VP Bank: Pfund reagiert positiv auf mögliche Brexit-Verschiebung

Thomas Gitzel
von Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank. (Screenshot YouTube)

Kurzzeitig hatte man das Gefühl, die britische Demokratie sei ausgehebelt. Doch der gestrige Tag belehrte uns eines Besseren. Das Parlament nahm das Zepter in die Hand und errang die Oberhand über die Tagesordnung der heutigen Sitzung des Unterhauses. Die Abgeordneten werden deshalb am Mittwoch über ein Gesetz beraten und auch verabschieden, das den EU-Austritt Grossbritanniens ohne Vertrag Ende Oktober verhindern soll. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Gesetz auch durchkommt.

Diese mögliche Niederlage möchte der britische Premierminister Boris Johnson mit Neuwahlen quittieren. Hierzu braucht er allerdings die Zustimmung der Opposition. Ob diese einwilligt ist bislang noch offen. Im Falle von Neuwahlen könnte es Boris Johnson ähnlich ergehen wie einem Matteo Salvini von der Lega Nord in Italien: Der Schuss kann nach hinten losgehen. Aktuellen Umfragen zufolge kommen die konservativen Tories von Johnson auf eine keine Mehrheit. Schliesst sich das pro-europäische Lager hingegen zusammen und bildet eine Koalition, muss Johnson auf die Oppositionsbank.

Ein harter Brexit ist nun wieder unwahrscheinlicher geworden. Es ist möglich, dass Grossbritannien länger in der EU verbleiben wird, als es Johnson lieb ist. Ein weicher Brexit oder gar ein Verbleib in der EU hat nach wie vor gute Chancen. Das Pfund zeigt sich heute Morgen etwas erholt. Die Aufwertungen könnten sich im Falle weiterer Niederlagen des britischen Premiers fortsetzen. (VBP/mc)

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