Europa-Schluss: Erholung setzt sich dank fester Wall Street fort

Boerse
(Adobe Stock)

Paris / London – Europas wichtigste Aktienmärkte haben sich am Donnerstag weiter stabilisiert. Unterstützung kam ein weiteres Mal aus den USA. Dort hatte die Wall Street am Vorabend nach Hinweisen der US-Notenbank auf weitere deutliche Zinsschritte zugelegt und baute diese Erholungsgewinne nun weiter aus.

«Dass die US-Notenbank mit weiteren Zinserhöhungen mal für Erleichterung am Aktienmarkt sorgen würde, klingt etwas paradox», schrieb Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets. Allerdings interpretierten die Investoren die Entschlossenheit der Fed, die aus dem Sitzungsprotokoll hervorgehe, «als Zeichen des Vertrauens in die Robustheit der Konjunktur», erklärte er. Damit hätten die zuletzt dominierenden Rezessionsrisiken keine neue Nahrung erhalten.

Der EuroStoxx 50 schloss 1,95 Prozent höher auf 3488,50 Punkte. Der französische Cac 40 stieg um 1,60 Prozent auf 6006,70 Punkte und in London rückte der FTSE 100 um 1,14 Prozent auf 7189,08 Zähler vor. Dass der britische Premierminister Boris Johnson als Chef seiner Konservativen Partei zurückgetreten ist, aber als Regierungschef weitermachen will, bis ein Nachfolger gewählt ist, bewegte die Kurse kaum.

Profiteure an Europas Börsen diesem Tag waren Rohstoffwerte und zyklische Aktien, etwa aus der Auto- oder Technologiebranche. Allesamt hatten zuletzt besonders unter den hochgekochten Rezessionssorgen gelitten. Den Technologieaktien half zudem, dass Samsung in den Monaten April bis Juni deutliche Zuwächse beim operativen Ergebnis erwartet. Die Papiere des niederländischen Halbleiterausrüsters ASML, eines wichtigen Zulieferers der Südkoreaner, zogen vor diesem Hintergrund um 4,6 Prozent an.

Weniger gefragt waren sogenannte defensive Sektoren, die wenig bis kaum konjunkturellen Schwankungen ausgesetzt sind. Aktien von Nahrungsmittelherstellern verzeichneten sogar leichte Verluste. Hier belasteten etwa die Abgaben von Diageo und Pernod Ricard, aber auch die von Nestlé. Die Schweizer Aktie hatte zuletzt deutlich gegen den Markttrend zugelegt und war damit einmal mehr ihrer Rolle als sicherer Hafen gerecht geworden. Sie gab nun um 0,5 Prozent nach.

Unter den Einzelwerten fiel eine weitere Aktie aus der Schweiz auf: Clariant zogen um 3,4 Prozent an. Händler verwiesen auf neuerliche Übernahmespekulationen und auf einen Bericht des Onlineportals «The Market», wonach bei dem Spezialchemie-Konzern die Governance-Vereinbarung mit dem saudischen Grossaktionär Sabic Ende Juni ausgelaufen sei und damit wieder alle strategischen Optionen offen seien. Sabic hält 31,5 Prozent an Clariant und könnte den Konzern vollständig übernehmen. Denkbar wäre aber auch eine andere, von den Saudis initiierte Transaktion. Daher suche Clariant nun das Gespräch mit Investoren. (awp/mc/ps)

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