Starker Euro bremst SAP

Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe, Co-CEOs SAP (Bild: SAP)

Walldorf – Europas grösster Softwarehersteller SAP hat im ersten Quartal erneut unter einem starken Euro gelitten. Umsatz und Betriebsergebnis seien stark durch Wechselkurseffekte belastet worden, teilte der Konzern mit. Auch der Nettoüberschuss stieg nicht so sehr wie von Experten erwartet. Hoffnungsträger bleibt bei den Walldorfern der Umbau des Geschäftsmodells auf Software aus dem Internet (Cloud), mit welcher der Konzern erneut punkten konnte. Anleger zeigten sich enttäuscht, die Aktie gab kurz nach Handelsbeginn 2,8 Prozent auf 56,76 Euro nach.

Zwar stiegen die Gesamterlöse im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozent auf 3,70 Milliarden Euro. Ohne Wechselkurseffekte wären sie auf bereinigter Basis aber doppelt so schnell gewachsen. Unter dem Strich stand ein Gewinnplus von 3 Prozent auf 534 Millionen Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis wuchs um zwei Prozent auf 919 Millionen Euro.

SAP sieht sich bei Cloud im Plan – Experten zweifeln
Für das zweite Quartal rechnet das Management nun mit noch mehr Gegenwind von Wechselkursen als in den ersten drei Monaten. Der starke Euro dürfte beim Betriebsergebnis rund acht Prozentpunkte kosten, beim Produktumsatz (SSRS) sechs. Angesichts der Wechselkurse habe SAP alles in allem einen soliden Zwischenbericht abgeliefert, kommentierte Analyst Harald Schnitzer von der DZ Bank in einer ersten Einschätzung.

Der Lichtblick bleibt bei SAP dagegen das Cloud-Geschäft. Der bereinigte Umsatz mit der Mietsoftware aus dem Internet zog um 32 Prozent auf 221 Millionen Euro an – etwas mehr als von Experten gedacht. Das Unternehmen sieht sich beim künftigen Zugpferd voll im Plan – die Umsätze seien stärker gewachsen als für das Gesamtjahr veranschlagt. Auch die bereits abgeschlossenen Verträge in der Sparte ziehen weiter deutlich an. Experten bezweifelten zuletzt, ob trotz der starken Wachstumsraten im kommenden Jahr 2 Milliarden Umsatz ohne bedeutende Zukäufe erreicht werden könnten.

Kerngeschäft bleibt schwach
Schwach fiel das angestammte Geschäft mit Software-Lizenzen für fest installierte Programme beim Kunden aus, das um fünf Prozent sank. Das tut SAP weh, weil hier einträgliche Service- und Wartungsverträge an Land gezogen werden. Diese konnten zu Jahresbeginn allerdings um fünf Prozent zulegen. Die wichtigen Produktumsätze insgesamt (SSRS) steigerten die Walldorfer dank der Software aus dem Internet ohne den Einfluss von Wechselkursen um neun Prozent. „Damit liegen wir oberhalb der erwarteten Spanne für das Gesamtjahr“, sagte Finanzchef Werner Brandt laut Mitteilung.

Dabei traf der Anbieter von Software für die Steuerung von Unternehmen in Europa trotz der Unsicherheit um die Krim-Krise auf eine solide Nachfrage. In Amerika trieb die Umstellung auf das Cloudgeschäft zumindest die Umsätze in den USA an – im restlichen Kontinent machten die Währungen Probleme. Noch mauer sah es in Asien aus. In Japan gingen die Erlöse währungsbereinigt zurück.

Prognose steht
Die Walldorfer beliessen es nach den ersten drei Monaten bei ihrer Prognose eines wechselkursbereinigten Anstiegs des Produktumsatzes um sechs bis acht Prozent. Auch das Betriebsergebnis und der Cloud-Umsatz sollen wie bisher prognostiziert steigen. Das erste Quartal fällt in der Softwarebranche üblicherweise etwas schwächer aus als der Rest des Jahres. (awp/mc/pg)

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