Swisscom trotz Abschreiber besser als der Markt

Swisscom

Zürich – Die Aktien der Swisscom sind am Mittwoch zwar mit einem deutlichen Minus gestartet, haben sich im Laufe des Morgens aber klar ins Plus vorgearbeitet und sind damit in der SMI-Spitzengruppe zu finden. Grund für die anfänglichen Abgaben: Das grösste Schweizer Telekommunikations-Unternehmen muss für den Kauf der italienischen Tochter Fastweb Goodwill von 1,3 Mrd EUR abschreiben, was das diesjährige Geschäftsergebnis mit 1,2 Mrd CHF belasten wird. Die Erholung wird vor allem damit begründet, dass mit den heutigen News eine gewisse Unsicherheit, die den Kurs zuletzt belastet hat, nun weg ist.

Das Swisscom-Papier hat im Tief kurz nach Handelsbeginn 1,7% verloren; danach hat sich die Aktie aber erholt und notiert zur Berichtszeit um 11.15 Uhr 0,5% höher bei 346,80 CHF. Gehandelt sind bis dahin gut 65’000 Stück, dies bei einem Tagesdurchschnitt in den letzten Wochen von etwas unter 120’000. Der Gesamtmarkt (SMI) verliert derweil 0,1%.

«Nicht ganz überraschend»
In Analystenkommentaren werden die ausserordentlichen Goodwill-Abschreibungen mehrheitlich als enttäuschend, wenn auch als nicht ganz überraschend beurteilt. Die ZKB meint etwa, es sei bereits seit Monaten darüber spekuliert worden. Überraschend sei eher, dass es in einem Moment geschehe, wo Fastweb sich auf dem Weg der Besserung befinde.

«Nun ist es geschehen»
Die Bank Vontobel kommentiert: «Nun ist es geschehen.» Die Abschreibung sei keine Überraschung, man habe die Wachstum- und Margenprognose für Fastweb auch bereits früher angepasst. Der einzige negative Aspekt ist laut der Bank, dass die Übernahme vom derzeitigen CEO Carsten Schloter vorangetrieben worden sei, der aber einen sehr guten Ruf geniesse. Die Bank rechnet entsprechend nicht mit negativen Folgen für ihn.

Neue Annahmen bei Fastweb «realistisch»
Die ZKB meint weiter, dass sich die Schwierigkeiten in Italien in der Bewertung von Fastweb widerspiegeln müssten. Durch den hohen Abschreiber von 1,3 Mrd verbleibe aber nur noch ein kleinerer Teil des Goodwills in den Büchern von Swisscom. Dieser dürfte nun kaum mehr zum Thema werden, was auch Druck von den Aktien nehme. Die neuen Annahmen bei Fastweb werden bei der ZKB als «realistisch» beurteilt.

Einige Experten hatten zuletzt mit einem strategischen Vorstoss in Form eines Verkaufs von Fastweb oder einer Fusion der italienischen Tochter mit einem lokalen Mitbewerber gerechnet. Der Alleingang von Fastweb zeige, dass kein vernünftiger Käufer oder Fusionspartner gefunden werden konnte, heisst es nun dazu.

Dividendenerhöhung als Trostpflaster
Die leichte Erhöhung der Dividende wird als kleines Trostpflaster für die Aktionäre gesehen. Die heutigen News dürften denn auch keinen allzu grossen Einfluss auf den Aktienkurs haben, meinte ein Händler. Zudem dürften keine weiteren Auslandengagements in Auge gefasst werden, so dass mehr Geld an die Aktionäre ausgeschüttet werden könnte.

«Niederlage für Swisscom und CEO Schloter»
Deutlich negativer äussert sich ein anderer Händler. Der Alleingang von Fastweb werde als Niederlage für das Mutterhaus und für den dortigen CEO Carsten Schloter ausgelegt, sagte er. Fastweb bleibe wohl auch in Zukunft das Sorgenkind von Swisscom. Anstatt ein Ende mit Schrecken drohe dem Unternehmen in Italien nun Schrecken ohne Ende.

An der Einstufung der Swisscom-Aktie ändert sich aber kaum etwas. Die Abschreibung und der Dividendenvorschlag seien keine bahnbrechenden Neuigkeiten und da sie nicht zahlungswirksam seien, hätten sie keine Auswirkungen auf die Bewertung, so Vontobel. Die Bank bleibt beim «Hold» mit Kursziel 380 CHF. Die ZKB belässt die Einstufung auf «Übergewichten», da die Dividendenrendite bei 6,5% liege und nun auch etwas Druck von der Aktie weg sei. (awp/mc/pg)

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