Yahoo-Chefin Carol Bartz muss gehen

Carol Bartz

Carol Bartz muss ihren Sessel räumen.

Sunnyvale – Der Internet-Pionier YAHOO kommt nicht zur Ruhe: Chefin Carol Bartz wurde gefeuert, Spekulationen über einen möglichen Verkauf bekommen neuen Auftrieb. Der Abschied von Bartz fiel nach zweieinhalb Jahren ungewöhnlich schroff aus. Sie sei von dem Chefposten «entfernt» worden, teilte Yahoo am Dienstagabend mit. Finanzchef Timothy Morse übernimmt das Ruder, während nach einem ständigen Firmenchef gesucht wird.

Sie selbst habe von ihrem Rauswurf übers Telefon erfahren, schrieb Bartz in einer Abschieds-Mail an ihre Mitarbeiter, die schnell den Weg ins Internet fand.

Überprüfung der strategischen Ausrichtung
Die Aktie sprang am Mittwoch vorbörslich um mehr als sieben Prozent hoch. Das liegt nicht nur an den Zweifeln an Bartz› Strategie, sondern auch an den Aussichten für einen möglichen grossen Deal um Yahoo. Verwaltungsrats-Chef Roy Bostock deutete in der Erklärung zu Bartz› Rauswurf eine Neuaufstellung des Internetkonzerns an. Der Verwaltungsrat habe eine Überprüfung der strategischen Ausrichtung angestossen, erklärte Bostock. Die Möglichkeiten für das künftige Wachstum von Yahoo würden ausgelotet.

Zerschlagung? Übernahme? Dekotierung?
In der Sprache der Börsianer heisst das: Alles ist möglich. Das gut informierte Blog «All Things Digital» berichtete, Yahoo werde gerade von einer Meute zahlungskräftiger Investoren umkreist. Darunter seien bekannte Namen wie die Internet-Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz oder der ehemalige News-Corp.-Manager Peter Chernin. Die Szenarien reichten von einer Zerschlagung über eine grosse Beteiligung bis hin zur Möglichkeit, dass Yahoo von der Börse genommen wird.

Börsenwert von 16 Mrd. Dollar
Nach den Ertragsproblemen der vergangenen Jahre ist Yahoo schliesslich auch nicht mehr so teuer: Der Börsenwert lag zuletzt bei 16 Milliarden Dollar – rund ein Drittel von der Summe, die Microsoft Anfang 2008 zu zahlen bereit war. Der Firmenmitgründer und damalige Chef Jerry Yang lehnte jedoch ab, und zog damit schon damals den Zorn einiger Aktionäre auf sich.

Google erweist sich als übermächtig
Bartz war Anfang 2009 mit dem Versprechen angetreten, den behäbig gewordenen Internet-Pionier wieder ganz nach vorne zu bringen. Yahoo hatte einst in den Anfangsjahren des Internet-Booms als Portal mit E-Mail-Dienst und Nachrichten gross geworden, doch dann zogen immer neue Wettbewerber mit ihren Angeboten vorbei und sicherten sich ihren Anteil der Internet-Werbedollar. Google dominiert das Geschäft mit der Internet-Suche, Facebook macht Milliarden als Online-Netzwerk – Yahoo hingegen wird als lose Ansammlung von Diensten wahrgenommen.

Geschäft mit grafischen Anzeigen schwächelt
Bartz hat seit ihren Amtsantritt zwar Hunderte Stellen gestrichen und damit die Kosten deutlich gesenkt. Doch Yahoo verlor weiteren Boden gegen Google; der Umsatz schrumpfte. Zuletzt schwächelte ausgerechnet das wichtige Geschäft mit grafischen Werbeanzeigen. Dabei sind diese «Banner» eigentlich das Steckenpferd von Yahoo.

Ärger mit Partner Alibaba
Die Strategie von Bartz, das Unternehmen als Anbieter von «Premium-Inhalten» zu positionieren, brachte nicht den Erhofften Schub bei den Werbeeinnahmen. Zudem gab es zuletzt Scherereien mit dem chinesischen Partner Alibaba um einen Bezahldienst. Das ist eine besonders sensible Angelegenheit, denn die Beteiligung von 40 Prozent an der chinesischen Onlinehandels-Plattform Alibaba gilt inzwischen beinahe schon als das Wertvollste an Yahoo.

In Bartz› Zeit fällt auch die Kooperation mit dem Software-Konzern Microsoft bei der Internetsuche, bei der Yahoo die eigene Suchmaschinen-Technologie fallen liess. Trotz des starken Partners tut sich Yahoo schwer, sich gegen Konkurrenten wie Google und Facebook zu behaupten. (awp/mc/pg)

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