Studie zur Digitalisierung in der Schweiz: Grosse Bereitschaft – wenig Bewegung

Studie zur Digitalisierung in der Schweiz: Grosse Bereitschaft – wenig Bewegung

Zürich – In der Schweizer Bevölkerung wächst das Vertrauen in die eigene Digitalkompetenz nur langsam. Noch immer fühlt sich mehr als ein Fünftel aller Menschen nicht in der Lage, mit dem Tempo des technologischen Fortschritts mitzuhalten. Der Nutzen der Digitalisierung gilt in allen Lebensbereichen dennoch als hoch. Die Bereitschaft, persönliche Daten für digitale Dienste preiszugeben, wächst – dies trotz eines gestiegenen Bewusstseins für Cyber-Risiken. Dabei ist die Zufriedenheit mit den digitalen Diensten unterschiedlich. Dies ergab die sechste Auflage der Studie «Switzerland’s Digital DNA», die gemeinsam von der internationalen Strategieberatung Oliver Wyman und digitalswitzerland im Rahmen der Schweizer Digitaltage veröffentlicht wird.

Aktuell erachten 75 Prozent der Bevölkerung Internet und Technologie als eine Chance für die Schweiz – ein stabiler Wert im Vorjahresvergleich. Ebenso stabil bleibt der Anteil der Menschen, die sich persönlich nicht in der Lage fühlen, mit dem Fortschritt mitzuhalten: mit 22 Prozent machen sie mehr als ein Fünftel der Befragten aus. Den grössten Aufholbedarf in Sachen digitale Kompetenzen sehen die Befragten in der Weiterentwicklung technologischer Skills wie Programmieren (44 Prozent) und der Nutzung neuer Technologien wie Smartphones oder VR-Brillen (18 Prozent). Dieser Ansicht sind die Befragten über fast alle Altersgruppen hinweg. Lediglich bei der Gruppe der über 70-Jährigen sieht es anders aus – 36 Prozent der Befragten denken, dass sie in puncto digitale Fitness keinen Aufholbedarf haben.

Je nach Branche variiert die empfundene Digital-Fitness stark: Während 15 Prozent der Bankerinnen und Banker sich in dieser Hinsicht als nicht fähig einstufen, glauben 29 Prozent im Gesundheits- und Sozialwesen, dass ihre Kompetenzen nicht ausreichen. Am selbstkritischsten beurteilen Berufstätige im Gross- und Detailhandel (30 Prozent) sowie Kräfte in Hotellerie und Gastronomie (36 Prozent) ihre mangelnde Digitalkompetenz.

Differenzierter Blick auf Chancen und Risiken
«Die Schweizerinnen und Schweizer blicken mit abgeklärtem Optimismus auf die Technologie-Umwälzungen», kommentiert Oliver Wyman-Partner Nordal Cavadini die Ergebnisse. «Doch Quantensprünge hat man in dieser Einstellung bislang kaum erlebt.» So vertrauen laut Befragung nur 29 Prozent den grossen Tech-Firmen mit einem guten Gefühl ihre persönlichen Daten an. Auch Online-Händler (36) schneiden in puncto Vertrauen im Vergleich schlecht ab. Hingegen herrscht weitgehend Einigkeit, wenn es um die Datennutzung durch Spitäler, Ärzte und Krankenkassen geht – 68 Prozent der Befragten vertrauen diesen Dienstleistern. Es mag erstaunen, dass Banken (64) und Universitäten (61) noch mehr Vertrauen in Sachen Datenweitergabe geniessen als die Regierung und öffentliche Ämter (53).

Einher mit der Bereitschaft, Daten preiszugeben, steigt das Bewusstsein für Cyber-Risiken. 74 Prozent aller Befragten glauben, dass Internet und Technologien zu einem Anstieg von Cyber-Kriminalität führen werden. Sorgen bereitet allgemein das Thema Cybersicherheit. 30 Prozent der Befragten waren nach eigenen Angaben schon Opfer eines Cyberverbrechens oder entsprechenden Angriffs. «Auch wenn die Angst vor solchen Attacken konstant hoch ist, wächst doch die Bereitschaft, die eigenen Daten an Dritte weiterzugeben und Dienste zu nutzen», sagt Nordal Cavadini. Was man als Paradox bewerten könnte, deutet der Oliver Wyman-Partner pragmatisch: Der empfundene Nutzen übertreffe das empfundene Risiko.

«Die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen ist eine Konstante in der Schweizer Gesellschaft», sagt Diana Engetschwiler, Deputy Managing Director digitalswitzerland. Laut Umfrage sind 75 Prozent der Bevölkerung der Ansicht, dass Internet und Technologie dieses lebenslange Lernen vereinfachen – eine Zustimmung, die sich seit Jahren auf gleich hohem Niveau hält. «Im Schweizer Unterricht hinkt die Digitalisierung im internationalen Vergleich jedoch noch immer hinterher. Dabei ist das kontinuierliche Einbinden von digitalen Lerninhalten in die Aus- und Weiterbildung entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit unserer zukünftigen Arbeitskräfte.

Dafür engagiert digitalswitzerland sich beispielsweise im Rahmen der Schweizer Digitaltage mit unserem Format ‘NextGen Future Skills Labs’, das Kindern Digitalisierungsthemen auf nahbare und unterhaltsame Weise näherbringt», sagt Engetschwiler weiter. Dass die Digitalisierung kein Selbstläufer wird, lässt auch die Haltung 27 Prozent aller Befragten vermuten, die glauben, ihr Arbeitsleben werde dadurch komplizierter.

Banking-Angebote überzeugen die Nutzer
In Zahlen drückt sich diese Stimmung auch bei der Frage nach der konkreten Nutzung von und Zufriedenheit mit digitalen Diensten aus. Weit vorne liegen digitale Finanzdienstleistungen: 93 Prozent der Bevölkerung nutzen sie, 90 Prozent der Anwender äussern mit ihnen zufrieden zu sein. Ähnlich positive Resonanz erfahren Online-Shops: 90 Prozent nutzen sie, 87 Prozent davon sind mit den Angeboten zufrieden. «Dienste, die häufig verwendet werden, schneiden in der Gunst der Nutzerinnen und Nutzer auch besser ab», sagt Diana Engetschwiler von digitalswitzerland.

«Man erkennt bei hochfrequentierten Diensten einen Gewöhnungseffekt auf der einen Seite, aber auch einen hohen Grad der Kundenzentrierung auf der anderen.» So mag es nicht verwundern, dass die Telemedizin an dieser Stelle noch Nachholbedarf aufweist: Erst 45 Prozent gaben an, Telemedizin schon genutzt zu haben. 54 Prozent davon meldeten dabei ein positives Nutzererlebnis. Weitere beachtenswerte Punkte zeigt der Stadt-Land-Nutzungsvergleich, etwa in Zusammenhang mit digitalen Mobilitätsangeboten (E-Scooter, Bikes) oder E-Food (Online-Essensbestellung). Die ungleich starke Nutzung dieser Angebote ist wohl auch auf den unterschiedlichen Abdeckungsgrad dieser Angebote in städtischen und ländlichen Gebieten zurückzuführen.

Die Onlinebefragung zur digitalen DNA der Schweiz wurde im Juli 2022 durchgeführt. Für die Studie wurden mehr als 1’600 Menschen aus der Deutschschweiz und der Romandie befragt. Es wurde eine hinsichtlich soziodemographischer Kriterien repräsentative Befragungsgruppe ausgewählt. (digitalswitzerland/mc)

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