USA: Steuerbehörde lenkt bei Gesichtserkennung ein

USA: Steuerbehörde lenkt bei Gesichtserkennung ein
Gesichtsscan: Zu grosse Bedenken für Steuer-Einsatz.

Washington – Die US-Steuerbehörde, das Internal Revenue Service (IRS), lenkt nach massiver Kritik an der Nutzung von Gesichtserkennung für den Zugang zu Online-Accounts der Steuerzahler ein. Die Bedenken in Sachen Datenschutz und -sicherheit waren letztlich zu viel. Vermutlich auch, da die Nutzung der Gesichtserkennung von US-Behörden aufgrund rassistischer Tendenzen verrufen ist. Wie das IRS bekanntgegeben hat, soll die Umstellung innerhalb der kommenden Wochen erfolgen und dabei zügig eine andere Form der Authentifizierung umgesetzt werden.

Zu viel Gegenwind
Erst im November 2021 war der Plan vorgestellt worden, den Zugang zu IRS-Online-Accounts mithilfe der Gesichtserkennung des Anbieters ID.me besser sichern zu wollen. Doch der 86 Mio. Dollar schwere Vertrag hatte von Anfang an Gegenwind. Denn die Notwendigkeit, zur Authentifizierung Selfie-Viedeos zu schiessen, sorgte für Frust bei Nutzern und die Sammlung biometrischer Daten für Bedenken in Sachen Datenschutz. Dazu kam die Frage der Datensicherheit, denn eine entsprechende Datenbank mit den Gesichtern von IRS-Kunden wäre für Hacker wohl ein lohnendes Ziel.

Kritik an der Gesichtserkennung für die Online-Steuererklärung kam dabei aus beiden grossen Lagern der US-Politik. Eine Gruppe republikanischer Senatoren rückte gerade den möglichen Eingriff in die Privatsphäre und die Datensicherheit in den Vordergrund. Am gestrigen Montag verwiesen dann einige demokratische Abgeordnete zudem noch darauf, dass Gesichtserkennung zu rassistischem Bias neigt. Dies hatte 2019 eine Studie des National Institute of Standards and Technology ergeben. Erst voriges Jahr hatten Bürgerrechtler unter anderem deshalb gefordert, dass US-Behörden den Einsatz der Technologie stoppen (pressetext berichtete).

Schwenk in der Steuersaison
Schliesslich war der Druck zu viel für die Steuerbehörde. «Das IRS nimmt die Privatsphäre der Steuerzahler und Sicherheit ernst und wir verstehen die vorgebrachten Bedenken», so IRS Commissioner Chuck Rettig in einer Aussendung. Innerhalb der kommenden Wochen wird die Gesichtserkennung gestrichen, das IRS arbeitet an Alternativen zur Nutzer-Authentifizierung. Die Behörde stellt dabei einen reibungslosen Übergang und ungestörten Betrieb in Aussicht – immerhin ist gerade Hochsaision: Die US-Steuererklärungen für das Vorjahr sind bis zum 18. April 2022 fällig. (pte/mc/ps)

IRS
ID.me
National Institute of Standards and Technology
Original-Beitrag bei pressetext

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