Schweizer verschenken 3,1 Milliarden Franken

Schweizer verschenken 3,1 Milliarden Franken
(Foto: Adam Radosavljevic - Fotolia.com)

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Zürich – Im Jahr werfen die Schweizer Handybesitzer insgesamt 3,1 Milliarden Franken aus dem Fenster, weil sie nicht zum günstigsten Angebot wechseln. Das ist das Ergebnis einer Berechnung des Internet-Vergleichsdienstes comparis.ch auf Grundlage einer Online-Umfrage unter 3000 Handybesitzern. Bei den verlockenden Flatrate-Abos wählen demnach viele Kunden überteuerte Angebote. Die Umfrage zeigte überdies eine verbreitete Unzufriedenheit mit dem mobilen Internet.

Stellen Sie sich vor: Sie gehen in ein Restaurant essen und zahlen, ohne mit der Wimper zu zucken, für eine normale Portion Spaghetti 50 Franken. Der Wirt lächelt nett – und nimmt das Geld natürlich gerne entgegen. So etwas lassen viele Handybesitzer Monat für Monat über sich ergehen: 3,1 Milliarden könnten alle Schweizer Handynutzer zusammen sparen, würde jede und jeder von ihnen zum günstigsten Mobilfunkangebot wechseln. Das zeigt die jährliche Berechnung des Internet-Vergleichsdienstes comparis.ch. Die Schätzung beruht auf einer breit angelegten Online-Befragung von rund 3000 Handybesitzern im November. Die detaillierten Angaben dieser Personen stellte comparis.ch in Relation zu den günstigsten Angeboten, um daraufhin das Sparpotenzial auf alle Privatkunden hochzurechnen.

Sparpotenzial noch nie so hoch
Der diesjährige Betrag von 3,1 Milliarden ist die höchste Einsparung, seit comparis.ch die Analysen systematisch durchführt (siehe Grafik). Es ist eine halbe Milliarde Franken mehr als im Vorjahr. Damals hatte die Swisscom mit den «Infinity»-Flatrate-Abos eine Preisrunde eingeläutet, und Sunrise und Orange reagierten darauf und senkten ihre Tarife.

Das Sparpotenzial der Schweizer Handynutzer

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Quelle: comparis.ch

Und so liegt dieses Jahr einer der Gründe für das enorme Sparpotenzial in den Flatrate-Abos. Die Befragung zeigt nämlich: Die Anzahl der Handybesitzer, die mit einer Flatrate telefonieren, surfen und SMS schreiben, ist im Vergleich zum Vorjahr enorm gewachsen. «Die Verbreitung der Flatrate-Angebote hat sich etwa verdreifacht», sagt Ralf Beyeler, Telecom-Experte von comparis.ch. Es zeigt sich aber, dass die Kunden häufig ein zu teures Flatrate-Abo abschliessen, obwohl es  günstigere Flatrates gibt. Laut der Befragung geben Flatrate-Kunden im Durchschnitt um die 100 Franken im Monat aus. Die günstigste Flatrate gibt es aber bereits für 49 Franken, nämlich «Sun-rise24». Ralf Beyeler dazu: «Flatrate-Kunden könnten sich im Durchschnitt die Hälfte ihrer Mobilfunkkosten sparen.»

Smartphone hat herkömmliches Handy abgelöst
Die Gründe für den Siegeszug der Pauschalangebote sind klar: Die Schwelle, ab der sich eine Flatrate finanziell lohnt, ist tiefer geworden. Es sind keine Angebote mehr, die sich ausschliesslich bei einer intensiven Handynutzung auszahlen. Im Gegenteil, auch wer sein Mobiltelefon nur durchschnittlich nutzt, fährt mit einer Flatrate oft günstig. Zudem haben inzwischen die meisten Handynutzer ein Smartphone, viele möchten damit möglichst unbeschränkt im Internet surfen.

In der Comparis-Umfrage konnten die Handynutzer auch angeben, wie zufrieden sie mit ihrem Mobilfunkanbieter sind. Sie konnten sich zu einer ganzen Reihe von Themen äussern (Kunden-dienst, Gesprächsqualität, Netzabdeckung, Verständlichkeit der Kundeninformationen, Preis, mobiles Internet). Die Bewertungen führten zu Schulnoten (6 ist die beste, 1 die schlechteste Note).

Von «rundum zufrieden» keine Spur
Keiner der etablierten Anbieter – Swisscom, Sunrise und Orange – erhält eine gute Gesamtnote (siehe Tabelle). Nur Aldi und M-Budget, die über kleine Marktanteile verfügen, erhalten ein «gut». Der Kundendienst wird von den Swisscom-Kunden mit «befriedigend» bewertet (4,9). Die Hauptkonkurrenten schneiden mit ihrem Kundendienst bei ihren Kunden deutlich schlechter ab: Orange erhält hier ein «genügend» (4,2), Sunrise sogar ein «ungenügend» (3,8). Auch bei der Netzabdeckung bestehen grosse Differenzen, und zwar zwischen 5,2 für Swisscom bis 4,1 für Orange und Sunrise.

Schliesslich fällt auch auf, dass die Handynutzer mit der Verfügbarkeit und der Geschwindigkeit des mobilen Internets nicht wirklich zufrieden sind. Alle drei grossen Anbieter erhalten nur knapp ein «genügend» (4,1). Die Zufriedenheit mit dem mobilen Internet hat comparis.ch in dieser Erhebung zum ersten Mal ausgewertet. «Das mobile Internet wird bei der Handynutzung immer wichtiger. Die Anbieter müssten eigentlich alles daran setzen, um mit guter Netzqualität und hoher Geschwindigkeit zu punkten. Aber das scheint nicht der Fall zu sein. Und den Ärger haben die Kunden», sagt Ralf Beyeler von comparis.ch.

Tabelle: Kundenzufriedenheit Mobilfunkanbieter 2014

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Quelle: comparis.ch

Alle Resultate zur Kundenzufriedenheit: www.comparis.ch/telecom/mobile/umfrage/hitlist.aspx

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