiges Know-how zu vermitteln. Damit werden sie zum Sparringspartner des Managements bis hin zum Verwaltungsrat.

„Um den Zug der Zeit nicht zu verpassen, müssen auch etablierte Unternehmen stärker auf Technologie setzen. Die Bedeutung der Technologie rückt in den Vordergrund und damit auch automatisch die Rolle der CIOs.“
Rafael Botor, General Manager Switzerland bei Hitachi Vantara

Sparringspartner kennt man vor allem aus dem Boxtraining. Wie sieht das in der Unternehmenspraxis aus?

Früher haben CIOs Aufträge entgegengenommen und ausgeführt. Heute müssen sie proaktiv agieren und sich viel stärker in Business-Innovationen und strategische Fragen einbringen, beispielsweise indem sie neue Technologien frühzeitig evaluieren und dann gemeinsam mit Fachabteilungen im Unternehmen einführen. Darüber hinaus ist es ihre Aufgabe, Erwartungshaltungen zu managen. In Zeiten der App-Economy haben sich Anwender an “Click & Go” gewöhnt, alles soll bitte sofort verfügbar sein und reibungslos funktionieren. In einer komplexen Unternehmensumgebung und für Themen wie Künstliche Intelligenz, Machine Learning oder Big Data ist dieser Anspruch aber realitätsfern. CIOs müssen also gegebenenfalls auch auf die Bremse treten können, wenn Erwartungshaltung und Realität zu weit auseinander driften.

Stichwort Big Data: Welchen Einfluss haben Daten und Data Analytics?

Ohne Daten und deren schnelle Auswertung geht heute in keinem Unternehmen mehr etwas voran. Das merken wir als Hitchi Vantara auch ganz deutlich, die Nachfrage nach Data Analytics und unseren Pentaho-Lösungen steigt kontinuierlich an. Interessanterweise lautet der Slogan dabei immer “Data is the new oil”. Wir meinen eher “Data is the new sun”: Öl wird verbraucht und ist endlich, Daten sind daher eher mit Sonnenenergie zu vergleichen, die immer zur Verfügung steht, ohne weniger zu werden. CIOs müssen sich darüber klar werden, welche Daten im Unternehmen vorliegen, woher diese stammen, wo sie gespeichert werden und vor allem, wie sie sich gewinnbringend nutzen lassen.

Letzten Endes profitieren auch die Kundenbeziehungen von einer optimalen Verwertung der Daten. Wie sollten CIOs hier agieren?

In vielen Bereichen hat Technologie zu einem veränderten Kontakt zwischen Kunden und Unternehmen geführt. Deutlich wird dies am Beispiel eines Autokaufs: Dank Internet und Virtual Reality lassen sich Fahrzeuge heute am Rechner in allen denkbaren Farben und Ausstattungen und aus allen Blickwinkeln eingehend betrachten. Gefällt ein Modell, kann es von zu Hause aus konfiguriert und bestellt werden. Der einzige Kontakt zum Autohaus besteht dann bei der Abholung des Fahrzeugs. Technologie hat hier die Customer Experience revolutioniert.

Aber auch das interne Aufgabenfeld wandelt sich. Covid-19 hat starke Veränderungen mit sich gebracht. Mitarbeiter arbeiten zum Teil seit Monaten vom Home Office aus, Meetings finden fast nur noch virtuell statt. Viele in den letzten Monaten neu eingestellte Mitarbeiter haben bis heute noch keinen Kollegen persönlich getroffen. Die Employer Experience hat sich stark gewandelt und Treiber dafür ist Technologie. Zukünftig werden CIOs in Sachen Customer und Employer Experience immer mehr Aufgaben übernehmen und Abteilungen wie HR, Sales und Marketing beratend zur Seite stehen.

Ist die Mehrheit der CIOs bereit für die Rolle als Sparringspartner des Managements?

Nein, so eine Entwicklung braucht Zeit. Aktuell sind noch viele CIOs dem alten Denken verhaftet und agieren vor allem nach innen gerichtet. Aber das reicht nicht mehr aus, wir beobachten eine Lücke bei der digitalen Kompetenz in vielen Unternehmen und diese Lücke muss ein CIO aktiv füllen. Dazu muss er sich Reputation aufbauen und durch Beratung zum Geschäftserfolg beitragen, etwa indem er Technologie-Einschätzung betreibt und mit anderen Geschäftsbereichen gemeinsam neue Business-Modelle evaluiert und einführt. Die Nachfolgegeneration junger CIOs, die nach und nach den Weg in die Unternehmen findet, hat es da deutlich leichter: Sie sind mit den neuen Technologien aufgewachsen und haben dadurch ein grundlegend anderes Technologieverständnis.

„Wir beobachten eine Lücke bei der digitalen Kompetenz in vielen Unternehmen und diese Lücke muss ein CIO aktiv füllen.“

Wie entwickeln sich die zur Verfügung stehenden IT-Budgets – können CIOs vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung aus dem Vollen schöpfen?

Das kommt ganz drauf an. Covid-19 hat Firmen quasi über Nacht gezwungen, das Thema Home Office in großem Maßstab umzusetzen. Für die Ausstattung der Mitarbeiter mit notwendigen Werkzeugen wie Notebooks, VPN oder Video-Conferencing , stand in den meisten Firmen direkt reichlich Budget zur Verfügung, aber was wäre hier auch die Alternative gewesen? Für neue Geschäftsfelder wird vielerorts auch bereitwillig Budget zur Verfügung gestellt, wenn sich dadurch neue Umsatzquellen erschließen lassen oder man profitabler arbeiten kann. Im Bereich der klassischen IT-Infrastruktur hat der Druck auf die Budgets aber nicht spürbar nachgelassen, hier geht es nach wie vor darum, mit weniger Mitteln mehr zu erreichen.

Wie wirken sich die beschriebenen Trends auf Hitachi Vantara und Ihr Business aus?

Wir profitieren von den geschilderte Entwicklungen aus mehreren Gründen. Zum Einen bieten wir sowohl Lösungen für das Sammeln, Speichern und Analysieren von Daten. Darüber hinaus ermöglichen wir den sicheren Zugriff auf praktisch jede beliebige Cloud. Und last but not least arbeiten wir kontinuierlich an neuen Abrechnungsmodellen, um Kunden mehr interessante Optionen bieten zu können. Der rasante Wandel hat auch Auswirkungen auf die Haltbarkeit der IT und vor allem auf deren Auslastung. Hier wünschen sich viele Firmen IT-Infrastruktur, die flexibel “as-a-Service” bereitgestellt und verbrauchsbasiert abgerechnet wird. Mit unserem EverFlex-Modell ist dies möglich.

Zusammengefasst – worin unterscheidet sich die Rolle des CIO von heute von der vor 20 Jahren?

Früher waren die Aufgabenbereiche von CIOs vor allem nach innen gerichtet, quasi als Dienstleister für die verschiedenen Geschäfts- und Managementbereiche. Heute sind CIOs stärker nach außen fokussiert und in die Geschäftsstrategie eingebunden. Salopp gesagt kann man sagen: Stand der CIO früher als Zuschauer abseits des eigentlichen Business so ist er heute als Sparringspartner in der Ringmitte angekommen.

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