Schweizer Privatbanken zurückhaltend bei IT-Investitionen

Informations-Technologie

Zürich – Infolge der Finanzkrise und im Zuge zunehmender Regulierung sind die Herausforderungen im Private Banking gewachsen und die Profitabilität gerät weiter unter Druck. In diesem Kontext hat die Bedeutung der Informationstechnologie deutlich zugenommen, einerseits um dem Kostendruck entgegenzuwirken, andererseits um neue Geschäftsopportunitäten zu ermöglichen. Die aktuelle Ausgabe des «Global IT in Wealth Management Survey 2014» beleuchtet die Kosten, Prioritäten und Einsatzbereiche der IT im internationalen Vergleich.

Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen EY hat für seine diesjährige Studie Vertreter von knapp 30 Privatbanken in der Schweiz, Singapur und Luxemburg befragt. Die Analyse wurde nun zum ersten Mal auch international durchgeführt: Luxemburg als etablierter Finanzplatz und Singapur als relativ junger und dynamisch wachsender Private-Banking-Standort bieten neben der Schweiz eine geeignete Basis, um relevante IT-Benchmarks in den Bereichen Kosten, Service und Stellenwert der Informationstechnologie zu erheben.

In der IT regieren weiterhin Compliance-Anforderungen und Optimierungsfragen
Für die IT sehen 100 Prozent der Befragten in der Schweiz die Sicherstellung von Compliance gegenüber regulatorischen Anforderungen wie z.B. die Einhaltung von Richtlinien zur Steuertransparenz als wichtige Aufgabe. Diese wird dicht gefolgt von Informationssicherheit (92 Prozent Zustimmung). Jeweils 69 Prozent empfinden zudem die Automatisierung von Kundenprozessen und weitere Kostenoptimierungen als prioritär. Den Einsatz mobiler Endgeräte und Apps für Relationship Manager sehen nur 46 Prozent als wichtig an. Social Media und Cloud Computing sogar 0 Prozent.

Hierzu Andreas Toggwyler, Partner und Leiter IT Advisory bei EY Financial Services Schweiz: «Es ist deutlich zu erkennen, dass sich Privatbanken vermehrt auf die IT abstützen, um aktuell existenzielle Fragen beantworten zu können. Wir sehen, dass die strategische Bandbreite viele Themen abdeckt und von Compliance-Fragen bis zur Automatisierung bestehender Abläufe reicht. Vor massgeblichen Innovationen an der Kundenschnittstelle mit Hilfe der IT scheuen hingegen noch viele traditionsreiche Privatbanken zurück. In diesem Bereich hat der asiatische Markt eine Vorreiterrolle, wo wir am Beispiel von Singapur – dort sieht immerhin einer von drei Befragten eine wichtige Bedeutung von Social Media – eine technologieaffine Haltung erkennen können. Auch der Schweizer Finanzplatz wird sich dieser Herausforderung stellen müssen, da in dessen Kundenstruktur momentan ein Generationenwechsel stattfindet.»

Internationaler IT-Kostenvergleich
Die Kosten für IT im Verhältnis zu den Gesamtkosten im Private Banking betragen bei den untersuchten Schweizer Finanzdienstleistern im Durchschnitt 16,4 Prozent und sind zwischen 2009 und 2013 relativ unverändert geblieben. Allerdings ist es gelungen, die IT-Ausgaben pro Bankmitarbeiter im gleichen Zeitraum sukzessive von 64.000 USD auf knapp 58.000 USD zu senken.

Neben den Gesamtkosten der IT inklusive Hard- und Software wurden auch die Personalkosten in der EY-Analyse betrachtet. In der Schweiz kostet ein interner IT-Mitarbeiter im Private Banking durchschnittlich 185.000 USD (inklusive aller Lohnnebenkosten). Dieser Wert ist seit 2009 (180.000 USD) im Grossen und Ganzen konstant geblieben, während die Personalkosten für den allgemeinen Bankangestellten im gleichen Zeitraum um knapp 10 Prozent sanken (2009: 252.000 USD, 2013: 230.000 USD). Die Werte für Luxemburg betragen im Jahre 2013 im IT-Bereich 136.000 USD (2009: 128.000 USD) und für allgemeine Angestellte 152.000 USD (2009: 136.000 USD). Bemerkenswert sind dort die niedrigen Schwankungen zwischen IT und Nicht-IT-Mitarbeiter, die unter anderem auf landesübliche niedrigere Bonusspannen, einen relativ geringeren Anteil der besser dotierten Private Banker an der Gesamtbankbelegschaft sowie qualifizierte interne IT-Mitarbeiterstämme mit langjähriger Betriebszugehörigkeit zurückzuführen sind. In Singapur belaufen sich die Kosten im Jahre 2013 pro IT-Mitarbeiter auf 129.000 USD (allgemein: 189.000 USD) versus 127.000 USD (allgemein: 195.000 USD) vier Jahre zuvor.

Andreas Toggwyler: «Der Wertbeitrag der IT wird immer noch nicht überall im vollen Umfang gewürdigt. Es stellt sich die Frage, ob eine weitere Angleichung der Gehälter zwischen IT und Nicht-IT nicht sinnvoll wäre, um der Tatsache gerecht zu werden, dass IT keine reine Support-, sondern eine strategische Funktion im Private Banking darstellt.»

Unterschiede zwischen Innovations- und Erhaltungskosten
Es fällt auf, dass sich die Kosten der IT unterschiedlich verteilen auf «run-the-bank», d.h. die Ausgaben, die notwendig sind, um den Ist-Zustand einer laufenden Bank IT-seitig aufrechtzuerhalten und «change-the-bank», sprich: IT-Ausgaben in neue Technologien. In der Schweiz ist der Anteil von «change-the-bank» seit 2009/10 bis 2013 von 33 auf 37 Prozent gestiegen und in Luxemburg nahezu flach verlaufen mit einem Anstieg von 40 auf 41 Prozent. In Singapur hingegen kam es bei den untersuchten Banken zu einem Anstieg von 26 auf 45 Prozent.

Hierzu Robert Rümmler, Senior Manager bei EY Financial Services Schweiz und Leiter der Studie: «Diese Zahlen sind ein deutliches Zeichen dafür, dass die Bedeutung von Innovation innerhalb der IT zugenommen hat. Insbesondere Singapur zeigt sich sehr innovationsfreundlich. Durch die zunehmende Digitalisierung der Wertschöpfungskette im Private Banking werden sich für IT neue Einsatzfelder ergeben, beispielsweise bei der Integration zunehmend wichtiger Technologien wie Mobile, Social Media und Big Data. Durch diese digitalen Technologien ergeben sich vielfältige Möglichkeiten, neue Kundenkanäle zu erschliessen und die Kundenbindung zu erhöhen. Um die Chancen, die sich durch diese Technologien bieten, auch voll ausschöpfen zu können, wird IT eine treibende Rolle bei der Integration solcher Werkzeuge einnehmen müssen.»

IT-Standardplattformen als häufigste Wahl
Über die drei Länder hinweg wurde ferner untersucht, welches Architektur-Modell der Kernbankenplattform die höchsten bzw. die niedrigsten Kosten mit sich bringt. Hierbei wurde unterschieden zwischen drei Gruppen von Privatbanken: solchen, die vor allem IT-Standardplattformen («standard platform») benutzen, denjenigen, die auf Eigenentwicklung («self-developed platform») setzen und denen, die einen Mix aus beidem verwenden («best-of-breed platform»). Standardplattformen und eigenentwickelte Plattformen sind im Schnitt fast gleich günstig. Bei Standardplattformen machen die IT-Kosten gemessen an den Gesamtkosten einer Privatbank 15 Prozent aus. Je nach Standardplattform können die Kosten zwischen 13 und 16 Prozent schwanken – diese Varianzen ergeben sich je nach Software-Anbieter. Selbst-entwickelte Plattformen schlagen mit 14 Prozent an den Gesamtkosten zu Buche. Mischformen sind mit 21 Prozent in jedem Fall signifikant teurer als die beiden anderen Varianten.

Robert Rümmler: «Die Kosten für selbst-entwickelte Plattformen sind zwar knapp am niedrigsten, aber diese Plattformen sind häufig auch unflexibel, was Modernisierungs- und Anpassungsmassnahmen betrifft. Die Industrie tendiert stark in Richtung Standardpakete, einerseits um Kosten für die Weiterentwicklung an den Software-Anbieter abzutreten, andererseits um eine verstärkte Automatisierung der Geschäftsprozesse zu ermöglichen. Aufgrund der Vielfalt der funktionalen Anforderungen, die eine Standard-Plattformen erfüllen muss, ist die richtige Auswahl des Softwareanbieters in jedem Fall von entscheidender Bedeutung.» (EY/mc/ps)

Über die globale EY-Organisation
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Die EY-Organisation ist in der Schweiz durch die Ernst & Young AG, Basel, an zehn Standorten sowie in Liechtenstein durch die Ernst & Young AG, Vaduz, vertreten. «EY» und «wir» beziehen sich in dieser Publikation auf die Ernst & Young AG, Basel, ein Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited.

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