Swisscom 2011 mit weniger Umsatz und Gewinn

Carsten Schloter

Swisscom-CEO Carsten Schloter.

Bern – Der Schweizer Telekomkonzern Swisscom hat ein durchzogenen Jahr hinter sich. Das Unternehmen musste wegen der Wertberichtigung von Fastweb im Dezember aber auch aufgrund laufend sinkender Preise in der Erfolgsrechnung Abstriche machen. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Swisscom mit weiteren Unwägbarkeiten.

Die Swisscom hat im Geschäftsjahr 2011 einen Umsatz von 11,47 Mrd CHF erzielt. Dies entspricht einem Minus von 4,3%. Der EBITDA sank um 0,3% auf 4,58 Mrd CHF, wie der Telekomkonzern am Mittwoch mitteilte. Der EBIT ging um 57,1% auf 1,13 Mrd CHF zurück und der Reingewinn verminderte sich um 61,2% auf 694 Mio CHF. Hier wirkte sich die im Dezember kommunizierte Wertberichtigung von 1,3 Mrd EUR auf der Beteiligung an Fastweb negativ aus.

Mit dem Zahlenset hat der Blaue Riese die Markterwartungen mit Ausnahme des Reingewinns mehr oder weniger getroffen. Das Resultat entspricht zudem der von Swisscom abgegebenen Guidance für 2011. Die Aktionäre sollen für 2011 in den Genuss einer höheren Dividende kommen. Vorgeschlagen sind 22 CHF pro Aktie und damit 1 CHF mehr als im Vorjahr.

Preiserosion von 508 Mio CHF

Der Telekomanbieter hat vor allem mit einer starken Preiserosion im Schweizer Markt zu kämpfen. Swisscom beziffert die Preiserosion auf 508 Mio CHF. Das Kunden- und Volumenwachstum von 404 Mio CHF konnte diesen Effekt nicht komplett kompensieren. Gestiegen sind hingegen die Investitionen in die Schweizer Infrastruktur um 17,2% auf 1,54 Mrd CHF. Als Grund wird vor allem der Ausbau der Breitbandnetze aufgeführt. Der Personalbestand hat sich 2011 ebenfalls vergrössert: Swisscom hat im vergangenen Geschäftsjahr 564 Stellen in der Schweiz geschaffen. Dies wegen dem Ausbau der Serviceleistungen und Firmenkäufen. Der gesamte Personalbestand beträgt 16’628 Stellen.

1,5 Mio Handys verkauft
Im Kerngeschäft Mobilfunktelefonie hat Swisscom 2011 den Kundenstamm um 3,8% auf 6 Mio vergrössert. Der Telekomkonzern verkaufte 1,5 Mio Handys (+5,7%), wovon 60% Smartphones waren. Der hohe Anteil an Smartphones habe zu einer Erhöhung der Gerätesubvention geführt und zu einer Verdoppelung des mobilen Datenverkehrs. Der Preis pro Megabyte sank binnen Jahresfrist um 40%. Der Umsatz mit mobiler Datenübertragung stieg im Vergleich zum Vorjahr um insgesamt 11,5% auf 485 Mio CHF. Der durchschnittliche monatliche Umsatz pro Mobilfunkkunde sank wegen Preissenkungen und neuen Tarifmodellen um 4,1% auf 47 CHF.

Fastweb büsst deutlich an Umsatz ein
Die italienische Tochter Fastweb büsste im Nettoumsatz in lokaler Währung 7,1% auf 1,75 Mrd EUR ein. Der Umsatz von Swisscom ohne Fastweb sank um 1,1% auf 9,33 Mrd CHF, wie es weiter hiess. Aufgrund starker Konkurrenz seien die Preise weiter unter starken Druck. Der Operating Free Cash Flow der Swisscom sank um 17,7% auf 2,07 Mrd CHF.

2012: Preisdruck wird Umsatz belasten
Im laufenden Geschäftsjahr 2012 rechnet der Telekomkonzern mit einem gegenüber 2011 leicht tieferen Nettoumsatz von 11,4 Mrd CHF; dies basierend auf einem durchschnittlichen Wechselkurs von 1,23 CHF zum Euro. Der EBITDA wird auf 4,4 Mrd CHF erwartet. Die anhaltende Preiserosion lasse sich voraussichtlich nicht vollständig mit Kundenwachstum und Umsätzen aus neuen Geschäften kompensieren, so die Einschätzung. Bei Erreichen der Ziele für 2012 plane Swisscom, der Generalversammlung 2013 trotz der zusätzlichen Ausgaben für die Mobilfunkfrequenzen erneut eine Dividende von 22 CHF pro Aktie zu beantragen.

2012: Investitionen von 2,2 Mrd CHF geplant
Für Fastweb rechnet das Management mit einem stabilen Umsatz von 1,6 Mrd EUR. Den EBITDA von Fastweb sieht die Swisscom im Vergleich zu 2011 leicht höher und die geplanten Investitionen leicht tiefer. Im Konzern insgesamt plant die Swisscom im laufenden Jahr höhere Investitionen im Umfang von 2,2 Mrd CHF. Davon würden CHF 1,7 Mrd im Schweizer Geschäft investiert.

VR: Barbara Frei soll Othmar Vock ablösen
Zudem gab Swisscom eine Änderung im Verwaltungsrat bekannt: An der kommenden Generalversammlung von 4. April wird Barbara Frei zur Neuwahl vorgeschlagen. Die 41-jährige ist Länderverantwortliche von ABB in Italien. Sie soll Othmar Vock ablösen, der nicht mehr zur Wiederwahl antritt. (awp/mc/upd/ps)

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