WEF 2026: USA enteilen Europa und China bei Künstlicher Intelligenz

WEF 2026: USA enteilen Europa und China bei Künstlicher Intelligenz
(Adobe Stock)

Davos – Die Vereinigten Staaten liegen im weltweiten Wettlauf um Künstliche Intelligenz (KI) deutlich an der Spitze. Europa folgt auf dem zweiten Platz und liegt damit immerhin knapp vor China. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der Beratungsgesellschaft KPMG, für die weltweit über 900 Entscheidungsträger befragt wurden.

Der «Strategic AI Capability Index» (SACI) wurde von KPMG gemeinsam mit dem KI-Bundesverband und dem britischen Beratungsunternehmen Oxford Economics entwickelt. Er misst, wie stark KI bereits in der jeweiligen Wirtschaft genutzt wird, wie tragfähig politische und rechtliche Rahmenbedingungen sind und wie gut Forschung, Fachkräfte und Ausbildung in den Volkswirtschaften aufgestellt sind.

Die Führungsposition der USA in der Rangliste mit 75,2 Punkten auf einer Skala von null bis 100 beruht darauf, dass amerikanische Firmen die neue Technik zügig und umfassend im Geschäftsalltag einsetzen. Begünstigt wird dies durch gut funktionierende Finanzmärkte und den breiten Zugriff auf leistungsstarke Computer. Zudem profitieren die USA von einer starken Forschung und vielen gut ausgebildeten Fachleuten, was hilft, KI-Lösungen rasch von der Testphase in die breite Anwendung zu bringen.

«Die Führungsrolle der USA im Bereich Künstliche Intelligenz ist kein Zufall», sagte Ashish Madan, Technikchef von KPMG in Deutschland. Sie beruhe auf dem engen Zusammenspiel von Investitionen, Forschung und Anwendung. «In der KI-Ökonomie verstärken sich Vorteile sehr schnell: Wer früh skaliert, verschafft sich strukturelle Vorteile, die später kaum noch aufzuholen sind.»

Europa setzt zu langsam um
Europa liegt in der Gesamtwertung mit 48,8 Punkten deutlich hinter den USA. Zwar verfügt der Kontinent über eine starke Industrie und gute Regeln für die Technik, doch diese Vorteile werden wirtschaftlich kaum genutzt. Die Einführung von KI in Unternehmen verläuft schleppend; viele Anwendungen bleiben im Versuchsstadium stecken. Hohe Strompreise, fehlende Rechenleistung und zersplitterte Finanzmärkte erschweren es, die Technik im grossen Stil auszurollen.

Innerhalb Europas zeigt sich jedoch je nach Region ein geteiltes Bild: Grossbritannien und Irland schneiden am besten ab und bewegen sich mit 69,2 Punkten fast auf dem amerikanischen Niveau. Die deutschsprachigen Länder (Deutschland, Österreich, Schweiz) liegen mit 54 Punkten im Mittelfeld. Mittel- und Osteuropa (28,8 Punkte) sowie Südeuropa (26,3) fallen dagegen deutlich ab, da es dort oft an Geld und technischer Ausstattung fehlt.

China leidet unter fehlendem Austausch
China landet in der Bewertung mit 48,2 Punkten nur knapp hinter Europa. Das Land sei zwar stark bei der Anmeldung von KI-Patenten und kontrolliere wichtige Bauteile für die Computertechnik, doch die Zusammenarbeit mit dem Ausland sei gering. Diese Abschottung bremst den Wissensaustausch und verhindert oft, dass KI in der Wirtschaft gewinnbringend eingesetzt wird.

Empfehlungen der Berater
Die Studie empfiehlt Europa, die eigene Eigenständigkeit zu stärken, ohne sich abzuschotten. Um den Rückstand aufzuholen, müssten Genehmigungsverfahren beschleunigt und mehr Geld für wachsende Firmen bereitgestellt werden. Zudem brauche es eine Reserve an Rechenleistung für junge Unternehmen sowie mehr Fachkräfte, auch durch Zuwanderung. Ziel müsse es sein, technische Abhängigkeiten zu verringern und KI schneller in die Breite der Wirtschaft zu tragen. (awp/mc/pg)

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