Sunrise prescht beim 5G-Ausbau vor

Olaf Swantee
Sunrise-CEO Olaf Swantee. (Foto: Sunrise)

Zürich – Sunrise gibt Gas beim 5G-Ausbau. Bis Ende März bringt der Telekomanbieter die neueste Mobilfunkgeneration in 150 Städte und Orte. Dabei hat sich Sunrise auf die Fahne geschrieben, mit 5G den digitalen Graben zwischen den Ballungszentren und den ländlichen Gebieten zu schliessen.

Sunrise-Chef Olaf Swantee spricht von „Glasfaser durch die Luft“. Haushalte und Firmen, die über keinen direkten Glasfaseranschluss verfügen, sollen über 5G Zugang zum Hochgeschwindigkeitsinternet erhalten. Der Plan von Sunrise hat auch ganz praktische Gründe.

Denn in den suburbanen und ländlichen Regionen hat Sunrise noch freie Kapazitäten auf den Antennen – ganz im Gegensatz zu den Städten. „In den grossen Städten sind bei vielen Standorten die Kapazitäten schon zu 90 Prozent ausgelastet. Wir können kaum noch ausbauen“, sagte Swantee am Donnerstag nach der Bekanntgabe der Ausbaupläne zur Nachrichtenagentur AWP.

Knackpunkt Strahlengrenzwerte
Das hat mit der Schweizerischen Strahlenschutzverordnung zu tun: Die heute geltenden Grenzwerte lassen eine intensivere Nutzung der Antennen nicht zu. Der Versuch der Telekomfirmen, den Gesetzgeber zu einer Erhöhung der Grenzwerte zu veranlassen, war im letzten Frühjahr gescheitert. Neue Standorte wiederum kosten viel Zeit und Geld, weil es oftmals auch Widerstand gegen den Bau neuer Antennen gibt.

Grössere Städte verfügen zwar meist über eine bessere Versorgung durch die schnellen Glasfaser-Datenleitungen. Allerdings nutzen auch deutlich mehr Menschen die Netze, was besonders bei den Mobilfunknetzen auf das Tempo drücken kann. Am Plan, auch grössere Städte wie Zürich, Basel oder Genf auf 5G aufzurüsten, hält Sunrise aber grundsätzlich fest. Sunrise geht davon aus, dass das Auktionsresultat Mite März rechtskräftig wird und dann die Konzession eintrifft.

Rivalinnen vage bei Zeitplänen
Auch die anderen Telekomfirmen sehen den Ausbau von 5G durch die heutigen Grenzwerte erschwert. Es sei aufgrund dieser Grenzwerte sowie der zusätzlichen Frequenzen klar, dass neue Antennen gebaut werden müssten, schrieb Salt auf Anfrage. „Wir sind aber nach wie vor zuversichtlich, dass die Verordnung in einer Weise angepasst werden kann, dass auch in der Schweiz die Möglichkeiten von 5G voll genutzt werden können.“

Auch die Swisscom weist daraufhin, dass es eine Vielzahl neuer Antennenstandorte brauche, die schwierig zu finden seien. Wie stark sich deswegen die flächendeckende Einführung von 5G in der Schweiz verzögere, sei schwierig abzuschätzen, sagte ein Sprecher. Gleichzeitig könne das Potential von 5G nicht effizient genutzt werden, da notwendige Sendeleistung nicht zur Verfügung stehe.

Die Swisscom will bis Ende Jahr 60 Städte und Gemeinden punktuell mit 5G versorgen. Die breite 5G-Erfahrung etwa durch einen Pilotversuch mit Industriepartner Ypsomed sowie die Lieferung erster 5G-Hard- und Software von Netzwerkausrüster Ericsson erlaube es, sobald als möglich 5G auf ihrem Mobilfunknetz einzuführen. Nötig dafür sei aber noch die Freigabe durch das Bundesamt für Kommunikation (Bakom). Salt plant weiterhin, die 5G-Technologie im dritten Quartal einzuführen. Weitere Angaben macht das Unternehmen aber nicht.

Aufholpotential auf dem Land
Bei Sunrise dürfen sich vorerst vor allem Haushalte und Firmen in kleineren Städten und Orten über schnelleres Internet freuen: Beispielsweise Dietikon und Bülach im Kanton Zürich mit je 27’000 beziehungsweise 19’864 Einwohnern oder auch kleinere Gemeinden wie die Freiburger Gemeinde Autafond mit 74 Einwohnern. Laut Sunrise gibt es in solchen Orten noch grosses Aufholpotential: Denn 70 Prozent der Schweizer Haushalte und KMU verfügten über keinen Glasfaseranschluss bis in die Wohnung oder ins Büro.

Für das Telekomunternehmen ist der 5G-Ausbau in diesen Regionen daher auch eine willkommene Gelegenheit, neue Kunden anzuziehen: „Mit der Sunrise-Internetbox können wir nun auch in Regionen gehen, wo wir keine Glasfaser haben“, sagte Sunrise-Chef Swantee. Aus diesem Grund erhöht Sunrise bei diesen Angeboten auch die Preise nicht. Bei anderen Produkten dagegen können Kunden gegen einen Aufpreis 5G nutzen.

Warten auf neue Smartphones
Bis zur Jahresmitte will Sunrise zudem auch Netzwerklösungen für Unternehmen anbieten – also interne Datennetze, die auf 5G basieren. Bei Privatkunden geht es zudem vor allem darum, diesen neue Geräte anbieten zu können, die die Vorteile des neuen Mobilfunkstandards auch ausschöpfen können: Mehr Tempo, schnellere Reaktionszeiten und höhere Kapazitäten. Zum Vergleich: Mit 4G ist heute eine maximale Datenrate von einem Gigabit pro Sekunde möglich, mit 5G sind es 20 Gb/s.

Mit den heutigen Handys kann noch nicht ganz so schnell gesurft werden, allerdings profitieren auch sie von den höheren Kapazitäten, die Netzüberlastungen vorbeugen. Sind mit 4G 100’000 Verbindungen pro Quadratkilometer möglich, sind es mit 5G eine Million.

„Gestern hat Samsung angekündigt, das neue 5G-fähige Smartphone S10 Mitte Jahr auf den Schweizer Markt zu bringen“, freute sich Swantee. „Ich erwarte, dass in den nächsten Monaten immer mehr Lieferanten mit neuen Geräten auf den Markt kommen werden.“ Die neue Technologie eröffnet vor allem auch neue Möglichkeiten für die Handys, wie beispielsweise Anwendungen für Virtual Reality und Künstliche Intelligenz. (awp/mc/pg)

Sunrise

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