Temenos verdient weniger Geld und formuliert die Ziele neu

Temenos verdient weniger Geld und formuliert die Ziele neu
Temenos-CEO Max Chuard. (Foto: Temenos)

Genf – Die Coronakrise hat beim Bankensoftwarespezialisten Temenos im ersten Quartal 2020 deutliche Spuren in den Büchern hinterlassen. Umsatz und Gewinn gingen zurück und lagen damit deutlich unter den Erwartungen. Die Vergabe neuer Banklizenzen kam im März beinahe zum Stillstand. Für das Jahr 2020 setzt sich die Gruppe neue, weniger forsche Ziele.

Der Umsatz (Non-IFRS) ging in der Periode von Januar bis März 2020 um 5 Prozent auf 193,7 Millionen US-Dollar zurück, wie die Gruppe am Dienstag – und damit einen Tag früher als ursprünglich vorgesehen – mitteilte. Analysten hatten mit knapp 250 Millionen weitaus mehr erwartet.

Klammert man Zukäufe und Währungseinflüsse aus, dann wäre der Umsatz von Temenos gar um 15 Prozent zurückgegangen. Das erste Quartal ist verglichen mit den restlichen Abschnitten des Jahres für den Softwareanbieter jeweils das schwächste.

Zurückhaltung der Banken
Von Corona belastet wurde in erster Linie die Vergabe von Softwarelizenzen. Der reine Lizenzumsatz halbierte sich beinahe auf noch 33,6 Millionen Dollar. Demgegenüber kletterten die Einnahmen mit „Software as a Service“-Angeboten (SaaS) dank der Übernahme der US-Firma Kony um knapp 80 Prozent in die Höhe. Die Umsätze mit Wartungen und Dienstleistungen blieben in etwa auf dem Vorjahresniveau stehen.

Im März hätten besonders Banken in Asien und Europa aufgrund der Corona-Pandemie den Fokus auf die Weiterführung des eigenen Geschäfts und die Kundenbetreuung gelegt, erklärte Temenos-Chef Max Chuard an einer Telefonkonferenz den Nachfragerückgang bei den Lizenzen. Neulizenzierungen seien auf später verschoben, aber nicht zurückgezogen worden.

Die rückläufigen Umsätze machten sich auch im Ergebnis bemerkbar. Der Betriebsgewinn EBIT fiel um rund 10 Millionen auf 39,4 Millionen Dollar zurück und die entsprechende Marge nahm um knapp 4 Prozentpunkte auf 20,4 Prozent ab. Unter dem Strich verblieb je Aktie noch ein Gewinn von 0,39 nach 0,52 Dollar.

Prognose neu formuliert
Die Probleme rund um das Coronavirus werden das Geschäft wohl auch im zweiten Quartal negativ beeinflussen. Dabei dürften sich die Probleme auch in den USA stärker bemerkbar machen – dort war das Geschäft bisher noch kaum von der Krise betroffen.

Chuard hofft aber, dass die Lockdowns und Reisebeschränkungen vieler Länder allmählich aufgehoben werden und das Geschäft in der zweiten Jahreshälfte wieder an Fahrt gewinnen wird. Schliesslich sei es fürs Aufgleisen neuer Verträge und die Implementierung von Software wichtig, dass Spezialisten vor Ort die Kunden betreuen könnten.

Aufgrund der nach wie vor unsicheren Lage hat Temenos im Ausblick zurückbuchstabiert und die Prognosen für das Gesamtjahr neu aufgesetzt. Während die Vorgaben zu Lizenzeinnahmen und Gesamtumsatz nicht mehr gelten, rechnet Temenos neu im „wiederkehrenden Geschäft“ mit SaaS-Angeboten und Wartung mit einem Umsatzanstieg von mindestens 13 Prozent. Für den Gesamtumsatz hatte man ursprünglich ein Wachstum zwischen 16 und 20 Prozent vorgegeben.

Die Probleme an der Verkaufsfront werden auch auf die Ergebnisse durchschlagen. Im Betriebsgewinn EBIT rechnet die Gruppe neu nur noch mit einem Anstieg von 7 Prozent und mehr. Da war im Februar noch von einem Zuwachs um rund einen Fünftel die Rede.

Management verzichtet auf Geld
Einen Beitrag zur Bewältigung der Krise leistet auch das Management. CEO Max Chuard und Verwaltungsratspräsident Andreas Andreades verzichten für den Rest des Jahres auf die Hälfte ihrer Saläre. Und die Gehälter der weiteren Geschäftsleitungsmitglieder werden um einen Viertel gekürzt.

Derweil soll die in Aussicht gestellte Dividende in Höhe von 85 Rappen je Aktie nicht angetastet werden. Die Aktionäre stimmen an der GV vom 20. Mai darüber ab.

An der Börse haben die Aktien von Temenos am Dienstag die anfänglich grossen Verluste eingegrenzt. Am späten Morgen verlieren sie in dem sich erholenden Gesamtmarkt noch 0,6 Prozent auf 117,25 Franken. Die bereits im ersten Quartal wegen Corona erlittenen Einbussen hatten die Analysten auf dem falschen Fuss erwischt und bei Anlegern für Enttäuschung gesorgt. (awp/mc/ps)

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